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  • Szenen Regionen :: Köln-Bonn

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    Herzlich willkommen in Köln

    Im allgemeinen Schaulaufen auf der Freiburger Kleinkunstbörse verdienten sich die drei Kölner Beiträge nicht nur gute Haltungsnoten, sondern auch einen vollen Tourkalender. Marius Jung, selbsternanntes „Bimbo unter den Komikern", präsentierte eine peppige Promotion für das sakrale Marktsegment durch zielgruppenorientierte Variation des „Danke für diesen guten Morgen"-Liedes. Ungeahnte Ausbrüche der Begeisterung beim sonst eher drögen Fachpublikum erntete die Odyssee durch die verdrehte Welt des Johann Köhnich. Ein Auftritt der Extraklasse aber war die Musik-Clowneske von Hinz und Kunz. Marcel Wagner und Sören Leyers wollen nicht dasselbe und finden doch in kongenialer Weise zusammen. Der eine wirbelt wie aufgedreht durchs Inventar, während der andere sich sichtlich genervt der Saitenpflege mittels Geigenbogen widmet. Daraus resultiert ein rasantes, unglaubliches und unglaublich virtuoses Duell, in dem auch diverse andere Musikinstrumente als Waffen dienen.

     Ellen UrbanZurück nach Köln und zu den wirklich trashigen Kultevents, die nicht in der Zeitung stehen, über Mundpropaganda funktionieren und an ungewöhnlichen Schauplätzen stattfinden. Baywash ist so ein Fensterplatz für die Erstverwertung neuer Werke. Knacki Deuser hat in Köln für seine Show einen Waschsalon auf der Brüsseler Straße gefunden. 100 Leuten drängen sich schon eine Stunde vor Beginn zwischen die Waschtrommeln, um dann den Künstlern bei der Erprobung zu lauschen. Im Februar gaben auf dem Sims unter anderem der unglaubliche Heinz, Achim Knorr, Ramona Schuhkraft, Martin Reinl und Moses W eine grandiose Show, die so gesehen schon einen veritablen Querschnitt durch die junge Kabarett- und Comedyszene Köln zeigte. Ein Newsletter informiert über die Termine und kann über www.baywash.de bestellt werden.

    Ein eher etabliertes, aber einen Besuch immer lohnendes Format der Künstlerpräsentation bietet das Bonner Pantheon mit dem „Götterfunken". Moderiert von Rainer Pause und Helmut Schleich zeigten sich Anfang März Matthias Brodowy, H.G. Butzko, Jochen Malmsheimer und Hertha Schwätzig. Hertha Schwätzig, immer noch der hiesigen Szene verbunden, ist bekanntlich ein Synonym für schräg, schrill und knallebunt. Und so deutet ihr Programmtitel „Die Zeiten werden Hertha" natürlich Zuversicht an. Da wird, dekoriert mit gehäkeltem Topflappenbustier und Lackröckchen, in einem atemberaubenden Tanz zwischen den Genres Magie, Comedy und Musik ein volles Pfund aus dem prallen Leben gegriffen und direkt ans Publikum weitergereicht. Rücknahmegarantie unnötig.

    „Wenn ich ein komplettes Service von Rosenthal mit in die Ehe bringe, dann kann ich auch verlangen, dass seine Bohrmaschine eine Hilti ist", spricht Rosa K. Wirtz in einer ihrer vielen Figuren, die sich unter der Überschrift „Mitgift" auf der Bühne versammeln. Und Wirtz wird der Doppeldeutigkeit des Titels gerecht. Ein erklecklicher Haufen an Szenen, Liedern und Kurzfilmen (ja sicher) wird zu einem ergötzlichen Themenabend zu Ehe, Partnern und Sinnverwandtem, eine One-Woman-Performance, die souverän zwischen den obskuren Ausprägungen des Zwischenmenschlichen wandelt. (Atelier-Theater).

    Herzlich willkommen in Köln Jürgen Timm. Ein Spreeathener wird zum Neukölner. Fach: Politisches Kabarett. Seine Berliner Schnauze ist angenehm unaufdringlich. In  „Lebende Beweise" ereilt einen der Scharfsinn eines genauen Beobachters, gespickt mit unzähligen, manchmal gar zarten Zwischentönen. Mit den Lichtern, die einem hier aufgehen, findet man getrost nach Hause. (Wohnzimmertheater)

    Onkel Fisch erfinden im „Club der dichten Toten" (5 Euro in die Wortspielkasse) das klassische Comedy-Duo völlig neu, reissen sich in einer irren Höllenfahrt gegenseitig rein und an den Haaren herbei wieder raus, dass es eine Wonne ist. Die Szenen sind mit Lust an der Bewegung präzise choreografiert. Da geht es Schlag-auf-Schlag, Auge-um-Auge, Zahn-um-Zahn. Da wird an Schadenfreude nichts ausgelassen. (Wohnzimmertheater)

    Wo wir quasi gerade beim Alten Testament sind: Mario Michalak und Isidoro Fernandez , beide ausgebildete Pantomimen, gehen auf bizarre Pilgerfahrt. In  „Viaje con Dios" wird der Theatersaal zum Bus. Und die vergnügliche, manchmal auch tragikkomische, auf keinen Fall wortlose Reise führt zu den wesentlichen Mysterien des christlichen Abendlandes. Wer da meint Pantomime sei nichtssagend, hat sich hier gründlich getäuscht. (siehe Terminkalender)


    Coco Camelle

    „Ich schlage mich durchs Leben, das Leben schlägt zurück; manchmal auch daneben, denn manchmal hat man Glück". Ein Refrain, der die Leichtigkeit in der Architektur des neuen Programms „Jenseits von Gut und Böse" verdeutlicht. Und wirklich steht Coco Camelle ein wenig jenseits der gewohnten Darbietungsweisen, aber immer nahe genug für eine Gänsehaut. Die karibische Süße, die ihr Name schon andeutet, wird durch ihre immer gegenwärtige Präsenz mal verstärkt, mal ironisch gebrochen. Da wird mit einer Melange aus sinnigen und aberwitzigen Chansons eine charmante Atmosphäre geschaffen, in der man vor kleinen Boshaftigkeiten aber nie sicher sein kann. Die Lieder entführen uns von Nietzsche, über Catherina Valente in den Dschungel der Kindheit und dann bis zum Ende des Regenbogens, schlicht aber spannend instrumentiert. Man könnte nach diesem Abend bei einem leichten Wein die Heiterkeit neu definieren, wenn man nicht diese gewaltige Stimme noch so nachhaltig rauschhaft im Kopf hätte. (Senftöpfchen)


    Termine:

    Atelier Theater, Köln

    Ab 10. Juni Sommer Special „Gratis und nicht umsonst", u.a. mit Mayo Velvo, Iris Lamoyette und Steve Nobles  (Sonntag bis Donnerstag)

    20. und 21. 6. Marius Jung –  „Das Bimbo unter den Komikern"

    Pantheon, Bonn

    8. + 9.6. Jochen Malmsheimer „Wenn Worte reden könnten"

    11.6.-29. 6.   7. A Capella Festival (u.a. mit den Mundharmonikern und Montezumas Revenge)

    Ab 21.6. wieder Schiffstour „Revolution im Rheinland – Erfolgreich scheitern" mit Rainer Pause und Martin Stankowski (Der Anker wird in Köln an der Bastei gelichtet)

    Bürgerhaus Stollwerck, Köln

    7. + 8.6. Evi Niessner und Mr. Leu  - „Evi und das Tier"

    16.6. Jutta Wilbertz -  „Lieder meines Verlebens"

    22. und 23.6. Saisonabschluss – Die Highlights (u.a. mit Gerd Weismann, Kerim Pamuk, Die Improvisatoren und Klaus Birk)

    Martin-Luther-Kirche, Köln

    18.April bis 11.Mai jeden Mittwoch und Donnerstag „Viaje con Dios" mit Mario Michalak und Isidoro Fernandez

    AdNr:1099 

    2001-06-15 | Nr. 31 |