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    Harte Premiere: Bei Emmy Göring zum Tee

    Die Uraufführung der Klamotte „Bei Emmy Göring zum Tee“ bot ein Stück zum Thema NS-Aufarbeitung, gespielt vom Duo Emmi und Herr Willnowsky (alias Christoph Dompke und Christian Willner) als berühmt-berüchtigte teutonische Kammersängerin mit ihrem russischen Haussklaven.

    Emmi feiert als nunmehr ehemalige „Hohe Frau“ samt ihrem aufmüpfigen Kriegsgefangenen ihren 111. Geburtstag in München und nimmt dabei sogar Glückwünsche vom Ex-Führer aus seinem argentinischen Exil entgegen.

    „Ordnung ist der Humor der Deutschen“, sagt der kritische Kriegsgefangene mit Karl Kraus und reiht säuberlich die acht Schädel der verhassten Familie Goebbels vor Witwe Göring auf. Gemeinsam stoßen die beiden immer wieder auf den Geburtstag an. Emmy ergeht sich in Erinnerungen an ihren geliebten Hermann, der vom „bösen, bösen Krieg“ so gar nichts gewusst habe und lästert dabei über die medientaugliche Pseudohistorik von heute. Am Ende sind beide knülle. Doch vorher singen Dompke und Willner (früher Hamburg, heute Berlin) nach bewährter Art noch Lieder („An allem sind die Juden schuld“ à la Habanera) und reißen böse Witze („Gib’ Gas, ich will Spaß“).

    Das alles ist recht platt und klischeestrotzend, aber auch stellenweise komisch – auf selbstredend entsetzlichem Urgrund. Natürlich wirft das Stück „Zum Tee bei Emmy Göring“ kein neues Licht der Erkenntnis auf das Dritte Reich und seine Protagonisten. Andererseits ist dem flotten Trash-Produkt nicht der Vorwurf einer Verharmlosung zu machen, da auch im plumpen Kalauer die wesensmäßige Abartigkeit des Regimes deutlich wird. Am Ende scheint dem Verfasser des Stücks allerdings nichts mehr eingefallen zu sein. Die einzige wirklich unvorhersehbare Irritation gab es dann allerdings zum Schluss: Das Publikum war derart begeistert, dass es bei „Alte Kameraden“ herzhaft im Takt mitklatschte ...

    Redaktion: Ulrike Cordes                                                                                                  
    2005-06-15 | Nr. 47 | Weitere Artikel von: Ulrike Cordes