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    Clowns, Normalos, Millionäre

    Weg von der Non-Stop-Politikerparodie, hin zu neuen Ufern. Thomas Freitag gastierte im Stuttgarter Renitenztheater mit „Millionär in 98 Minuten„. Er begrüßt die Leute mit einem Namensspiel, indem er ein Wollknäuel ins Publikum wirft. Leider wird diese Idee nicht weiter verfolgt. Dafür stürzt er sich unter dem Namen Frank Weber als Vortragender auf Anlagetips, weicht dann aber bewußt immer weiter vom Thema ab. In den Vordergrund rückt der vertrackte Alltag, seine Liebe zu Frl. Lenz, die Abläufe in der Bank, Erinnerung an seine Jugend. Er leidet unter seiner Normalität, möchte auch mal was Besonderes sein. Spielerisch begeistert Freitag durch blitzschnellen Rollenwechsel, wenn er z.B. bei einem Kollegen zu Besuch ist und dessen Frau, den Sohn und das Baby spielt. Ein kleiner Rückfall in seine bewundernstwerte Parodiekunst sorgt für Abwechselung, wenn er Kohl & Co noch mal aus der Gruft des Vergessens aufsteigen läßt. Stoffballen, alte Sessel, Flipchart werden gekonnt ins Programm einbezogen. Zeigt das Programm nach der Pause leichte Ermüdungserscheinungen, so wird das durch einen furiosen Schlußspurt mit Happy End wettgemacht. Selbst der Tod mit seiner Zeitzigarette, der ihn kurz vor der Pause noch holen wollte, verliert sein Interesse an dem von Otto Normalverbraucher zum Möchtegernkriminellen mutierten Bankangestellten.

    Frl. Wommy WonderDem Thema 100 Jahre Kabarett nahm sich die Gruppe Wortissimo Stuttgart mit „Game over – Neues Spiel„ an. Die satirischen Glanzlichter werden nicht nur ausgefeilt sprachlich präsentiert. Denkmäler, Choreographien, mimisches Spiel – manchmal etwas aufgesetzt – geben dem ganzen einen bildhaften, theatralischen Charakter. Das inhaltliche Spektrum reicht vom Roboter, der die Menschheit vernichten will, über Kästners „Kleine Freiheit„ bis zu Claire Waldoff-Liedern. Unter der Regie von Gerdi Sobek-Beutter und Heiner Rissmann ist ein bunter Kleinkunststrauß entstanden.

    Noch ein alter Bekannter. Hannes Wader in der Filharmonie in Filderstadt. Zum Einstieg ein Oldie aus den 70ern, aber ansonsten neue Lieder, die erst im Sommer im Studio eingespielt werden, einiges von der Hamburg-CD, wenige Volkslieder, ein bunter Reigen aus privaten und politischen Liedern. Wader steht nach wie vor auf der Seite der Zukurzgekommenen, Unterdrückten. Ein Lied über den Tod von Victor Jara, der unter Pinochet ermordet wurde. Wader hatte das Lied lange im Kopf, jetzt hat er es für die Bühne fertiggestellt. Seine alten Fans füllen den ausverkauften Saal ebenso wie junge Leute, die erst jetzt auf seine Lieder gestoßen sind. Ein rundum gelungener Abend.

    Im Merlin spielte Rolf Miller sein monatliches Programm. Eine kleine Kulisse, gute Stimmung. Souverän geht Miller mit seiner hinterhältigen Figur um, die nicht mal den Vornamen der eigenen Frau kennt und sein Gift in alle Richtungen verspritzt. Im Schatzkistl in Mannheim hatte Jane Zahn mit ihrem Programm „Sag beim Abwasch leise Servus„ Premiere. Gleichzeitig veröffentlichte sie ihre neue CD unter dem Titel „Nur das Beste„.

    Zu seinem 60. Geburstag hat der Schauspieler und Sänger Bert Drexler drei Abende mit einer bunten Songmischung zusammengestellt. Sein Soloprojekt in der Färberei verband ironische Songs mit lebensphilosophischen Texten über das Leben, die Liebe, den Tod und die Jahreszeiten.

    Die Scheizerin Dodo Hug, die ich bisher nur von Fernsehauftritten und CDs kannte, gastierte mit Ihrer Band im Treffpunkt Rotebühlplatz. Ihr Name steht für Stimmartistik und augenzwinkernden Witz. Am stärksten spürt man das in den Liedern, in denen sie nur von E. Contini auf der Gitarre begleitet wird. Der Rauchersong war einer der Höhepunkte an diesem Abend. Ein weites musikalisches Spektrum, Gesang in mehreren Sprachen erwarten den Zuschauer. Traditionelle Lieder stehen neben modernen, Folklore neben Chansons, z.B. „Die Liebe der Wale„ von  Christoph Stählin. Begleitet wird sie von vielseitigen Multiinstrumentalisten, die sie gleichzeitig mit ausgefeiltem Chorgesang unterstützen. Unglaubliches Sprechtempo und Tanzbewegungen runden ihren Auftritt ab. Der Trägerin des Deutschen Kleinkunstpreises hätte ich auch in Stuttgart mehr Publikum gewünscht.

    Im Theaterhaus traf Ismael Ivo auf Marcia Haydee, ein außergewöhnliches Tanztheaterprojekt: Tristan und Isolde.  Anfangs etwas verhalten, die Protagonisten nähern sich vorsichtig, nutzen lange Wege, indem sie die Aufbauten der ehemaligen Fabrik voll ins Spiel integrieren. Doch dann ein dynamischer Umschlag. Wer Ivo von seinen Soloprojekten her kennt, weiß, dass dieses Kraftpaket auf der Bühne Schwerstarbeit leistet. Jetzt hat er in Marcia Haydee einen Gegenpol gefunden. Ruhige Bilder, bizarre Hebefiguren, der Schwarzweißkontrast, Kommen und Gehen, ein Ringen um Nähe und Distanz. Marcia Haydee hat ihren Un-Ruhestand verlassen, man spürt die Lust der beiden an diesem gemeinsamen Projekt.

    Im Stuttgarter Raum fanden im April einige Premieren statt. Bei den Galgenstricken in Esslingen stand eine Premiere zum Zwanzigjährigen ins Haus. Der Titel heißt kurz und bündig „Kult„. Die ins Theaterhaus zurückgekehrte Kleine Tierschau startete mit einer Kostümorgie, verrückten Songs und heißen Conferencen ihr neues Programm Import-Export.

    Ins Renitenztheater kommt Calvero mit seinem Programm „Visa La Risa„. Ausgezeichnet mit mehreren Kleinkunstpreisen wird dieser Clown im Juli den künstlerischen Hochsommer einläuten.


    Termine:

    Stuttgart:

    Renitenz-Theater:

    28.5.-4.6.01: Martin Buchholz

    5.6.-10.6.01: Die Allergiker


    Pforzheim:

    Kulturhaus Osterfeld:

    20.06.01: Kaya Yanar – Comedy

    30.06.01: Dieter Hutmacher


    Esslingen:

    Galgenstricke:

    13.6.-30.6. Mi-Sa: Galgenstricke: Kult

    5.-6.7.01: Uli Keuler


    Göppingen
    :

    Odeon:

    16.6.01: Die Herkuleskeule Dresden

    AdNr:1082 

    2001-06-15 | Nr. 31 |