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    Grund genug für einen Besuch


    Es gibt sicherlich tausenderlei Gründe, in die Ferne zu schweifen. Für die hessische Haupt- und Weltkurstadt haben die Marketingexperten ein Dutzend, sprich „12 gute Gründe“ (nicht mehr!?) herausgefiltert, warum es sich lohnt, „Wiesbaden zu besuchen“. Jeder mag seine eigenen Motive haben. Doch das thalhaus, das Pariser Hoftheater und nicht zuletzt der European Youth Circus stehen sicher ganz oben auf der Liste. „Namen sind Schall und Rauch“ – auch, wenn sie einem in stratoskopischer Frequenz über die Mattscheibe in die Bude regnen. Hier findet man sie nicht, sofern sie nicht den Qualitätsanforderungen genügen. Und oft tun sie das einfach nicht. Sollen sie doch die Rhein-Main-Hallen füllen – wenn’s schee macht?

    Ludger HollmannDas „Besondere“ spielt hier die erste Geige, plaudert Holger Hebenstreit, der künstlerische Leiter des thalhauses, aus dem Nähkästchen. „Alles wird live geguckt“, dazu DVDs oder Videos gesichtet – und so viel Information über den zur Wahl stehenden Künstler gesichtet, wie eben notwendig ist, bevor er im thalhaus serviert werden kann.

    Einmal und nie wieder hat Hebenstreit die Erfahrung gemacht, einen Comedian 20 Minuten toll gefunden zu haben, der den Rest des Abends geschmissen hat. Nein, hier wird nur das gesendet, wo die thalhäuser voll „dahinterstehen“ und sich selbst auch darauf freuen. Nur auf diese Tour kann man es überhaupt wagen, „alle Hebel in Bewegung zu setzen, die Hütte voll zu kriegen“, ohne sich bis auf die Knochen zu blamieren. Und so liegt mitten in idyllischem Grün, im Nerotal 18, die ehemalige Klinik, in der heutige Zeitgenossen sich von der allerorten berauschenden Kulturlosigkeit kurieren lassen können. Wo findet der beflissene Kultursucher schon diese Bandbreite an Angeboten? Magie, Improtheater und Kabarett gemixt mit Jazz, klassischer Musik, Lesungen, umrahmt von sehenswerten Ausstellungen; selbst die „Varietétradition wird hier hochgehalten“.

     Kontor für Kunst und KulturNicht ganz so umfassend ist das Pariser Hoftheater in seiner Angebotspalette. Doch auch hier kommt nichts auf die Bühne, wovon die Macher nicht überzeugt sind. Allerdings wird am 31. Mai erst einmal die „Wäsche“ abgehängt. Wer mit dem Ausdruck nichts anzufangen weiß, sollte sich nach der Renovierung – oder vielleicht geht es ja auch im Exil über die Bühne – „Neugier auf Napoli“ ansehen. Ja, die Sanierung wird nun doch angepackt. Lange genug hat es gedauert, bis sich die Stadtoberen dazu durchrangen, einen Batzen in die Hand zu nehmen und den Startschuss zu erteilen. Es wurde höchste Zeit für das klassizistische Biedermeierperlchen in der Spiegelgasse. Im September 2009, so hoffen die Optimisten unter uns, wird es wieder am altgewohnten Standort eröffnet werden, wenn man es sich dann noch leisten kann. In der Zwischenzeit wird das Kulturforum am Schillerplatz, aber auch die Alte Schmelze in Schierstein, für Kabarett und Co., Marke Pariser Hoftheater, geöffnet. Direkt unter dem Dach des Kulturamtes also wird dann quergeschossen. „Gibt’s ein Leben über 40“, fragt am 6. Juni, 19.30 Uhr, Thomas Reis. Auch das Kurhaus wird im Oktober (24.10., 20 Uhr) vom Pariser Hof mit Beschlag belegt. Dahin passt der spitzzüngige und flinkfingrige Hagen Rether mit seiner „Liebe“ und dem, was er davon hält. Ebenfalls im Kurhaus wird im Dezember Dr. Eckart von Hirschhausen gastieren (3.12., 20 Uhr). Zwar geht diese Veranstaltung nicht vom Pariser Hoftheater aus – ist aber doch erwähnenswert. Glücksache ist das ja schon mit dem Kabarett in Wiesbaden. Aber der Leibarzt des langen Schmidtchens hat ja seinen „Glücksbringer“ dabei. Große Namen ziehen ihren Schleier vor sich her. Dazu gehört mittlerweile auch Urban Priol, der pünktlich zur Kampagne (11.11.), auch im Kurhaus, die „Tür Zu!“ macht.

    Gut gemixt zum Schütteln

    Disziplinarmaßnahmen androhen, das können sie. Aber wenn es darum geht, die Milch im Kühlschrank zu entdecken, obwohl sie ihnen schon fast in die Nase beißt, dann ist die Mannschaft dazu nicht fähig. Oder hält sie mit derlei unlösbaren Fragen nach den Offensichtlichkeiten die holde Weiblichkeit nur auf Trab, um zu vermeiden, dass frau sich auf eigene Beine stellt? In ihrem Programm „Können Männer denken?“ grast Uta Rotermund mit geballtem Wortwitz das ganze Spektrum männlicher Infantilität ab. Auch, wenn vereinzelt ein Vertreter der Schöpfergattung (was allerdings noch zu überprüfen wäre) leicht „sakral gedämpft“ dreinschaut, die meisten schüttelt es vor Lachen. Aber auch, wenn dieser einsame Vertreter der Gattung sich in eine solche Veranstaltung hereintraut und nicht wie wild geworden durch die Stadt läuft und an den Plakaten zupft, weil er mit festem Willen behauptet, diejenigen, „die hier sind“, die könnten „schon“ denken, stellt sich immer noch die Frage: „Wozu“? Denn bei vier Prozent Frauen an den Schaltstellen der Macht, weiß frau, Rotermund zufolge, warum so viel „Elend in der Welt“ herrscht (sic!). Privates und Weltpolitisches mischen sich bei Rotermund kunterbunt, weil das, was sich in deutschen Wohnzimmern abspielt, nichts anderes ist, als der Spiegel dessen, was sich zwischen Merkel und Nicolas Sarkozy abspielt – nur um ein Beispiel zu nennen. Es sind die ganz normalen Katastrophen, welche die „Domina des deutschen Kabaretts“ auf die Schippe nimmt, weshalb aber auch jeder Frau im Publikum der Kakao hochkommt, durch den sie tagtäglich gezogen wird. Und das ist als spirituelle Erweckungsmaßnahme wesentlich tauglicher als der Waschsalon. Ob sich allerdings die „fünf goldenen Tipps der Hundeerziehung zur praktischen Anwendung am Mann“ durchsetzen werden, bleibt bei aller Sinnhaftigkeit fraglich.

    Manege frei für den europäischen Nachwuchs

    Kaum ist der Frühling wirklich ausgebrochen, schon denkt man am Schillerplatz in Hessens Hauptstadt an die grauen Tage des Herbstes. Denn vom 30. Oktober bis zum 2. November messen sich beim European Youth Festival auf dem Dernschen Gelände wieder die besten Nachwuchsartisten Europas. Mittlerweile ist das alle zwei Jahre stattfindende Fest der Artistik ein wunderbares Sprungbrett für die Nachwuchstalente. Sowohl Alan Schulz, der vor vier Jahren mit seiner rasant-berückenden und dabei ungeheuer fröhlichen Jonglage alle außer Rand und Band brachte, als auch der „diabolische“ Pierre Marchand im Huckleberry-Finn-Look treten seit ihrem Erfolg in Wiesbaden in aller Welt auf. Schon jetzt laufen Ticketbestellungen der Agenten ein, die für ihre Varietés und Circusse neue Talente beim Europäischen Festival der Nachwuchsartisten zu entdecken hoffen. Im Übrigen wird das im vergangenen Jahr ausgefallene Kolloquium der Circuskultur im Rahmen des Artistikfestes nachgeholt. Eine Tagung wird in Ergänzung der praktischen Anschauung den theoretischen Überbau liefern. In den letzten zwei Wochen ist das Kulturamt, freut sich Frank Zammert über den Zuspruch, wieder „überschüttet“ worden mit Bewerbungen für das European Youth Festival. War bisher erst im Juli Bewerbungsschluss, so haben die Veranstalter des inzwischen mit Monaco und Paris gleichziehenden Festivals die Deadline in diesem Jahr vorgezogen. Denn für die Artisten ist es wesentlich beruhigender, wenn sie jetzt schon wissen, ob sie im Herbst auf Tournee gehen können oder bei uns zu Gast sind. Nicht die üblichen Verdächtigen aus Russland werden in diesem Jahr den Schwerpunkt bilden. Neben Finnen, Schweden und Dänen werden auch ein paar exotische Länder dabei sein, wie Großbritannien, Belgien und selbst Albanien. Eine weitere Änderung ist, dass das Mindestalter auf zehn Jahre festgesetzt wurde. Denn zu junge Artisten erweckten in der Vergangenheit hin und wieder doch eher Mitleid als Bewunderung. Die Vorverlegung der Bewerbungsfrist bedeutet zwar eine gewisse Hektik für Zammert und seinen Kollegen Frank Petereit, aber aus der freundlichen Ruhe lassen sie sich dadurch nicht bringen. Jetzt tagt erst einmal die Auswahlkommission mit dem Circusexperten Peter Kremer, einem Vertreter des Kulturamtes, Arlette Hanson (Spross einer angesehenen Circusfamilie), Jocelyne Gasser, die die „schräge und innovative“ Richtung der zirzensischen Kunst vertritt, sowie dem Jonglage-Clown Zoltan Zobalsky alias Zozo, der den European Youth Circus 2000 auf der Expo vertrat. Dann ist immer noch genügend Zeit, den Papierkram zu erledigen, den Versand der Einladungen, die Visa und all die kleinen und großen Vorbereitungen, bis das Sternenzelt wieder auf dem Platz beim Rathaus steht. War beim vergangenen Circusfestival Flic Flac der Leihgeber des Manegenrunds, so ist es in diesem Jahr wieder André Sarrasani. Dort werden die Vertreter der über 20 Nationen Darbietungen vollendeter Artistik – in klassischer Manier und zugleich nie aus der Mode kommend – vorführen. Mit von der Partie sind aber auch Autodidakten und Abkömmlinge traditioneller Familiencircusse, erklärt Zammert: „Die Mischung macht’s spannend!“

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    2008-06-15 | Nr. 59 |