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  • Themen-Fokus :: Clown | Mime

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    Der Clown als Mittler zwischen den Welten

    von Michael Stuhlmiller, Schule für Clowns Mainz

    "Die Ankunft eines guten Clowns in einer Stadt ist wertvoller als 30 mit Medikamenten beladene Esel.“ Als ich dieses alte orientalische Sprichwort das erste Mal gehört habe, hat es mich sofort berührt, denn es beschreibt auf zutreffende Weise die besonderen Eigenschaften, persönlichen und gesellschaftlichen Funktionen des Clowns. Tauchen wir ein in dieses poetische Bild des Wanderers. Wir sehen den Clown unterwegs, nirgends zuhause und überall daheim. Er ist ein Mittler zwischen den Welten. Ein professioneller Perspektivenwechsler. Und wenn er sein Publikum ermuntert mit ihm zu spielen, sehen wir die Welt durch die Augen des Clowns. Er weckt in uns eine alte verloren gegangene Lust die Dinge auf den Kopf zu stellen und einmal aus einer anderen Perspektive anzuschauen. So entsteht Spaß und Kreativität und wir verwandeln das Scheitern in Gewinn. Der Lohn für diese Akrobatik ist das Lachen.

    Auch wenn das Spiel des Clowns so einfach aussieht, steckt dahinter jahrelange Knochen- und Emotionsarbeit. Denn wer professionell scheitern will, sollte über das Hand- und Herzwerk der Komik Bescheid wissen. Am meistens fasziniert mich die Einfachheit des Clowns. Mit wenigen Mitteln berührt der Clown das Wesentliche der menschlichen Sehnsüchte, Hoffnungen und Zweifel. Deswegen ist er auch ein Meister der Form.

    Trotzdem ist der Clown ist mehr als eine bloße Kunstfigur. Er steht für eine Art und Weise die Welt zu sehen, zu kommunizieren und zu handeln. Seine Methode ist das Spiel und ein guter Clown ist ein Meister des Spielens. Wenn Kinder spielen, bewältigen und verarbeiten Sie ihre Erlebnisse und kreieren ihre Empfindungen und Vorstellungen. Diese wunderbaren Qualitäten des Spiels rettet der Clown in die Welt der Erwachsenen.  Die Maske des Clowns ermöglicht uns alle anderen Masken fallen zu lassen. Eines der wichtigsten Spielprinzipien des Clowns ist das „ Ja - sagen“. Wir sagen „Ja!“ zu der ganzen Palette unseres Seins und verlieren keine Energie darauf irgend etwas anderes darzustellen. Wir erkennen, dass gerade in unseren vermeidlichen Schwächen unser größtes Potential steckt. Durch die Maske des Clowns müssen wir uns nicht mehr verstellen und lernen die Scheu zu überwinden. Ob mit oder ohne roter Nase ermöglicht uns der Clown uns selbst zu spüren. Ob wir übertreiben, untertreiben oder es einfach nur bunt treiben spielt dabei keine Rolle.

    Das Spielen ist eine Art Trockenübung. Dabei lernen wir dem „Ja- Sagen“ zu vertrauen,  Impulse anzunehmen und deutliche Impulse auszusenden, ohne dauernd auf den inneren Zensurmeister zu hören. Auf diese Weise erleben wir uns und andere im Fluss des Spielens. Der Clown hat eine klare, subjektive Sicht der Dinge. Er verschwendet keine Energie auf Kompromisse und Konflikte. Und er liebt das Problem, denn der Witz liegt in der Krise.

    Menschen finden zum Clown wenn sie keine Lust mehr haben sich zu verstellen. Der Clown ist ein Beschleuniger, einer der die Dinge auf den Punkt bringt und er erreicht den Menschen über alle gesellschaftlichen und geistigen Schranken hinweg. Der Grundgedanke des Clown ist über die Jahrhunderte seines Daseins gleich geblieben ist, aber seine Gestalt hat sich immer verändert. Auch wenn ich die klassische Zirkusgestalt und das Status- Duo August und Weißclown sehr liebe, sollte man nicht vergessen wie vielfältig das Gesicht des Clowns von der Stummfilmfigur, über das Varieté bis hin zur modernen Comedy gewechselt hat. Somit ist es auch Ziel der Schule für Clowns, dass jeder Schüler und Schülerinnen ihre persönliche Figur und Szene während der Ausbildung entwickeln kann.

    Redaktion: Michael Stuhlmiller 

    Aktualisierte Infos auf der Homepage: Schule für Clowns

    ArtNr:1084

     
    2003-12-15 | Nr. 41 | Weitere Artikel von: Michael Stuhlmiller