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    Erfolgreich zur Selbstständigen Existenz

    Liebe Leser und Leserinnen,

    Der eine oder andere von Ihnen mag vielleicht denken, dass ich ihn ausgerechnet jetzt, in einer Zeit, in der Banken vom Staat finanziell gestützt werden müssen, in der mehr und mehr große Unternehmen reihenweise die Mitarbeiter entlassen und um staatliche Subventionen bitten, zur Selbstständigkeit motivieren möchte.

    Genau so ist es! Denn gerade eine wirtschaftliche Krise wie diese birgt ja auch gleichzeitig eine Chance in sich. Vielleicht wackelt ja gerade bei dem ein oder anderen „Hobbykünstler“ oder Teilzeit-Agenturmitarbeiter der feste Job (gleichbedeutend mit festem Einkommen). Dann machen Sie aus der Not eine Tugend und gründen aus Ihrer bisherigen Nebenbeschäftigung in der Veranstaltungswirtschaft eine selbstständige Existenz. Von staatlicher Seite wird dieser Entschluss in großem Umfang unterstützt und gefördert. Suchen Sie Rat und Hilfe bei den zuständigen Institutionen, wie z. B. der örtlichen IHK, dem IFB (Institut für Freie Berufe), der KfW-Mittelstandsbank und vielen mehr. Hierüber berichte ich ausführlich in einem weiteren Kapitel zu diesem Thema. Heute widmen wir uns den praktischen Problemen eines zukünftigen Existenzgründers.

    Die Geschäftsidee

    Am Anfang steht die Idee. Dann machen Sie einen groben Plan. Und daraus sollte ein schriftliches Konzept Ihrer Geschäftsidee entstehen. Die günstigste Voraussetzung für Ihre zukünftige freiberufliche oder selbstständige Tätigkeit ist ein bereits vorhandenes Grundwissen sowie die Affirmation für die Geschäftsidee. Wenn Sie eine hauptberufliche künstlerische Tätigkeit anstreben, ist es vorteilhaft, bereits Bühnenerfahrungen im sogenannten „semi-professionellen Bereich“ gemacht zu haben. Bei einer gewerblichen Tätigkeit im Veranstaltungswesen sollten Sie mindestens regelmäßig und gerne zu Live-Veranstaltungen gehen oder bereits über ein paar Erfahrungen in diesem Business verfügen. Sei es, dass Sie sozusagen „hinter der Bühne“ schon mitgeholfen haben, oder dass Sie sich schon nebenbei als Künstleragent versucht haben, oder sogar beispielsweise schon einmal das Sommerfest Ihres örtlichen Vereins konzipiert, organisiert und durchgeführt haben.

    Die Fragen, die Sie an sich selbst stellen sollten, lauten:

    • Welches Produkt oder welche Dienstleistung biete ich an?
      (auch eine künstlerische Darbietung ist eine Dienstleistung)
    • Bringe ich gewisse fachliche Voraussetzungen für meine Geschäftsidee mit?
    • Verfüge ich über Branchenerfahrung?
    • Habe ich Kontakte oder gar Referenzen in dem angestrebten Bereich?
    • Bringe ich kaufmännische Qualifikationen mit?
    • Welche Beweggründe habe ich, meine Idee zu verwirklichen?
    • Welche Vorteile oder welchen Nutzen hat mein Angebot oder meine Dienstleistung?“
    • Welche Aufgaben übernehme ich in meiner selbstständigen Tätigkeit?
    • Welche Ziele habe ich mir für mein junges Unternehmen gesetzt?
      (Qualitätssicherung, Servicegedanke, Wachstum, Überregionalität usw.)
    • Wie viel Umsatz muss ich pro Jahr erwirtschaften, um meinen privaten und geschäftlichen Verpflichtungen nachzukommen?

    Nur für Künstler:

    •  Habe ich genügend Talent, um genau diese künstlerische Tätigkeit dauerhaft auszuüben?
    •  Kann ich meine künstlerischen Fähigkeiten durch Training steigern?

    Die Beantwortung all dieser Fragen ist die Grundlage für das schriftliche Konzept Ihrer Geschäftsidee. Und ich betone – schriftlich!

    Immer wieder treffe ich angehende Gründer, die das alles im Kopf mit sich herumtragen. Erfahrene Trainer sind der Auffassung, dass nur schriftliche Konzeptionen letztendlich Klarheit über das eigene Vorhaben verschaffen können. Darüber hinaus birgt dies einen weiteren Vorteil: Sollten Sie tatsächlich den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, so dient dieses Konzept bereits zur Vorlage bei Banken, bei der Beantragung von Fördergeldern durch die Arbeits-AG oder IHK und auch zur Vorlage beim Steuerberater.

     

    Die Einschätzung des Marktes

    Auch hier gilt es, einen kritischen Blick auf die von Ihnen angestrebte Tätigkeit zu werfen. Und natürlich gibt es schon Tausende von Kabarettisten, Sängern und Sängerinnen, Bands usw., es gibt auch ebenso viele Künstleragenturen, Künstlermanager, Tonstudios, Eventagenturen und Veranstalter auf dem Markt. Aber wir wissen auch, dass solche Unternehmen eine starke Fluktuation aufweisen. Das hat verschiedene Ursachen. Eine Befragung von Existenzgründern hat ergeben, dass

    • jeder Zweite (50 %) ein Problem mit der Finanzierung und dem Generieren von Umsätzen gerade im ersten Jahr hat,
    • 43 % der Befragten über eine schwierige Balance zwischen Beruf- und Privatleben klagen – gerade in der Veranstaltungswirtschaft,
    • und etwa 30% unter Steuerlasten und Abgaben leiden.

    Das Thema Finanzen ist in der Tat nicht zu unterschätzen. Schon in der Vorgründungsphase sollte der Fokus des Existenzgründers auf die Frage gerichtet sein, wie er denn aus seiner Dienstleistung Umsätze (also Einnahmen) erzielen kann. Hierzu gehört eben eine sogenannte Marktanalyse, die aber simpel ausgedrückt bei Gründern damit beginnt, bereits vor der eigentlichen Gründung im Umfeld Kontakte zu aktivieren, um herauszufinden, ob diese die angebotene Dienstleistung gegen Bezahlung erwerben würden. Ebenfalls ist zu recherchieren, ob auch außerhalb des persönlichen Umfeldes und außerhalb des regionalen Bereichs ein Bedarf für das jeweilige Angebot besteht. Gleichzeitig resultiert aus dieser kleinen Analyse die Bestimmung der Zielgruppe, die von Ihnen angesprochen werden soll. Die sich daraus ergebende Frage lautet: Ist meine Zielgruppe groß genug, um dauerhaft meine Dienstleistung dort platzieren zu können, und ist diese Zielgruppe in der Lage, für meine Dienstleistung ein gewisses Entgeld zu zahlen? Dieses anfängliche Problem, auch Einnahmen gerade in unserer Branche zu erzielen, kann teilweise durch einen begleitenden Prozess mit einem Fachberater (Coach) abgefangen werden.

    Bemerkenswert (wenn nicht gar erschreckend) ist jedoch der hohe Stellenwert (43 %), den die Befragten dem Problem der fehlenden Zeit für Privates zuordnen. Angehende Unternehmer sollten sich deshalb fragen, ob ihre freundschaftlichen Beziehungen und ihr Familienleben die zeitliche und auch nervliche Belastung einer beginnenden Selbstständigkeit aushalten. Nach meiner Erfahrung als Berater von Existenzgründern ist dies die größte Hürde, die zu nehmen ist, und durch die viele gute Geschäftsideen in der Durchführung scheitern.

    Das bedeutet, dass bei der Konzeption Ihrer Geschäftsidee unbedingt Ihre Familie oder Ihr Lebenspartner mit einbezogen werden müssen. Und selbst wenn in dieser Frage alles in der Planungsphase in Ordnung scheint und die Bereitschaft Ihres Partners offensichtlich vorhanden ist, die Gründung zu unterstützen, sieht das in der Realität oft anders aus. Bedenken Sie, wir arbeiten in einem Wirtschaftszweig, in dem wir oft am Abend, am Wochenende oder gar während einer ganzen Tournee geschäftlich unterwegs sind. Dies gilt sowohl für die Künstler als auch für die Gewerbetreibenden im Veranstaltungsbusiness. Immer wieder hängt darum der Haussegen schief. Und folgende Frage stellt sich besonders für Künstler bereits in der Gründungsphase:

    Liebe ich meine zukünftige freiberufliche Tätigkeit so sehr, dass ich dafür

    alles geben würde?

    Zugegeben, eine schwierige Entscheidung, aber maßgeblich für die dauerhafte Realisierung Ihres Vorhabens.

    Und was das Umfrageergebnis bezüglich der Steuerlasten und Abgaben angeht: Nun, wir sind alle nicht glücklich über hohe Steuern und Abgaben (KSK, Ausländersteuer etc.), aber wir leben in einem Rechtsstaat und da ist es üblich, Einkommenssteuer und andere Steuern zu zahlen. An dieser Tatsache können wir leider nichts ändern und müssen das als gegeben hinnehmen.

    Aber die oben beschriebene Studie macht uns klar, dass sich der Markt offensichtlich immer wieder von selbst bereinigt. Das klingt ziemlich grausam, aber nach 30 Jahren in diesem Business wage ich zu behaupten, dass die Anzahl der wirklich aktiven und von ihrer Tätigkeit lebenden sogenannten Kulturschaffenden in etwa gleich bleibt. Darum gibt es nach wie vor ein Marktpotenzial und auch die Marktnischen, und diese gilt es, zu suchen und zu finden.

     

    Die Wettbewerbssituation

    Das ist eine gute Überleitung zum vorhergehenden Thema. Dort möchte ich gleich anknüpfen, um drei Fragen zu stellen:

    1. Haben unsere Mitbewerber Schwächen aus der Sicht des Kunden?
    2. Worin liegen unsere Stärken?
    3. Sind unsere Mitbewerber einige große oder eher viele kleine Unternehmen?

    Natürlich haben unsere Mitbewerber Schwächen (und das gilt gleichermaßen für Künstler und für Gewerbetreibende dieser Branche), diese können sein:

    • Unzuverlässigkeit (unpünktlich zum Auftritt, Band nicht vollzählig erschienen usw.)
    • Vertragliche Zusagen werden nicht eingehalten
    • Oft nicht erreichbar, keine Rückantwort
    • Schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis
    • Geringe künstlerische Qualität
    • Kein Service
    • Keine Kontinuität
    • Schlechte Organisation

    Diese Liste könnte ich noch endlos weiterführen. Und aus genau dieser Liste wachsen unsere Stärken als zuverlässige Partner im Veranstaltungswesen. Nur, wie soll ich das als Neuling dem Kunden klarmachen, der mich noch nicht kennt? Durch Referenzen, durch Zuverlässigkeit und durch Kontinuität in der Qualität meiner Dienstleistungen.

    versicherungsladen_67_35Die Beantwortung der dritten Frage ist sehr einfach. Es gibt unzählige kleine Unternehmen, die unsere Mitbewerber sind. Aber nur wenige große, wie z. B. die DEAG Berlin, Lieberberg, Stimmen der Welt, Dt. Arena GmbH usw. Aber hierin besteht ja auch die Chance. Ich habe beim vorhergehenden Thema bereits erwähnt, dass die Fluktuation – gerade bei den kleinen Unternehmen – sehr groß ist und dadurch eine natürliche Bereinigung des Marktes stattfindet. Das bedeutet, dass sich für ein kontinuierlich und zuverlässig arbeitendes kleines Unternehmen in der Veranstaltungsbranche immer wieder die Möglichkeit ergibt, sich auf dem Markt langfristig zu etablieren, und in Nischen vorzustoßen, die von Großunternehmen nicht abgedeckt werden können.

    Die Stärke eines kleinen Unternehmens in der Veranstaltungsbranche ist die Möglichkeit, sehr individuell auf den Kunden eingehen zu können. Das setzt wiederum eine gewisse Flexibilität voraus sowie eine servicefreundliche Grundeinstellung gegenüber den Auftraggebern.

    Mit diesem Satz möchte ich meinen heutigen Artikel schließen. Ich wünsche Ihnen bis zur Fortsetzung dieses wichtigen und interessanten Themas viele gute Ideen und den Mut, diese zu realisieren.

    Ihre

    Gabriele Skarda

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    AdNr:1002, AdNr:1087

     

    2009-03-15 | Nr. 62 | Weitere Artikel von: Gabriele Skarda