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    Die Schweiz lacht

    Bitte verstehen Sie den Titel nicht falsch. Man hat im Keller der Nationalbank keine neuen Goldreserven gefunden. Und dass kaum mehr 2% der Erwerbstätigen arbeitslos sind, also fast Vollbeschäftigung herrscht, merkt der einzelne eigentlich wenig. Aber Schweizer lachen offensichtlich genau so gerne wie andere. Nicht anders kann man es sich erklären, dass im Moment die Satire-Veranstaltungen boomen und gleich 3 Kabarett-Festivals über die Bühne gingen. Zürich, Luzern und Olten waren die zentralen Veranstaltungsorte, die fast gleichzeitig im Mai bekannte oder auch neue Gesichter der deutschsprachigen Kabarett-Szene zeigten.

    Ein Anfang machte das Kleintheater Luzern, welches erstmals ein Kabarett-Festival durchführte. Am 7. Mai ging’s los mit Rolf Miller aus Deutschland. Es folgten einen Tag später die beiden Schweizer Preisträger des Salzburger Stiers 1999 Herr Thiel und Herr Sassine. Dann stand die Deutsche Lioba Albus auf dem Programm, bevor am Donnerstag, 10. Mai die Geschwister Birkenmeier ihr Literaturprogramm „Ruhe gibt es nicht“ zeigten. Ein neues Gesicht ist am Freitag zu sehen: René Caldart, Maître de cabine bei der Swissair, brachte seine Stand up-Comedy auf die Bühne und anschliessend waren zwei jüngere Kabarettistinnen als „Kaktussen“ erstmals zu sehen, wobei die eine davon, Kerstin Müller-Schult, schon längere Zeit „im Geschäft“ ist, zuerst in Magdeburg, dann mit ihrem Ehemann in Olten. Am Samstag, 12. Mai waren „Faberhaft gut“ aus Deutschland und Mölä & Stahli aus der Schweiz mit ihren nonsensiblen Liedern zu sehen. Ob dieses neue Festival Bestand haben wird, muss sich erst noch zeigen, ist es doch zum einen schade, dass der Leiter des Kleintheaters Andrej Togni nun auch noch im Mai ein Kabarett-Festival machte. Zum anderen pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass der eben genannte demnächst sein Wirkungsfeld eher Richtung Ostschweiz verlegen wird.

    Zum hervorragenden Kabarett-Event hat sich das Zürcher Spektakuli gemausert. Pat del Fati bringt es immer wieder zustande, hervorragende Künstler in die Metropole zu holen oder auch Entdeckungen zu ermöglichen. Bruno Jonas eröffnete den Reigen der Satiriker am 11. Mai. Er zeigte erstmals in der Schweiz ein „best of„-Programm: Jonas-Classix. Bestimmt keine Unbekannte ist die Leipzigerin und ehemaliges Ensemblemitglied der Münchner Lach- und Schiessgesellschaft Simone Solga. Sie trat erstmals solo auf mit „Ich pack’s„. Gleich an drei Abenden war Frank Goosen aus Bochum zu sehen. Der Tresenleser wurde in Zürich so richtig „indiskret„. Zwei echte Oesterreicher sind Thomas Maurer und Florian Scheuba. Ihr gemeinsames Programm begeisterte das Publikum. Timo Brunke aus Stuttgart („Bruder Grimm„) zeigte seine „Slam Poetry„ in einer Schweizer Premiere. Zwei weitere Stars waren Georg Schramm, wenn er „ans Eingemachte„ ging, sowie Matthias Beltz, der sein „eigenes Konto„ kaum überziehen muss, „wenn alles sich rechnet...„ Ulrich Michael Heissig aus Berlin ist seit einiger Zeit als Irmgard Knef (Schwester der bekannten Hildegard) unterwegs und erklärte dem verunsicherten Publikum, weshalb eigentlich sie den grössten Teil des Ruhmes für die bekannten Knef-Songs einheimsen müsste. Aus München kam Helmut Schleich und brachte sein bierseliges Vollsuff-Programm „Brauereifrei„ mit. Helfried kam ebenfalls, aber aus Graz. Christian Hölbling hat mit Helfried eine schrullige, verknorzte Kunstfigur geschaffen, die er auf der Bühne echt verkörpert. Andreas Giebel aus München packte als Sherpa aus und erzählte, warum er „vom Heben gezeichnet„ ist. Einzige „echte„ Dame am Festival war Petra Förster aus Freiburg, welche am 18. und 19 Mai mit einer Erstaufführung ihres neuen Programms „Schamlose Lippen„ das Festival beschloss.

    Das älteste und bekannteste Kabarett-Festival, die OLTNER CABARET-TAGE, zeigte am 16. Mai Franz Hohler, der sich als Pförtner „im Turm zu Babel„ bewirbt und prompt im Gewirr der Computersprachen hängen bleibt. Der Donnerstag gehörte im Zeichen der Partnerschaft mit der Leipziger Lachmesse dem Ensemble der Pfeffermühle. Traditionellerweise sind am Freitag mehrere Kabarettisten oder Ensembles am selben Abend zu sehen. In diesem Jahr waren es Christoph Brüske, Django Asül und Bernd Gieseking. Letzterer übernahm auch die Rolle des Turmredners von Olten, um vom Wahrzeichen der Stadt zum Volke sprechen. Er benützte dabei die kleinste Bühne der Welt; nicht mal einen Quadratmeter gross ist sie, und vor allem hängt sie 8 Meter über dem Publikum! Podewitz war am Samstag angesagt, als sie zur „Nacht der hinkenden Vergleiche“ ansetzten. Am Sonntag Morgen durfte sich das Publikum bei einem Cabaret-Brunch kulinarisch verwöhnen lassen, und gleich auch satirisch mit dem Valentin-Programm mit dem bekannten Schauspieler Wolfram Berger. Vom 20.-22. Mai sorgten die Acapickels, einzige wahre heart-chor-Band der Schweiz, für Stimmung im Stadttheater. Krönender Abschluss war das neue Programm „Schär, Holder und Meierhofer„ von und mit Lorenz Keiser, dem am Abend des 9. Juni in Olten auch der schweizerische Kabarett-Preis, das CORNICHON 2001 überreicht wird.

     

    Ausführlichere Informationen:

    Kabarett-Festival Luzern (7.-12. Mai):               www.kleintheater.ch

    Spektakuli Zürich (11.-19. Mai):                        www.millers-studio.ch

    Oltner Cabaret-Tage (16. Mai-9. Juni):               www.kabarett.ch

     

    2001-06-15 | Nr. 31 |