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    Impertinent, deliziös, delikat!“

     

    „Entschuldigung, darf ich mal durch“, gurrt eine hochgewachsene Brünette im dunklen Abendkleid und bahnt sich ihren Weg durch das Publikum. Das alleine ist eine Kunst, denn so groß auch der Name des Frankfurter Tigerpalastes klingt, so klein ist die Lokalität. Auf engem Raum hat sich das „erlauchte“ Publikum an runden Tischen zur Frühjahrs-Sommerrevue des Varieté-Theaters zusammengefunden, der charmanten Aufforderung der Moderatorin Alix Dudel können sich die dicht gedrängt Sitzenden dennoch nicht entziehen. „Gleich bin ich auf der Bühne“, spricht die Diseuse und ergänzt: „Beachten Sie bitte dieses skandalöse Kleid!“ Das selbige ist allerdings einen Blick wert, doch auch Gehör schenken die Zuschauer der attraktiven Erscheinung nur allzu gerne, als Alix Dudel mit tiefer, kehliger Stimme ein Chanson aus der Feder von Friedhelm Kändler zum Besten gibt – ganz nach dem Motto: „Impertinent, deliziös, delikat!“.

    Diese Umschreibung lässt sich auch vorzüglich auf die weiteren Programmpunkte der Tigerpalast-Show anwenden. Schließlich hat sich der Varieté-Tempel in den vergangenen 20 Jahren mit hervorragenden Künstlern aus aller Welt einen Namen gemacht, und das weit über Frankfurts Grenzen hinaus.

    Die Show bewegt das Auditorium, auch im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Enge des Saals in der Frankfurter Innenstadt erfordert das Improvisationstalent der Organisatoren und des Personals. Bei Trapez oder Vertikalseil-Nummern werden im Handumdrehen mittig sitzende Gäste auf die Bühne umquartiert; somit wird der Zuschauer selber zum Bühnenmittelpunkt, während sich das Varieté-Geschehen nunmehr mitten im Publikum abspielt. Fazit: Große Varieté-Kunst in unmittelbarer Nähe: Da lohnt sich auch das – nicht so minimale – Eintrittsgeld!

    Szenenwechsel: Zu sehen gab es bei der neuesten Premiere der Kabarettistin Maja Wolff alias Anton Le Goff wirklich nichts. Aus einem einfachen Grund: Das Spektakel spielte sich im Dunkeln ab! Die umtriebige Frankfurter Künstlerin hat ihr Bühnenprogramm mit dem sinnigen Titel „Blind Date“ im Dialogmuseum der Mainstadt veranstaltet, einer Ausstellungsplattform, in der blinde Menschen den Besuchern einen „Dialog im Dunkeln“ bieten. Eine Stunde Musikkabarett in völliger Finsternis bedeutete allerdings auch für die Macher des Dialogmuseums eine Premiere der besonderen Art. Laut Maja Wolff wurde im Vorfeld der Aufführung hörbar darüber gemunkelt, ob ihr Texter Bert Bresgen das Stück in völliger Dunkelheit geschrieben habe, also quasi „umnachtet“. Auch anderen Vertretern des schwarzen Humors, die vor der Aufführung sinniert hatten, ob Keyboarder Andreas Neuwirth wohl die schwarzen von den weißen Tasten unterscheiden könne, wurde deshalb entgegnet: Kommt zahlreich und schaut euch das Stück an! Die Zuschauer kamen zahlreich, sahen nichts und staunten dennoch über Sichtweisen der Künstler und das eigene Gefühlsempfinden im schwarzen Raum. Doch worum geht es im neuen Anton-Le-Goff-Programm? Anton hat ein „Blind Date“. Im wahrsten Sinn des Wortes, denn die unbekannte Dame seines Herzens will ihn im dunkelsten Raum der Welt treffen. Dort ist sie jedoch nicht zu finden. Stattdessen begegnen Anton DDR-Dissidenten in der Rotkäppchenkellerei, Höhlenmenschen, denen es die Sprache verschlagen hat, und SMS-verliebte U-Boot-Kommandanten. Ob die Liebe immer blind macht und Anton am Ende doch noch seiner großen Liebe begegnet, lässt die Autorin im Dunkeln, um Interessierten die Möglichkeit zu geben, eigene Einblicke in schwer durchschaubare Gefühlswelten zu gewinnen. Weitere Termine sind am 10., 12., 23., 24. und 25. Oktober um jeweils 20 Uhr in der Brotfabrik, Frankfurt-Hausen. „Etwas lauter“ ging es beim fünften Frankfurter  Kinderliedermacherfestival des Hessischen Rundfunks zu: „Habt ihr auch coole Eltern dabei, die sich hier auf die Bühne trauen“, rief ein bunt gekleideter junger Mann, während die ebenso schräg aussehenden Mitglieder seiner ungewöhnlichen „Boygroup“ im Hintergrund den Rhythmus halten. „Ja“, schallt es aus hunderten von Kinderkehlen, und als zwei Dutzend Erziehungsberechtigte die Bühne erklimmen, um mit ungelenken Tanzbewegungen den Nachwuchs zu erfreuen, brodelt die Stimmung. Donikkl und die Weißwürschtl – eine sechsköpfige Spaßmusikband – waren einer von insgesamt sieben Programmpunkten bei der großen Abschlussgala des Festivals. Mit dabei waren außerdem Suli Puschban aus Berlin, Birte Reuver aus Hamburg, Lila Lindwurm aus Mönchengladbach, Rainer Wenzel aus Nürnberg, der allseits bekannte und beliebte Gießener Kinderliedmacher Frederic Vahle und natürlich der Frankfurter Gastgeber Ferri mit seiner Combo Perlico-Perlaco. In Zusammenarbeit mit dem hr2-Kinderradio Domino hat Georg Feils alias Ferri das Festival vor fünf Jahren ins Leben gerufen. „Die Idee ist allerdings nicht auf meinem Mist gewachsen“, erklärt Feils. Bereits vor zehn Jahren hatte sich der engagierte Liedermacher mit Kollegen bei einem Kongress zusammengefunden, wobei die Idee entstand, mittels einer Homepage für eine Vernetzung der Kinderliedermacher-Szene zu sorgen. „Statt Konkurrenz wollten wir Zusammenarbeit“, so Feils. Dazu gehört auch die Vernetzung von Festivals. „Inzwischen gibt es bundesweit mehrere davon und wir Kinderliedermacher treffen uns jeweils im Januar in Berlin“, sagt der Frankfurter Künstler und Organisator.

    In der Bankenstadt war der Hessische Rundfunk für Georg Feils von Anfang an ein kooperativer Partner. In den ersten zwei Jahren wurde die Festival-Gala noch im hr-Foyer angeboten, doch der Zuspruch war so groß, dass die Veranstaltung bereits im dritten Jahr in den Sendesaal verlegt wurde. „Diesmal war es mit 850 Besuchern rappelvoll“, so Feils zufrieden.

    Zuvor hatten die einzelnen Gruppen und Liedermacher in verschiedenen Spielstätten in und um Frankfurt herum ihr Programm präsentiert. Zudem nutzte die Volkshochschule die Anwesenheit der Künstler, um Workshops für pädagogische Mitarbeiter anzubieten. Alles in allem ein voller Erfolg!

    Internationale Straßentheatergruppen, unterschiedliche Theater- und Tanzformen, Konzerte, Poetry-Slams, Open-Air-Kino und eine Kopfhörerdisco hatte sich das nunmehr siebte Sommerwerft-Theater-Festival am Fluss aufs Programm geschrieben. Das internationale Festival, welches erstmalig 2002 als Pilotprojekt für Straßentheater, experimentelle Kultur und Kunstaktionen vom Verein protagon - freunde und förderer freier theateraktion initiiert wurde, hat sich mittlerweile in Mainhattan fest etabliert.

    Diese echte Alternative zum kommerziellen Sommertheater hat zum Ziel, die historischen Wurzeln des Theaters in Form von Straßen- und Wandertheatern im öffentlichen Raum wieder aufleben zu lassen. Open-Air-Bühnen, ein Beduinenzelt und ein KleinKunstFreiRaum sollen ein breites Forum für darstellende Künstler aller Art sowie einen Raum für Kultur und Kommunikation bieten. „Unser Festival steht für ein soziales Miteinander, kulturelle Identität und internationalen Dialog“, so die Veranstalter. Dass beim diesjährigen Festival erstmalig der Eintritt gratis war, kam dem sozialen Miteinander sicherlich zusätzlich zugute!

    Erfolgreiche Shows und einen wunderschönen Herbst und Winter wünscht

    Redaktion: Kiki Krebs

    2008-09-15 | Nr. 60 | Weitere Artikel von: Kiki Krebs