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  • Themen-Fokus :: Zauberkunst

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    Geschwindigkeit ist keine Zauberei

    Zu Hans Kloks „Faster than Magic“

    Eine Kritik als Würdigung

    Am 5. und 6. Januar gastierte Hans Klok mit seiner neuen Zaubershow „Faster than Magic“ in der Köln-Arena. Die Weltpremiere fand vor ca. 4.000 begeisterten Zuschauern statt.

    Macht es überhaupt Sinn, eine solche Megashow in einem Magazin zu besprechen, das sich hauptsächlich mit Kleinkunst beschäftigt? Ich denke schon. Die Gründe hierfür sind vielfältig, nur einer sei genannt: Zauberei ist nun mal eine Kunstform, die vom kleinsten Kreis – Close-up – bis zur größten Halle, in einem 5-Minuten-Spot bis zur abendfüllenden Show dargeboten werden kann. Von Pantomimen, Jongleuren etc. ist dies nicht in gleicher Weise bekannt. Daher muss sich auch jeder, der „nur“ Kleinkunst betreibt, mit den anderen Erscheinungsformen seiner Kunst auseinander setzen. Denn es gibt gegenseitige Einwirkungen und nicht zuletzt von den Zuschauern auch entsprechende Erwartungen.

    Das Pressrelease verheißt, was die Show nicht hält – glücklicherweise! Versprochen wird Tempo, ein gigantomanisches Spektakel mit mehr als 50 Illusionen – mehr als irgendein anderer Zauberer zeigt. Overflowing, overpowering, das sind die Begriffe, mit denen geworben wird.

    Hatten wir das nicht alles schon? Seit Horace Goldin (ca. 1874–1939) warb keiner mehr damit, dass er schnell zaubert. Sein Slogan war: „Blinzeln Sie nicht, Sie könnten einen Trick verpassen.“ Die Zuschauer erklären sich die Tricks gerade damit, dass sie behaupten, die Zauberei beruhe auf Geschwindigkeit. Glücklicherweise ist Kloks neue Show nicht nur ein reines Abspulen von möglichst vielen Tricks. „Es sind alle Tricks zu sehen, die ich immer mal auf der Bühne zeigen wollte“, so Klok in der Presse. Ja, er zeigt viele Tricks. Und so schwärmt ein Amateurzauberer auch in der Pause: „Er zeigt in der ersten Hälfte der Show mehr Tricks als Copperfield am ganzen Abend.“ Als ob Quantität je ein Maßstab gewesen wäre! Das war sie noch nie, aber manche verstehen es eben nicht. Zurück zum Zauberkasten! Denn Klok versteht es. „Tempo“, so sagt er im Interview, „ist nur bei bestimmten Illusionen wichtig“. Und seine Metamorphose ist schnell. Und das muss sie auch sein.

    Aber es gibt auch kleine Inszenierungen. Die etwa, in der er Rückblick hält auf seine Kinderzeit, in der sein Vater ihm Tricks beibrachte. Und da sehen wir eine Wohnzimmereinrichtung, einen älteren Herrn und einen kleinen Jungen, der zaubert. Und Klok greift ein, führt all die „kleinen“ Tricks vor, die auch heute noch so mancher Zauberer in seinem Programm hat. Milch erscheint und verwandelt sich, Tücher fügen sich zu einer Fahne zusammen.

    „Die Leute kommen in eine solche Show nicht nur, um Großillusionen zu sehen“, so Klok. Ist dies nicht auch eine Ermutigung für alle, die –vielleicht sogar ganz bewusst – in kleinen Theatern auftreten? In seinem Programm finden sich auch Klassiker wie Kartenmanipulationen und Taubenerscheinen. Aber hin und wieder blitzt dann doch eine neue Variante durch. Die erschienenen Tauben werden in einen Käfig gegeben, der zum Schluss mit einem Tuch bedeckt wird. Als Zauberer weiß man, was jetzt kommt: der Käfig samt Tauben verschwindet. Doch stattdessen erscheint eine Frau!

    Überhaupt die Frauen: Klok hat drei Hauptassistentinnen und arbeitet wieder mit einer Tanzgruppe, die zwischendurch auftritt – je nach der Stadt, in der wir uns gerade auf der magischen Weltreise befinden: New York, Paris, Bombay.

    Warum Zauberer, große Powermänner, immer wieder schöne Frauen erscheinen lassen, die sie prompt wieder umbringen wollen – was ihnen ja nie gelingt –, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Dem Theatermann fehlt hier der Plot, eine Handlung, irgendein Sinnzusammenhang. Das ist Showing-off, wie es ja auch sonst Zauberer gibt, die ihre Fingerfertigkeit zur Schau stellen. Über diese Art der Illusionsshow hat schon vor mehr als 30 Jahren kein Geringerer als der legendäre Joseph Dunninger gespottet.

    Dennoch: hier zeigt ein sehr sympathischer und im Interview sehr menschlicher Künstler eine außerordentliche Leistung, die jedem tiefen Respekt und Anerkennung abfordert. Auch er hat „klein“ angefangen und respektiert nach wie vor jede Art der Zauberkunst. Doch wenn er die Chance habe, vor 4.000 Zuschauern statt vor 400 oder 40 aufzutreten, dann mache er das. Er ist einer der wenigen in Europa, die das geschafft haben. Ob Zauberkunst für solch große Spielstätten passt, ist eine alte Frage. Ich würde mir die Show auf jeden Fall noch einmal ansehen. Leider wird es eine Weile dauern, bis Hans Klok wieder nach Deutschland kommt. Er hat einen weiteren Karriereschritt getan und tritt zusammen mit Carmen Electra in Las Vegas auf.

    Redaktion: Klaus-Peter Pfeiffer

     

    2007-06-15 | Nr. 55 | Weitere Artikel von: Klaus-Peter Pfeiffer