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  • Themen-Fokus :: Strassentheater

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    Blicke in die Zukunft

    Lang ist es her dasz man zwanghaft outdoor spielen mußte um auf einem Straszentheaterfestival engagiert zu werden. Wichtig ist heute, in einem  Geist aufzutreten in dem man eben zur Outdoor-Gemeinschaft gehört, bzw. wo die Wurzeln einer Kompanie liegen. Es geht um Ethik, nicht um frsche Luft. Darum hat die neue Produktion des Teatro de los Andes aus Bolivien gute Chancen. Ihre Outdoor-Produktion Ubu en Bolivia haben sie immer noch im Repertoire. Im Herbst wird die Truppe von Cesar Brie wieder in Europa sein zu Auftritten in Frankreich und Italien, dann frei nach Homer: „Iliada.„ Im Herbst letzten Jahres stellten sie es in Bayonne auf dem Festival du theate franco-iberique et latino-americain vor. Indoor zwar, aber der Esprit ist derselbe wie bei Ubu – ein Theater mit Musik, Gesang, Groteske und politischem Engagement. Die Intensität der Auffuehrung gleicht jener von rituellen Zeremonien. Das theatralische Feuerwerk ist dramatisch bestens orchestriert, zwischen grotesker Tragik und erschuetterndem Humor. Der spanischen Sprache verleihen die Akteure die Schärfe und Melodik des Griechischen. „Iliada„ ist eine Mahnung vor neuer politischer Gewalt in Lateinamerika. Sind Personen und Text auch Homer entlehnt, so wird doch auf konkrete Opfer der Militärdiktaturen in Bolivien und Argentinien hingewiesen. Die Kompanie schöpft aus den Auftritten in Europa die Mittel, in Bolivien kulturelle Netzwerke aufzubauen. http://www.utopos.org/LosAndes/Andes.htm

    Weitere Exoten. Mexikanisches Straszentheater kommt nach Europa! Am 17. Juni steht im französischen Amiens eine musikalisch dominierte Premiere an: eine gemeinschaftliche Kreation von Zic Zazou aus Frankreich und Museo Deseo aus Mexiko. Da sich Straszentheater zunehmend auch im Internet abspielt, laden die Kompanien zur Vorschau unter http://perso.wanadoo.fr/sicalines.zzz.htm

    Auch in Portugal entwickelt sich langsam eine Straszentheaterszene. Obwohl es noch nicht annähernd so viele Kompanien geben dürfte wie in manchen Regionen Frankreichs, überlegt man in Portugal die Gründung eines Verbandes. Noch werden Straszenkünstler dort eher als Verrückte angesehen, klagt Nuno Miguel Paulino von der Kompanie Artelier.  Über ihn und seine Truppe läszt sich Kontakt zur Szene in Portugal herstellen: artelier@clix.pt

    Outdoor-Kunst beinhaltet zunehmende Vermischung der Genres, in denen auch neue Technologien immer mehr Platz finden. Besonders deutlich macht das die Zukunft von Lieux Publics in Marseille. Das Kulturministerium legt die Leitung des Produktionszentrums für Straszenkunst in die Hände von Pierre Sauvageot, dem Leiter von Decor sonore, einer Experimentierzelle für industrielle Musik im öffentlichen Raum. Sauvageot der mit seinem Projekt die Ausschreibung gewann, bleibt sich selbst treu. Er wird Groszkonzerte mit Chor und Orchester in der Stadt komponieren und inszenieren, Hochkultur der Industrie- und Alltagstöne in der Hafenmeile von Marseille. Und Sauvageot wird 2003 ein Outdoor-Konzert zur Eröffnung von Graz als europäische Kulturhauptstadt beitragen.

     

     

    Sein Konzept enthält weiter folgende Entwicklungen die es lohnt zu verfolgen:

    1) Förderung der Dramaturgie. Pro Jahr werden fünf Kompanien für die Entwicklung eines Szenarios finanziell gefördert.

    2) Förderung der Auflösung der Grenzen zwischen indoor und outdoor. Die Zusammenarbeit von Indoor-Regisseuren mit Outdoor-Kompanien wird gezielt subventioniert.

    3) Förderung internationaler Zusammenarbeit. Pro Jahr wird eine gemeinsame Kreation einer französischen und einer ausländischen Kompanie unterstützt. Dazu wird ein Austausch von Residenzen mit ausländischen Kompanien oder Zentren angestrebt.

    4) Die Entwicklung neuer Techniken und Technologien in der Straszenkunst.

    Es ist ja so dasz eine neue Generation von Straszenkunst heranwächst die immer mehr Technik und Technologie einsetzt Da gibt es inzwischen, aber nicht nur, Kompanien wie Komplex Capharnaum die ihre Multimedia-Events im Freien produzieren – des Nachts im Schein der Videos die sie auf Häuserwände projizieren.

    Bei aller Innovation soll aber in Lieux Publics auch die Rückkehr zu den Ursprüngen unterstützt werden. Sauvageot will solche Kreationen den Vorzug geben, die ohne Ankündigung gespielt werden und ein nicht vorbereitetes Publikum überraschen. Sauvageot ist darin glaubwürdig. Mit Décor Sonore stand er oft genug um sieben in der Frühe auf einem Bahnhofsplatz und die Berufspendler fragten sich ob sie wohl noch träumten.

    Bei den französischen Kommunalwahen sind einige linke Ratheuser gefallen, und das hat durchaus einen Effekt auf die Szene. Als Beispiel die Stadt Saint-Gaudens bei Toulouse. Dort gab es zwei Festivals, La Saint-Gaudingue und Les Promenades, die eventuell vor dem Aus stehen. Doch der Druck auf den neuen, dem Straszentheater feindlich gesonnenen BM wächst. Denn die Szene hat auch mächtige Freunde, zum Beispiel Pierre Bourguignon, den BM von Sotteville-les-Rouen. Bourguignon ist gleichzeitig Vorsitzender der Kommission für Straszenkunst im Nationalparlament – die gibt es wirklich!

     

    Redaktion: Thomas Hahn

     

    Termine bis Ende August:

    Frankreich

    Furies, Chalon en Champagne, 7.-9. Juni

    Rues et compagnies, Epinal, 6-17 Juni

    Vivacité, Sotteville-les-Rouen 22-24. Juni

    Parades, Nanterre (bei Paris), im Juni

    Dans la jongle des villes, Jonglage-Festival in Malakoff bei Paris, im Juni

    Au nom de la Loire, Tours, 12-14. Juli  - www.radiobeton.com

    Les Tombees de la nuit, Rennes, im Juli

    Chalon dans la rue, Chalon sur Saône, 19.-22. Juli

    Festival d‘Aurillac 22.-25. August

     

    Nicht alle Termine sind definitiv oder bereits festgelegt.

    Belgien

    Namur en Mai, 24.-26. Mai


    Polen

    Malta-Festival, Posen, Juni/Juli – office@malta-festival-in-poznan .pl

    Feta  International , Gdansk, im Juli – feta@kki.net.pl


    Spanien

    Dies de danza, Barcelona, im Juli - pqe@thema.net

     

    2001-06-15 | Nr. 31 | Weitere Artikel von: Thomas Hahn