Trottoir Online Magazin / Künstler und Eventattraktionen

--- Trottoir Admin Ebene ---

 
 
 
Trottoir Header
Suche im Trottoir

Kategorien Alle Jahrgänge




Admin Bereich K10


Artikel - gewählte Ausgabe
Meist gelesen
Statistik
  • Kategorien: 66
  • Artikel: 3327
  • Themen-Fokus :: Zauberkunst

    [zurück]

    „Zauber Zauber“

    1986 wurde erstmals unter der Regie von Thomas Schütte ein reines Zauberkunstprogramm mit verschiedenen Zauberkünstlern aus allen Bereichen dieser Kunstgattung aufgeführt. Dazu hatte man eigens eine alte japanische Jabuki-Theaterbühne restaurieren lassen, die viele Jahre im Wintergarten Varieté Berlin gelegen hatte. Nunmehr, im Jahre 2006, startete eine neue Produktion von „Zauber Zauber“ in Roncalli’s Apollo Varieté in Düsseldorf, eine der bisher aufwändigsten für ein Varietétheater.

    Philip Simon gehört zu den Sprechzauberkünstlern der Güteklasse A. Witzig, frech und teilweise mit skurrilem Charme führte er durch diese neue Produktion und erfüllte sich damit einen Kindheitstraum, hatte er doch als kleiner Junge schon eine der Produktionen gesehen. Omar Pascha gehört mit seinem Schwarzlichttheater zu den Klassikern der Illusion. Virtuos lässt der gebürtige Franzose wie in einem Märchen aus 1.001 Nacht in Sekundenschnelle Dinge und Personen erscheinen und verschwinden. Zum Schluss löst sich der Meister selbst in Luft auf. Dabei kommt er ganz ohne die berühmten Kisten und Kästen aus. Sein schwarzes Theater gilt als eines der besten und bezauberte schon Menschen in aller Welt. Jan Becker ist Gedankenleser, Geschichtenerzähler und Magier in einer Person. In seiner Mentaldarbietung entführt er das Publikum mit durchdringendem Blick in die Gedankenwelt. Sein Spiel gehört zu den provokantesten und zugleich faszinierendsten, eine Mischung aus Psychologie und Menschenkenntnis. Ein Knaller war Viktor, der in einem überdimensionierten Luftballon die tollsten Kapriolen hinlegte. Ob Hüpfer oder gewaltige Sprünge, ob nur ein Arm oder ein Bein aus dem Ballon schaute, niemals platzte der Gummiball. Die „First Lady of Illusion“, Belinda Roy, war sicherlich eine Exotin in einer Männerdomäne. Sie wusste sich aber mit ihren Illusionen schwebend, erscheinend und verschwindend durchzusetzen. Bei der Modenschau des Duos Minasov und deren Tempo kamen selbst die Zuschauer ins Schwitzen. In ihrer Magica Quick Change Performance wechselten die Kleider so schnell wie der Takt der Musik. Mit diesem „Modemarathon“ erreichten die beiden sowohl beim „Russian Festival of Circus Art“ als auch beim „International Festival of Comic Art“ in China den ersten Platz. Bunt und fix verblüffte Nestor Hato mit seinen genialen Kartenmanipulationen, als neuer Stern am Zauberkunsthimmel. Der junge Franzose bestach durch eine dynamische Show mit extravagantem Touch. Jonathan David Bass hielt Magie der besonderen Art bereit. Er führte das Publikum auf eine Reise in die fantastische Welt der Science-Fiction. Bunte Tauben verwandeln sich in eine meterlange Python. Schon 1996 gewann er mit seiner Darbietung den ersten Preis bei der „International Brotherhood of Magicians“. Ein zauberhaftes Finale schloss sich an und wurde begeistert aufgenommen.

    Mentalzauberkunst hat im Augenblick Hochkonjunktur. Thorsten Havener tourt als „Der Gedankenleser“ durch Deutschland. Mit seiner sehr charmanten Art versteht er es, Menschen auf das Beste zu unterhalten und sonst manchmal eher langweilige Mentaleffekte herausragend zu präsentieren. Dabei lässt er niemals den Eindruck aufkommen, er habe etwa übernatürliche Fähigkeiten und verzichtet auf jegliche Art von Mystik. Die Höflichkeit im Umgang mit dem Zuschauer und die verbildliche Art seiner Präsentation lassen die Show zu einem Erlebnis werden, wenn er beispielsweise den Namen des Freundes einer jungen Dame errät, sein Medium dieselbe Zeichnung auf einem Block angefertigt hat wie er, eine junge Frau mit geschlossenen Augen die Körperstellen spürt, an denen der Partner vom Gedankenleser berührt wurde, etc. Für das Publikum bleibt nur ratloses Staunen innerhalb der zweistündigen Show.

    Chris Angel sieht aus wie ein Punkrocker und hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, mit diesem Image die Zauberkunst im 21. Jahrhundert zu modernisieren. Der amerikanische „Megamagier“, mit bürgerlichem Namen Christopher Sarantakos, verbuchte schon mit zwölf Jahren seine ersten zauberischen und auch finanziellen Erfolge. Mit 19 Jahren verdiente er bereits in Nachtclubs 3.000 Dollar pro Woche. Seinen Durchbruch schaffte er mit der Off-Broadway-Show „Chris Angel Mindfreak“. Danach folgten Fernsehshows bei ABC, MTV und Discovery Channel. Im letzten Jahr drehte er die Mindfreak-Fernsehserie, eine sechzehnteilige, halbstündige TV-Show, in der er mit besonders ausgefallenen und spektakulären Illusionen auf sich aufmerksam machte. Surreales, Irreales, Abgefahrenes und Selbstmörderisches kennzeichnen die Reality-Show. Neben Live-Street-Magic werden packende Großillusionen und gefährliche Stunts präsentiert. So spielte er z. B. zum 70. Geburtstag seiner Mutter eine lebendige Fackel. Bei dieser Performance ließ er sich in Brand stecken, ohne Hände und Gesicht bedeckt zu halten. Nach einigen Sekunden brach er zusammen und die Helfer versuchten zu löschen. Doch plötzlich war der Magier verschwunden und tauchte unerwartet als einer der Löschmänner wieder auf. Weiterhin brachte er mitten in Las Vegas auf einer Straße, umringt von Zuschauern, eine Person zum Schweben. Wie ein Houdini entfesselte er sich aus einem in der Luft hängenden, mit Wasser gefüllten Weinfass. Beim russischen Roulette sagte er die scharfe Kugel in der jeweiligen Revolverkammer voraus. Mit künstlich erzeugten Tesla-Blitzen ließ er sich beschießen, ohne Schaden zu nehmen. Aus einem Wassertank, in den man ihn eingeschlossen hatte, verschwand er sichtbar. Seine durchaus atemberaubenden Illusionen sind faszinierend, jagen einem aber auch gewaltige Schauer über den Rücken. An Sensationellem ist Chris Angel jedoch fast kaum noch zu überbieten.

    Redaktion: Hartmut Höltgen-Calvero

     


    2006-03-15 | Nr. 50 | Weitere Artikel von: Hartmut Höltgen-Calvero