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    Let's talk about... Kay Ray!


    Kay Ray

    Bekannt ist er als bunter Hund, als Diva mit Bart und grün-blauem Lippenstift, mit toupierten Haaren und dramatischem Make-up.

    Für seine Gags über Heteros, Schwule sowie A-, B- und C-Promis. Und für seine leiden- schaftlichen Interpretationen von Milva bis Billy Joel.
    Doch stehenbleiben ist nichts für den Paradiesvogel der Comedy, was er in seinem neuen Solo-Programm YOLO! beweist: Kay Ray trennte sich nach
    zwölf Jahren Beziehung von seinem Freund, zog mit seiner Freundin zusammen und gründete eine Familie. Gewohnt ehrlich gewährt der Hamburger Zotenkasper Einblicke in sein Leben, erzählt über das was ist, was war und was sein könnte.
    Nach wie vor nimmt der selbsternannte Edel-Punk kein Blatt vor den Mund, im Kampf gegen Flachsinn und aufgesetzter Überheblichkeit! In YOLO! schafft Kay Ray den Spagat zwischen Brachialsatire und Anspruch, zwischen Pop und tiefsinnigen Melodien.

    #YouOnlyLiveOnce…ein zügelloser Abend von und mit Kay Ray.
    Gesang, Gerede und Getue! Melancholisch, ordinär und anders.

    Ein Abend entstanden aus drei Leben.

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    Let's talk about... Kay Ray!

    Kay Ray im Interview mit Stefan Ludwig für Trottoir-online

    Stefan Ludwig: Kay, ein kurzer Ritt durch das Geschichtsbuch... Deine bisherigen Programme chronologisch im Rückblick mit jeweils 1-2 Sätzen...

    Kay Ray:
    Eine therapeutische Reise von außen nach innen. Über die Kunst habe ich unbewusst versucht, mich selbst zu entdecken. Ich begann ja als buntes Mädchen in Travestie Clubs, dann wurde ich der pubertierende Edelpunk. Dann der eskalierende Zyniker in Siff und Suff…. Mit YOLO! steht nun jemand auf der Bühne, der sich nicht fragt, ob er das, was er tut, darf, sondern tut, was er für nötig hält. Es fühlt sich erwachsen, aber nicht angepasst an und ich habe jeden einzelnen Schritt dahin äußerst genossen und halte diesen Weg für absolut erforderlich. Zumindest in meinem Fall, denn ich wusste niemals viel über mich und habe nur Haare schneiden gelernt…..


    Stefan Ludwig: Erkläre bitte mit eigenen Worten, warum es an der Zeit war, ein Programm mit der Kernaussage You Only Live Once auf die Tagesordnung zu bringen…

    Kay Ray: Weil ich nach all den Jahren und der Suche nach Selbsterkenntnis und Bestätigung nach diesem ganzen Tingel und Tangel ganz langsam auf den Kern kam. Es stellte sich auf einmal die Frage: "Warum bin ich auf der Bühne? Was war der ursprüngliche Grund für die Kunst? Du wolltest eigenen Lieder und eigene Texte schreiben. Du wolltest Deine Geschichten erzählen!“ So wurde es Zeit, mit all der Erfahrung und nach all den Jahren mit all den guten Menschen an der Seite zu arbeiten. Wir gründeten die Kay Ray Band und schrieben Songs. Weil es an der Zeit war. Denn physisch leben wir ja nur einmal. Das gesagte kann uns unsterblich machen. So wie Frau Merkels „Wir schaffen das!“ wird vielleicht von mir die Aussage bleiben, dass eine Burka auch im Falle einer Scheidung praktisch ist, da man dann das Hochzeitsbild nicht aus dem Rahmen nehmen muss. Man sieht ja nicht, wer unter der Burka ist.


    Stefan Ludwig: Ich selbst kann sagen: Ich habe Deine verschiedenen Programme in den letzten Jahren immer mal gesehen. Klarheit und Direktheit sind großartig. Wenn es 20 Uhr ist, Du die Bühne betrittst, schließt Du erstmal hinter dem Publikum die Tür ab und gibst auf die Zwölf. Keine Kompromisse. Auch nicht vor Dir selbst. Wenn ich Dich nach Vorbildern in dieser Klarheit fragen würde, wer und warum würde Dir einfallen?

    Kay Ray: Kate Bush… die unbeeinflussbare Konstante in der Unterhaltung. Patt Smith… von „Pissing in the River“ bis „Wild leaves are falling“. Milva…“Vor dem Gesetz sind alle gleich!?“. Robert Long…“In der Sonne sieht die Welt viel schöner aus, doch die Schweinereien geh’n unvermindert fort. Ein Mord bleibt auch bei Sonnenlicht ein Mord.“ Wolf Biermann, Eva Maria Hagen, Stevie Nicks, Lene Lovich, Nina Hagen, Toyah und Siouxsie Sioux…. Jedem verdanke ich ein klein wenig Inspiration, was mein Inneres und mein Äußeres betrifft.


    Stefan Ludwig: You Only Live Once. YOLO! Du kennst drei Menschen, denen Du Herzenswünsche erfüllen kannst. Was machst Du?

    Kay Ray: Ich würde mit meiner Frau nach Las Vegas fahren. Mit meiner Tochter hätte ich ein eigenes Appartement im Phanatsialand und meinem Vater wünschte ich mehr Gesundheit…. Wenn ich noch einen vierten dürfte: Ich wünsche allen Menschen ein "tiefes Verständnis für die Familie“. So kommt das Glück von ganz allein.


    Stefan Ludwig: Du unterhältst als einer der ganz wenigen mit einer Story zum Thema Reha und Kur. In Deiner Show sagst Du, Du musstest erstmal Deinen Umgang mit dortigen Voraussetzungen finden. Sagst Du heute: Leute, nehmt solche Angebote mehr wahr?

    Kay Ray: Es gibt kein Dagegen. Wir leben in einer Zeit in der wir mit einem Wort gesagt ziemlich „UNIFORM“ eingesetzt werden. Die Anforderungen an uns von außen sind ziemlich kompliziert. Da hält so manches Inneres nicht mit. Eine Kur ist das beste Mittel gegen dieses Ungleichgewicht. YOLO! ist auch ein Plädoyer: Laßt Euch helfen.


    Stefan Ludwig: Du bist Liftboy. Du hast zwei Minuten Zeit, bevor Deine Fahrstuhlgäste das oberste Stockwerk mit Dir erreichen. Gleich werden sie das Grünspan betreten, den Ort, an dem Deine monatliche Late Night in Hamburg stattfindet. Was erwartet die Fahrstuhlgäste?

    Kay Ray: Der gemütlichsten Proberaum Deutschlands. Ich würde sagen: Last Euch ein auf diese Atmosphäre, in der es keinen roten Vorhang und schnieken Kellner gibt. Bestellt einen Drink an der Bar, feiert mit und beteiligt Euch an der Show. Dieser Ort ist so unvorein-genommen und braucht Zuschauer, die erkennen, was er ist. Ein Showpalast ohne Tingel Tangel. Ein Konzertsaal zum Chillen und eine Location zum Abrocken.


    Stefan Ludwig: Stell Dir vor, Du spazierst mit jemandem um einen See für ein Interview. Mit wem wärest Du gerne mal länger unterwegs und was interessiert Dich an ihm?

    Kay Ray: Ich würde mit Kate Bush gerne um gerne um den Rubbenbruchsee in Osnabrück gehen und sie fragen, wie sie in so früher Kindheit zu so einem unbeirrbarem künstlerischen Ego gelangt ist und was Ihr die Kraft gab, dieses Level bis heute zu halten.


    artbild_250_KayRaySesselStefan Ludwig: Jemand nimmt eine überzeugende Menge Geld in die Hand und sagt zu Dir: Kay, ab nächste Woche ist es Zeit für Dein eigenes Format im Buch/Fernsehen/Radio/Podcast/Youtube-Channel... Welches Medium würde Dich reizen und warum?

    Kay Ray: Bei einem Buch stellt sich ja nicht die Frage des Geldes. Ich könnte es ja schreiben. Meine Thema wäre: „Geschichten aus dem OFF!“ (Bilder eines Lebensweges mit dunklen Umwegen). Ich habe viel erlebt. Die Ideensammlung ist noch nicht perfekt. Wenn es so weit ist, fange ich an. Auch ohne Geld. Ich würde gerne mit meiner Band auf Tour gehen. Ich bin gerne Gast in Talk- und Spielshows. Damit wäre Fernsehen, Radio und Youtube abgedeckt. Vielleicht ist es an der Zeit, ein eigenes Format zu entwickeln. So sehr ich jedes Medium als Entertainer liebe, bevorzuge ich jedoch nach wie vor einen Abend mit Band auf einer Bühne.


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    Redaktion: Stefan Ludwig  


    Bildnachweis:
    Kay Ray (Aufmacher textbild unten) Foto:
    Anne de Wolf
    Kay Ray (Textbild oben) Foto: Sinnlicht Fotografie  
    2016-07-29 | Nr. 91 | Weitere Artikel von: Stefan Ludwig