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  • Themen-Fokus :: Clown | Mime

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    Gute Clowns fallen nicht vom Himmel!

    15 Jahre Schule für Clown, Komik & Theater im TuT Hannover – ein Zwischenbericht

    Rund 250 Schüler- und Schülerinnen waren in unseren staatlich anerkannten Grundausbildungen seit 1992! Was ist aus ihnen geworden? Sind sie jetzt alle Berufsclowns? Wie war ihr Einstieg ins Berufsleben? Hat ihnen die Ausbildung dabei geholfen? Und wie haben sie ihre Clownschulzeit als persönlichen Lebensabschnitt allgemein in Erinnerung behalten?

    Diese und andere Fragen haben wir in den letzten Monaten zur weiteren Entwicklung unserer Ausbildung den ehemaligen Absolventen gestellt. In Zusammenarbeit mit Procon, einer Journalistenschule, sind dabei auch interessante Radio-Interviews entstanden. Einige Auszüge daraus wollen wir in diesen Zwischenbericht einfließen lassen. Ausführlicher liest und hört man alles auf:

    Aktualisierte Infos auf der Homepage: TUT Hannover


    Clown – kann man das lernen?

    Seit über 20 Jahren beschäftigen wir uns in unserem Lehren und Lernen als Ausbilder mit diesem Thema. Vor allem interessiert uns immer wieder die Herausforderung, die Anforderungen einer Berufsausbildung mit den Bedürfnissen nach individueller und kreativer Entfaltung in Einklang zu bringen.

    Von Beginn an waren folgende Überlegungen für unsere Ausbildungen grundlegend:

    • Man lernt nie aus, ein Clown zu sein!
      Wir nennen daher unsere Ausbildungen bewusst GRUNDausbildungen. Sie sind ein solides Fundament für den weiteren, eigenständigen, künstlerischen Weg.
    • Die Entwicklung des handwerklichen Könnens und der Spielraum für die Entfaltung der eigenen Talente sind gleichermaßen wichtige Ausbildungsbestandteile.
    • Der Clown-Spieler sollte auch immer ein guter Schauspieler sein!
      Glaubwürdigkeit im emotionalen Ausdruck und ganzkörperliches Spiel sind wichtige Grundlagen für die vielen, heute denkbaren clownesken und komischen Figuren.
    • Clowns haben viele Gesichter!
      Die Entdeckung und Entwicklung der persönlichen Stärken und Stile bekommt viel Raum in der Ausbildung. Unser Name „Schule für Clown, Komik und Theater“ soll dies verdeutlichen.
    • Die Entdeckungsreise zum eigenen Clown!
      Dieses Bild benutzen wir gern für den Lernprozess in unseren Ausbildungen. Dazu gehört auch, dass wir Ausbilder uns als „Reisebegleiter“ verstehen, die das Terrain kennen, Wege vorschlagen oder auch zum Erforschen neuer Pfade ermutigen.

    Auch das Feedback unserer „Ehemaligen“ zeigt uns, dass wir mit diesen Eckpfeilern prinzipiell richtig liegen. Viele haben den individuellen Entfaltungsspielraum und die in der Ausbildung erworbenen Improvisationsfähigkeiten als gut und hilfreich bewertet.

    „(...) Ich hatte immer das Gefühl, ich möchte einfach mal fundiertes Material haben, ich muss mal an die Hand genommen werden. Zumal ich mir vorher alles als Autodidakt erarbeitet habe. (...) Als die Schule fertig war und ich mit „Knäcke“ in die Arbeit startete, hatte ich dauernd ‚Aha-Erlebnisse‘ (...) Ich hab also richtig Gepäck mitgenommen, das ich nach und nach dann auspacken konnte.

    Markus Siebert, „Knäcke“

    (Die Atmosphäre im TuT war ...) „... sehr familiär. Wir hatten eine sehr schöne Klassengemeinschaft, auch mit den Lehrern. Weil einfach sehr viel Individualität gefördert wurde und weil es sehr viel um das Miteinander ging. Ich habe ja vorher Musical studiert (...), ein krasses Gegenbeispiel.“

    Stefanie Seeländer, „Die Diva“

    „Sehr viele unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Bereichen, die mit mir in der Ausbildung waren. (...) Auf Tour fahren, gemeinsam Dinge erleben, die man so im Alltag gar nicht erlebt, das war schon ein Abenteuer.“

    Joachim Bruns, „Clown-Comedy-Complott“

    Clown werden – Berufung oder Beruf?

    Sowohl die Figur des Clowns als auch seine Spielorte haben sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt und sind vielschichtiger geworden.

    Von den „alten“ Clownvorbildern und den Wirkungsmustern des Clownspiels kann man auch heute noch eine Menge lernen. Wir benutzen und übertragen sie in der Ausbildung auf moderne Spielfiguren und Themen. Der Clownspieler ist dabei oft Autor, Darsteller und Regisseur in einem: Bühnenkunst total! Die erfrischende Vielfalt der von unseren Abgängern entwickelten Clowns, komischen Figuren und ihrer Szenen scheint uns Recht zu geben.

    Aber nicht nur zahlreicher sind die Arbeitsfelder geworden, sondern teilweise auch härter umkämpft und mit mehr geschäftsmäßiger Kühle. Informationen und Einstiegshilfen geben für den „harten“ Berufsalltag – das sind wichtige Aufgaben der Ausbildung. Dies zeigte auch das Feedback in unserer Umfrage. Die in dieser Hinsicht schon bestehenden Möglichkeiten und Inhalte werden daher in Zukunft noch ausgebaut:

    • Self-Management;
    • Info-Veranstaltungen mit Agenten, Veranstaltern und „Ehemaligen“ über den Berufseinstieg;
    • Beratung und Unterstützung bei Auftritten, auch außerhalb von Unterricht und Werkschauen;
    • Kontakte zu Kollegen/Kolleginnen, Agenturen und Veranstaltern über das Netzwerk der Schule;
    • die Schule stellt mit dem TuT-Künstleralbum online eine erste Werbeplattform zur Verfügung.

    „Wenn es jetzt um den Clown als Beruf geht, da denke ich, ist nicht jeder dafür geeignet. Eine eigene Komik und ein großes Selbstbewusstsein muss in den Beruf mitgebracht werden. Um als Clown verlieren zu können, musst du ein gestärkter Mensch sein.“

    Stephan Guddat, „Die bösen Schwestern“

    „Die Lehrer (... in der Ausbildung ...) konnten einen immer auffangen, auch wenn man mal an seine Grenzen geriet. Ich hätte mir allerdings noch mehr Kritik der Lehrer gewünscht, weil es wirklich ein sehr harter Beruf ist und man vor allem Kritik gut aushalten können muss.“

    Markus Siebert, „Knäcke“

    „Da (auf der gemeinsamen Abschluss-Tournee) haben wir super viel gelernt, finde ich – wie geht man auf Veranstalter zu, wie macht man Verträge“.

    Daniela Moritz, „DanDan“ und Klinik-Clown

    Aber nicht jeder unserer Absolventen strebt nach Abschluss der Grundausbildung auf den Markt der Bühnenkünstler oder in den Event- und Entertainment-Bereich. Manche betreiben danach ihr clownesk-komisches Schaffen als Nebenberuf oder intensives Hobby. Mit solidem, handwerklichem Können und auf hohem künstlerischen Niveau, aber befreit von existenziellen Sorgen, leben sie so viel entspannter und zufriedener ihren künstlerischen Traum.

    Und, nicht zu vergessen: die Entdeckung des eigenen Clowns, die Reise zum inneren Kind, die (Wieder-)Belebung von Humor im eigenen Alltag, während der Ausbildung und danach – all dies wird oft als persönliche Bereicherung erlebt. Nicht wenige unserer Absolventen entscheiden sich daher, das in der Ausbildung Gelernte und Erfahrene in ihren bisherigen Berufen zu integrieren bzw. ihr Clowns- und Narrenspiel eher in sozial-kommunikativen oder pflegerischen Bereichen einzusetzen.

    Das TuT – mehr als eine Clownschule

    TuT wurde 1986 von lehrenden Schauspielern, Clowns und Tänzern gegründet. In der Abkürzung „T u T“ (Tanz und Theater) spiegelt sich die damalige Grundidee: Workshops und Fortbildungen für Tanz und Theater sollten sich gegenseitig ergänzen, um so zeitgemäße Ausdrucksformen zu entwickeln. Zu all dem steuerten die Clowns ihre besondere Art, die Welt zu sehen, bei.

    Wenn sich auch mit dem Erfolg der Clownausbildungen die Wahrnehmung des TuT in der Öffentlichkeit etwas in Richtung „Clownschule“ verschoben hat – die Grundidee lebt weiter! Neben unseren drei Clown-Ausbildungsklassen gibt es am TuT ein vielseitiges Angebot an Workshops und Fortbildungen mit jährlich rund 600 Teilnehmern und erfahrenen Gastdozenten aus dem In- und Ausland.

    Wie anfangs gesagt: der Weg zum eigenen Clown bzw. zum eigenen darstellerischen Ausdruck ist eine lange, spannende Entdeckungsreise. Es freut uns, dass auf dieser Reise für viele – egal, ob ehemalige Ausbildungsschüler, oder bereits professionell arbeitende Externe – das TuT immer wieder eine Station ist, auf der sie zur Auffrischung und Vertiefung ihrer Kenntnisse gern haltmachen.

    Der Austausch über die verschiedenen Ansätze und die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Darstellungsformen in unseren Räumen inspiriert auch uns vom TuT auf unserem Weg als Lehrende in einer lebendigen Schule für Tanz, Clown und Theater. Bestimmt auch noch die nächsten 15 Jahre!

    Ralf Höhne 

     

    Schule für Clown, Komik und Theater im TuT – staatlich anerkannte Berufsfachschule –

    Leitung: Corinna von Kietzell, Dieter Bartels, Ralf Höhne

     

    Professionelle Grundausbildung I (Vollzeit)

    1,5 Jahre Vollzeit • BAFöG-Förderung möglich! • Täglicher Unterricht •

    Nächster Beginn: September 2008 • Auswahlseminar: Frühjahr 2008

    Professionelle Grundausbildung II (BBA)

    3,5 Jahre berufsbegleitend • Intensivwochen und Wochenenden

    Nächster Beginn: Frühjahr 2008 • Auswahlseminar: Anfang 2008

    Mehr zu den Ausbildungen und den Interviews unter:

    Aktualisierte Infos auf der Homepage: TUT Hannover

    ArtNr:1091  AdNr:1085 


     
    2007-06-15 | Nr. 55 |