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    7. Internationales Varieté- und Zirkusfestival in Dresden – Startissimo 2009

    Zum siebten Mal fand in Dresden das vom Verein Dresdner Varieté- und Zirkusfestival e. V. in Kooperation mit dem Mitteldeutschen Rundfunk – und dieses Jahr erstmalig mit der MDR-Vermarktungsgesellschaft TELEPOOL als Ausrichter – veranstaltete Artistenfestival statt.

    Damit soll auch an die langjährige Zirkustradition Dresdens, die vor allem mit dem Namen Sarrasani verbunden ist, angeknüpft werden.

    Die Wettbewerbe des Festivals fanden in zwei verschiedenen Kategorien statt: ein mehrtägiger Wettbewerb „KI.KA LIVE – Magie und Fantasie 2009“ für junge Amateurartisten, der vom Kinderkanal vom 20. bis 23.4. übertragen wurde; und der Wettbewerb um den „Goldenen Rathausmann“ am 24.4. für junge Artisten von 18 bis 28 Jahren. Die Bewerber sollten Absolventen von Artistenschulen oder mindestens 3 Jahre im Artistenberuf tätig gewesen ein. Am KI.KA LIVE-Wettbewerb beteiligten sich 12 junge Artisten bzw. Gruppen, von den sechs Finalisten wurde als Preisträger der Diabolo-Spieler Felix vom Kinderzirkus Orlando ermittelt.

    Nach Angaben der Veranstalter hatten sich für den Wettbewerb der Profis 150 Bewerber aus 19 Ländern gemeldet, von denen 13 Darbietungen ausgewählt wurden. Nun sagen die Bewerberzahlen noch nichts über die Qualität der Bewerber aus, aber man kann konstatieren, dass die fünfköpfige Auswahlkommission eine insgesamt gute Auswahl getroffen hatte, auch wenn einige Länder wie Kanada mit 4 und die Ukraine mit 3 Nummern stark präsent waren. Überhaupt hatte man es ein wenig mit den Zahlen: die Jury mit internationaler Beteiligung bestand aus 9 Personen, und es gab 17 Festival-Botschafter, deren Rolle ein wenig nebulös blieb. Lediglich die Clownesse Antoschka durfte auf die Bühne, um Oleg Popow – der eine Videogrußbotschaft sandte – und Joseph Bouglione in Abwesenheit einen „Planet Clown Award“ zu überreichen.

    Die Qualität des Festivals hat sich gegenüber den Vorjahren deutlich erhöht, das ist eine erfreuliche Feststellung. So standen traditionelle Nummern neben innovativen, und es ist festzustellen, dass sich das Festival inzwischen einen Namen gemacht hat. Ein Vergleich mit Monte Carlo oder Cirque de Demain wäre natürlich übertrieben, auch weil die Veranstaltung im Sarrasani Trocadero einen eher kleinen Zuschauerkreis erreichte.

    Der Abend begann mit dem Diabolokünstler Jérémie Arsenault, Absolvent der Québec Circus School. Er arbeitete sehr gut auf die Musik und verkaufte sympathisch, es fehlen aber noch wirkliche Höhepunkte in seiner Arbeit. Das Duo Twix von der Kiewer Artistenschule zeigte tänzerische Partnerakrobatik mit einigen hübschen Tricks, die Figuren dabei meist nur kurz gehalten. Einer der Höhepunkte der Show war der Kanadier Martin Frenette am Doppelschwungseil: ausgezeichnete Tricks, der Ablauf gut komponiert und in einer sehr eleganten Ausführung, fast ein Ausdruckstanz an Seilen, eine beeindruckende Arbeit, die ihm den Bronzenen Rathausmann und den Sonderpreis des GOP einbrachte – man hätte mit mehr gerechnet. Einen weiteren herausragenden Act zeigte Hugo Noel, auch er von der Quebec Circus School, mit einer Arbeit an einem einzelnen Ring, die schwierig auszuführen ist, aber interessante neue Tricks und Kombinationen ermöglichte. Seine schöne und ungewöhnliche Arbeit fand erstaunlicherweise bei der Jury nicht die verdiente Anerkennung. Kati und Philipp, Absolventen der Berliner Artistenschule, stellten ihre Tuchnummer vor, präsentiert in der Art einer Haltestuhlarbeit, mit sehr schönen Tricks, noch fehlt aber ein wenig die Ausstrahlung. Ungewöhnlich die Gestaltung der Kontorsionistik von Elizabeth Gaumond aus Kanada. Ihre Verknotungen, in denen sie ein Fabelwesen darstellt, waren ein Beispiel für die mehrfach beschworene Innovation und Kreativität, aber auch für das Zusammenspiel von Ausstrahlung und choreografischer Gestaltung. Eigenwillig in Gestaltung und Interpretation die Schleuderbrettnummer von André & Elias, sie konnte trickmäßig nicht ganz überzeugen. Aus Russland kam Alona Zhuavel mit Handständen und Kautschuktricks in einem Stahlrohrwürfel, sie ließ sich zum Schluss mit Wasser berieseln. Skurrilität muss nicht unbedingt innovativ sein, wie sich bei Loic Faure, Absolvent der Zirkusschule von Bordeaux, zeigte, der aus einem Drahtkäfig kriechend Bälle jonglierte. Mirja und Sanna am Doppeltrapez kamen mit einer recht konventionellen Nummer aus Finnland. Das Duo In Motion aus der Ukraine überzeugte die Zuschauer dagegen mit einer gut durchgearbeiteten und kraftvollen Hand-auf-Hand-Akrobatik, so mit Saltos des Obermanns auf die Schulter des Untermanns. Ihnen folgte Rémi Martin, Absolvent der Berliner Artistenschule, am sogenannten Chinesischen Mast. Der Nummer würde sicher noch der eine oder andere klassische Trick dieses Genres, so Aufgänge im Handstand, gut tun. Martin wurde mit dem Goldenen Rathausmann ausgezeichnet. Schlussnummer des Programms dann die Gruppe Crazy Flight aus der Ukraine, angekündigt als Äquilibristen; sie zeigten aber vorwiegend Wurfarbeit, ergänzt durch einige Pyramiden. Sieht man von ihren weißgeschminkten Gesichtern ab, war die Darbietung nicht sonderlich aufregend. Sie wurde erstaunlicherweise von der Jury mit dem Silbernen Rathausmann belohnt. Juryentscheidungen sind immer subjektiv, aber bei einigen Entscheidungen waren sogar manche Jurymitglieder verwundert.

    Moderiert wurde das Programm von der Sachsenspiegel-Reporterin Anna Funck und Silvio Zschage von MDR 1 Radio Sachsen. Es war sicher nicht besonders geschickt, einzelne Jurymitglieder längere Statements zu ihrer künstlerischen Auffassung abgeben zu lassen, denn das erzeugte eine unkluge Aufwertung gegenüber den anderen Juroren.

    Bleibt dem Dresdner Festival nur zu wünschen, dass es sich ständig weiter entwickelt und zu einer international angesehenen Plattform für die Präsentation von Nachwuchsartisten wird. Mit dem diesjährigen Festival – auch wenn man über die Vergabe einiger Preise anderer Meinung sein kann – ist Startissimo sicher diesem Ziel nähergerückt.

    Redaktion: Dietmar Winkler

     

    2009-06-15 | Nr. 63 | Weitere Artikel von: Dietmar Winkler