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    Feine Kost im Atelier

    Heidewitzka, Herr Kapitän, an Karneval sind wir schon vorbeigesegelt. Also gleich rein in die Frühlingsgefühle. Im Bonner Pantheon wird Cordula Stratmann, besser bekannt als Frau Hülchrath aus der WDR-Fernsehserie „Zimmer frei", ihr neues Programm „Anderseits wiederum..." vorstellen. Ebendort gibt Horst Schroth dann zum letzten Mal seinen „Herrenabend". Schluss ist im Februar auch für „N?urotisch" von und bei den Springmäusen. Das Eurozeichen € fand ich eher zufällig mit der Tastenkombination „AltGr" und „e"!!  Aber nicht nur der Euro wurde neu eingeführt. Das Frühjahr lässt auch andere Premieren reifen. Beispielhaft sei Angela Fischers „PatientenStadl" genannt, angekündigt als uriger Beitrag zu Ärzte-Soap und Gesundheitsreform. Mitgefiebert wird im Kölner Atelier Theater. Dort war um die Jahreswende einiges heiss gebacken: 5 jähriges Jubiläum unter der Leitung von Rosa K. Wirtz. Das lässt sich sehen, wurde der Bühne doch von bösen Zungen prophezeit: „Nach einem Jahr ist da sowieso ein Feinkostladen drin". In gewisser Weise hat sich das sogar bewahrheitet, denn feine Kost wird geboten. Neben bekannten Namen gibt es immer auch Platz für die Nachwachsenden. In Zusammenarbeit mit einem Energiekonzern und den Kulturämtern geht das Theaterprogramm jetzt auch in mehreren Städten in NRW auf Tournee. Rosa K. Wirtz schlägt so einen neuen Weg im Kleinkunstvertrieb ein. Natürlich steht sie weiterhin jeden Montag selbst auf der Bühne. 1993 übrigens initierte sie das Kölner Frontfrauenfestival und baute das Netzwerk „Frauen und Kabarett" auf, von dem viele Künstlerinnen bis heute nachhaltig profitiert haben. Lioba Albus, Hertha Schwätzig und Käthe Lachmann gehörten genauso dazu, wie das Kölner Kabarett-Duo Schiffer / Beckmann. Deren Programm „Oben Ohne" war noch einmal in der Comedia zu sehen. Ruth Schiffer und Barbara Beckmann spielten wortgewaltig und musikalisch bestechend auf. Dem ewigen Geschlechterkampf wurden überraschende Wendungen abgewonnen, so etwa in einer hinreissenden Anthologie des Frauensterbens in der Oper.

    Ars vitalis ist jene kreuzfidele Musikantenbande, die einen Haufen rühriger Komik aus ihren Instrumenten zu zupfen und tröten vermag und so die Welt mit wundersamen Weisen versorgt. Das ist sphärisch und kommt auch mal von ganz schräg. Ars vitalis spielt Dinge, die man so noch nicht hörte und vielleicht auch so nicht hören wollte, setzt man voraus, dass nur das Gekannte zu Wollen ist. Aber jede noch so verminderte Note zieht einen mit in eine andere Wahrnehmungsebene. Ihre Musik lebt nicht nur durch Andeutungen und Überraschungen sondern auch durch die Dramaturgie des Vortrags. Die Musiker handeln und entwickeln über ihre Instrumente eine eigene und eigensinnige Kommunikation. Dabei kommt die gesprochene Sprache nicht zu kurz, wird aber meist kurz gehalten. Worte werden zu Klang und Stimmung. Der Dadaismus sonnt sich hier schon im Vorfeld. Klaus Huber ist der Schlagwerker der Truppe und hat wieder einmal an einem Soloprogramm gearbeitet: „Der Alleinunterhalter". Huber macht erstaunlich wenig Lärm, liest Texte, nein, er zelebriert sie und bringt sie direkt unter die Großhirnrinde. Und das sind verflixt hinterhältige kleine Geschichten. Von Fliegen im Rotwein zum Beispiel, die gerettet werden und aus Dankbarkeit Kunst entstehen lassen. „Der Alleinunterhalter" - Ein Kleinod im Genre. (Klüngelpütz)

    Abschließend ein Blick ins Bürgerhaus Stollwerck. Gerd Weismann, ansonsten Teil der Nestbeschmutzer, ist auch solo zu sehen. In „Mensch Weismann" treffen zwei Krisengebiete frontal aufeinander – der Körper und das Ich. Hier wird das alte Leib-Seele-Problem, von dem schon Descartes zu erzählen wusste, auf die Hinterbeine gestellt. Mit viel Bodenhaftung und auf das Wesentliche reduziert gerät das Wechselspiel von Wollen und Können zu einer äußerst witzigen Personality-Show, in der nicht nur der Körper über den Berg muss.

    Im Bürgerhaus Stollwerck findet jetzt auch das Wall Street Theatre eine neue Heimat. Christian Klömpken und Andreas Wiegels sind „Herr Schultze und Herr Schröder". Ihre mit englischem Understatement unterfütterten und mit einer guten Portion bester Slapstick-Comedy ausgestatteten, gleichsam kuriosen wie artistischen Begegnungen werden einmal im Monat zur Aufführung kommen. Freuen wir uns also wieder auf „The ultimate act". Hoffentlich reicht dafür die Bühnenhöhe.

    Christian Ehring war bisher im Düsseldorfer Kommödchen-Ensemble hauptsächlich der Mann am Klavier. Jetzt hat er sich ein turbulentes Solo auf den Leib geschrieben. „Zypressen bei Sonnenaufgang" ist ein äußerst lebendiger Einblick in die Welt eines neurotischen Schriftstellers, dem zur Vollendung seines ersten Romans nur noch der letzte Satz fehlt. Und diese verzweifelte Suche ist bei Christian Ehring auf hohem Niveau mitreissend witzig.

     

     

    Termine:

    Pantheon, Bonn

    4.-7. 3.  Horst Schroth „Herrenabend"

    Haus der Springmaus, Bonn

    6.-9. 3. Bernd Lafrenz  „Der Sturm"

    Klüngelpütz

    10.-13. 3. Mamma Grappa „Mammas Höhepunkte"

    Atelier Theater, Köln

    1.-3. 3. Queens Of Spleens „Volle Krönung"

    Bürgerhaus Stollwerck, Köln

    13.03. WallStreetTheatre „Herr Schultze und Herr Schröder"

    16. und 17.03. Martin Maier-Bode "Der Flüchter"

    Kommödchen, Düsseldorf

    22.4. Christian Ehring "Zypressen bei Sonnenaufgang"

    2002-03-15 | Nr. 34 |