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    Kultour in Bonn-Beuel

    Kabarettisten, die Stadtrundgänge durchführen, gibt es in letzter Zeit immer häufiger. Zu dieser Spezies zählen auch Babette Dörmer und Karin Krömer, und doch ist die von ihnen alljährlich durchgeführte Bonner „Kultour“ ein Ereignis der ganz besonderen Art. Das liegt zunächst an der Art der Sehenswürdigkeiten, die es hier zu bestaunen gilt: Nicht Plätze, Häuser und Denkmäler stehen im Mittelpunkt der Tour, sondern Menschen – die zahlreichen Akteure der freien Kulturszene in Bonns rechtsrheinischem Stadtteil Beuel. Der hieß früher mal, vor Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen, „Bonn 3“, und genau diesen Namen wählten Dörmer und Krömer, als sie sich vor vierzehn Jahren als Kleinkunstduo zusammenfanden. Seitdem sind sie oft gemeinsam aufgetreten, u. a. in vielen unvergesslichen Auftritten als Mitglieder des „Pink Punk Pantheon“-Ensembles. Durch räumliche Trennung bedingt – Babette Dörmer hat es aus privaten Gründen nach Norddeutschland verschlagen – gehen sie mittlerweile getrennte Wege, aber die „Kultour“ führt sie in jedem Herbst wieder zusammen. Dann wird Krömer zur „Oberstudienrätin a. D. Bärbel Pagel“, und Dörmer avanciert zu „Fräulein Henriette von Hoppenstätt“. Es ist ein resoluter, mitunter barscher Ton, mit dem die Damen ihr Publikum, die unterwegs auftretenden Kulturschaffenden und vor allem sich selbst bedenken, aber anders sind die vielen Attraktionen der über dreistündigen Tour auch nicht zu bewältigen. Man macht Station im örtlichen Heimatmuseum, besichtigt das Kulturzentrum Brotfabrik, wohnt Proben im „Jungen Theater“ bei, sieht Trailer im örtlichen Programmkino „Neue Filmbühne“ und in der Bonner Kinemathek, bekommt ein Ständchen in der Musikschule und sieht einem Goldschmied bei der Arbeit zu. Die kulturelle Vielfalt eines zunächst unscheinbaren Stadtteils wird hier unerwartet deutlich, und man bekommt zugleich eine Ahnung, was die Präsenz von Kulturschaffenden für einen Ortsteil bedeutet. All das gelänge nur halb so gut, wären nicht Drömer und Krömer so begnadet komische und schlagfertige Moderatorinnen. Die Kleinkunst wird hier zum Scharnier, das die einzelnen Ausprägungen der Stadtteilkultur miteinander verbindet. Eine beachtliche Leistung, der man Nachahmer andernorts wünscht.

    2006-03-15 | Nr. 50 |