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    Kritik: Robert Griess: Geht’s noch? (Eifelturm, Köln)

    Es gibt verschiedene Arten von Kabarettisten: Solche, die mit wenigen Ideen einen ganzen Abend füllen (was eine Kunst für sich ist), und solche, deren Programme vor Einfällen schier überquellen. Robert Griess gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Was er in seinem neuen Programm „Geht’s noch?“ unterbringt, reicht für zwei Abende. Und das in durchaus wörtlichem Sinn: Von Beginn bis Schlussapplaus im Kölner Eifelturm-Theater vergehen fast drei Stunden. In dieser Zeit wird man größtenteils hervorragend unterhalten. Griess beherrscht sein Metier, liefert glänzende Solovorträge, fingiert aber auch gekonnt Gespräche zwischen einzelnen Typen, in diesem Fall Väter, die gemeinsam auf einer Bank hocken, um ihre Kinder auf dem Spielplatz zu beaufsichtigen. Das gibt Gelegenheit zu mancherlei Debatten, wobei der vieldiskutierte Kindermangel und der Zusammenprall der Kulturen ganz oben auf der Tagesordnung stehen. Gerade, was diese Themen angeht, fühlt man sich bei Griess hervorragend aufgehoben. Er entlarvt gekonnt die Demagogie der Demografen, die bei ihm in einer groß angelegten Aktion unter dem Motto „Du wirst Deutschland – ein Baby für Merkel“ gipfelt. Etwas weniger gelungen sind seine Beiträge zu den Untiefen der Habermas’schen Philosophie und zum Vormarsch der Religionen. Hier greift Griess bodenständiges politisches Kabarett oft zu kurz. Insgesamt hätte dem Programm etwas mehr Konzentration gutgetan. Den einzelnen Programmteilen fehlt die Verklammerung, sodass der rote Faden oft verloren geht. Dennoch: Es ist schön, dass es immer noch Leute wie Robert Griess gibt, die das vielfältige Absurde der bundesdeutschen Wirklichkeit nicht unkommentiert lassen.

    Redaktion: Guido Bee

    2007-03-15 | Nr. 54 | Weitere Artikel von: Guido Bee