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    „Sunsation“

    Sommer, Sonne und sonniges Varieté. Auch in der sonst so erholsamen Sommerpause spielten einige Varietétheater Programm. Das GOP Varieté in Essen setzte auf „Sunsation“ mit dem Rizoma Ensemble aus Russland und der Ukraine. Die Gruppe um Anatoliy Zalevsky präsentierte eine kontrastreiche Symbiose aus Ballett und Akrobatik und kombiniert dies zu avantgardistischer Kunst. Vyacheslav Perevyasko hatte sich riesige Stangen zum Jonglieren ausgesucht, um damit dynamisch-traumhafte Bilder in die Luft zu zeichnen. Die Brüder Oleksandr und Vyacheslav Iroshnikov vertrauten gegenseitig auf die Kraft des anderen, stützten sich, hoben einander und wirbelten in mehrfachen Salti und Schrauben durch die Luft. Ihre ausdrucksvollen Kombinationen bestachen durch fließende Übergänge und Dynamik. Ohne eine Wand zum Anlehnen, sondern mitten auf der Bühne erklomm Oleksandr Krasnopolsky scheinbar schwerelos, kraftvoll und poetisch zugleich Sprosse für Sprosse seiner Leiter und ließ sie entgegen aller Schwerkraft tanzen. Ästhetisch und technisch perfekt bot Taras Pozdnyakov seine Ringjonglage im Rhönrad drehend, teils kopfüber und in verschiedenen Positionen. Egorov und Hoy, die beiden Absolventen der Circusschule Kiew, bestachen mit einer phänomenalen Schlappseil-Darbietung. Mit verbundenen Augen absolvierten sie akrobatische Hand- und Kopfstände der Sonderklasse. Anmutig und elegant schwebte Ina Leonova ganz in weiß durch den Raum. Eine Strapatendarbietung zum Träumen. Der ukrainische Rola-Rola-Spezialist Vladimir Dubovsky türmte sich aus ein paar Holzbrettern und Metallzylindern einen halsbrecherischen Laufsteg, auf dem er Slapstick und Akrobatik vollführte. Bei seinem waghalsigen Balanceakt schien er sich außerhalb jeglicher physikalischer Gesetzmäßigkeiten zu bewegen. Elegant, schön und manchmal bizarr waren die Figuren, die Nataliya Vasylyuk mit ihrem Körper formte. Ihre Kontorsion war eine Art Tanz, bei dem der Körper als Ausdrucksmittel für Stimmung und Emotionen sorgte. Yuriy Yagin und das Rizoma-Ballett verbanden die einzelnen artistischen Sequenzen zu einem Ganzen. Tänzerisch, leichtfüßig und poetisch bildeten sie Brücken zwischen den Bildern der einzelnen Artisten. Mikos waren eine einzigartige Erscheinung von Sergej Davidov, Nikolai Bereza, Mikhail Usov und Sergej Ivanov. Sie bildeten das russische Clown-Quartett. Die vier Individualisten ordnen sich der klassischen Idee einer Clownsformation unter, ohne dabei ihre eigenen Charaktere aufzugeben. Mit absurdem Humor und einem Wechselspiel von Imagination, Intuition und visueller Darstellung faszinierten sie die Zuschauer. Sie paarten Melancholie und Poesie mit schriller Komik und artistischem Klamauk und führten damit beste Clown-Traditionen fort. Als Höhepunkt des Ganzen ließ es sich Anatoliy Zalevsky nicht nehmen, seine ausdrucksstarke und preisgekrönte Equilibristik-Darbietung zu zelebrieren. Das Ensemble wurde zum Schluss vom Publikum für seine eigenwillige Inszenierung frenetisch umjubelt.

    Magisches Sommervarieté spielte das GOP in Bad Oeynhausen. Mit seiner abendfüllenden Show „Magic Affairs“ gastierten Topas und Roxanne im Kurbad und be- und verzauberten mit ihren Groß- und Kleinillusionen die Zuschauer. Dabei zog Topas wieder einmal alle Register seiner fingerfertigen Künste und versetzte so von der Manipulation bis zur Großillusion alle ins Staunen. Zwei Artisten waren mit von der Partie und bereicherten so die magischen Illusionen. Andrey Koltsov wurde bereits im Alter von 17 Jahren vom berühmten Cirque du Soleil verpflichtet. Nun brillierte er mit seiner kraftvollen Handstandakrobatik auf der Bühne des GOP. Elena Serafimovich berührte die Zuschauer mit der grazilen Leichtigkeit ihrer Bewegungen. Sie schwebte am Ring durch den Raum und vollführte dabei kontorsionistische Höchstleistungen. Zum Finale applaudierte ein begeistertes Publikum.

    Höchst „Royal“ ging es im Düsseldorfer Apollo Varieté zu. Mark Britton, seines Zeichens Stand-Up-Comedian, legte von Künstler zu Künstler mit unglaublicher Mimik und extravagantem Körpereinsatz den roten Teppich aus. Nahezu synchron turnten Glen Nikolodi und sein Hund im Handstand die Treppe herunter oder auch herauf. Kein Problem, denn bei ihm sah das kinderleicht und spielerisch aus – ein gelungenes Wechselspiel zwischen akrobatischer Höchstleistung und ungezwungenem Umgang zwischen Mensch und Tier. Waghalsig und voller Kraft mit einer Mischung aus Eleganz und Ästhetik vollzog Graziella Galán atemberaubende Figuren am Trapez. Eccentric Silent Comedy – mit witzigen und zugleich temporeichen Einlagen brachte der Pantomime Elan das Publikum zum Lachen, wenn er urkomische Parodien oder Zuschauerschauspieler in seine Nummer mit einbezog. Kris Kremo zu beschreiben hieße Eulen nach Athen zu tragen, denn seine einzigartige Jonglierdarbietung sucht wohl weltweit ihresgleichen. Der Gentleman-Jongleur bewies wieder einmal sein großartiges Können. Die aus Ungarn stammenden Tänzer der Gruppe Enemy Squad brachten einen heißen Breakdance zu dem schon ungemein heißen Sommer auf die Bühne. Extravagante Bewegungsabläufe, energiegeladenes Tempo zeichnete diese Truppe aus. Yelena Larkina verzauberte mit ihren Hula-Hoop-Reifen. Sowohl optisch wie auch choreografisch eine artistisch perfekte und elegante orientalische Darbietung auf hohem Niveau. Kraft, ausgeprägter Gleichgewichtssinn und die absolute Synchronität waren die Markenzeichen der Peres Brothers. Mit ihrer beeindruckenden Kraftakrobatik gewannen die beiden Portugiesen bereits zahlreiche Preise. Musikalisch royal begleitet wurden die Künstler vom hauseigenen Orchester, das auch zum großen königlichen Finale aufspielte. Ihre Majestät – das Publikum – war „very amused“.

    Redaktion: Hartmut Höltgen-Calvero

    2004-09-15 | Nr. 44 | Weitere Artikel von: Hartmut Höltgen-Calvero