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    68-er „Born to be wild“

     

    Kinder, wie die Zeit vergeht. 40 Jahre sind seit dem legendären Jahr 1968 inzwischen vergangen, und wenn man noch einmal vierzig Jahre zurückdenkt, ist man schon im Jahr 1928 gelandet, beim Börsenkrach und lange bevor Deutschlands Weg in den faschistischen Abgrund begann. Doch dieses Jahr wird allerorten nicht des Börsenkrachs gedacht, sondern es werden überall die 68er diskutiert. Von Rudi Dutschke bis zur Kommune 1, vom SDS bis zur RAF und von Prag bis Vietnam reichen die Diskurse. Vierzig Jahre alt ist auch der Journalist Daniel Gäsche, der die damaligen Ereignisse vor allem unter dem Gesichtspunkt einer veränderten Jugendkultur darlegt und deutet: Born to be wild – Die 68er und die Musik (Militzke Verlag ISBN 978-3-86189-806-1; 352 S., 24,90 €). Hier beschreibt er die Situation in den sechziger Jahren von den USA bis zum geteilten Deutschland. Ein insgesamt sehr anregendes Buch, das uns „uralte“ Geschichten erzählt, deren Wirkungen und Einflüsse bis heute anhalten. Der Entwicklung der deutschen Folkbewegung, der Liedermacherei und den Festivals auf der Burg Waldeck wird bei Bear Family in einer äußerst umfangreichen Dokumentation von Michael Kleff eine verdiente Würdigung zuteil: Die Burg Waldeck Festivals 1964–1969 (Bear Family BCD 16017 JC / ISBN 978-3-89916-394-0; 10 CDs, fast 15 Stunden, Buch mit 240 Seiten). 1964 wurde vom Studentischen Kreis der Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck (ABW) zu einem ersten Festival „Chanson Folklore International – Junge Europäer singen“ eingeladen. Von da an ging es bergauf:

    Künstler wie Reinhard Mey, Franz Josef Degenhardt u.v.a. prägten seitdem die Festivals. Sie wurden zunehmend politischer, auch chaotischer, und 1969 wurde das letzte Treffen dieser Art veranstaltet. Doch für die Künstler und die kulturelle Entwicklung im Land sind von diesen Festivals wichtige Impulse ausgegangen. Dem politischen Lied, dass mit zu den politischen Unruhen 1968 beigetragen hat, wurde auf der Burg Waldeck zum Durchbruch verholfen. Ein umfangreicher biographischer Anhang über die beteiligten Künstler rundet diesen wichtigen Beitrag zur Kulturgeschichte der Bundesrepublik ab.

    2008-06-15 | Nr. 59 |