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  • Themen-Fokus :: Variete

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    Magisch, Mystisch, Kurios

     

    ... ging es im Apollo Varieté in Düsseldorf zu. André Eisermann (siehe Portrait) legte mit seinen bunten und kuriosen Kirmesgeschichten den Artisten einen roten Teppich aus. Der Serbe Biba Struja gilt als ein Phänomen – in seinen Händen konnte er Gegenstände mit Spannungen von über 20.000 Volt halten, ohne dadurch verletzt zu werden. Durch seinen Körper schien selbst Strom zu fließen, denn er brachte Neonröhren zum Leuchten und erhitzte kaltes Wasser allein mit seinen Fingern. Hugo Zamoratte wurde in San Miguel de Tucuman, Argentinien, geboren und war mehr als neun Jahre lang im argentinischen Gymnastik-Nationalteam. Dass er fast jeden seiner Knochen verbiegen kann, fand er durch Zufall bei einer Militärübung heraus, nachdem er sich die Arme ausgerenkt hatte. Mit seiner Beweglichkeit stellte er sich eine Darbietung als Klischnigg-Artist zusammen und „zwängt“ sich nun allabendlich wie ein Flaschengeist in eine durchsichtige Flasche. Der inzwischen 61-Jährige bekundet: „Ich liebe meine Arbeit und meine Flasche. Manchmal ist das Leben in der Flasche besser als außerhalb ...“. Empress Stah wirkte wie eine Diva, die in ihrer Luftakrobatik am Chandelier-Trapez Glamour und Drama zugleich inszenierte. Kraft und Können gepaart mit einer Ausstrahlung, die von spritziger Burlesken-Tänzerin bis hin zu geheimnisvoller Femme Fatal reichte, zeichnete ihre elegant-überraschende Darbietung aus, für die sie mit dem Jerwood Circus Award ausgezeichnet wurde. Jan Becker, Gedankenleser, Magier und Erzähler zugleich, entführte in die geheimnisvolle Welt der Gedanken und des Geistes. Er las in der Seele eines jeden Menschen und trieb so sein provokantes, aber zugleich faszinierendes Spiel mit dem Publikum. Ob Personen, an die man dachte, oder auch wie alt jemand wahr, selbst PIN-Zahlen von Kreditkarten blieben ihm nicht verborgen. Gunnar Erik bot Handstandequilibristik gepaart mit einer Portion Humor. Außergewöhnliche Technik und wunderbare Ironie prägten seine Darbietung, wobei der perfekt austrainierte Körper im Mittelpunkt stand. Schon auf vielen Festivals konnte er überzeugen, und er hält den Weltrekord im Handstand-Kellnern. So füllte er in einer ARD-Show in einer Minute und zwanzig Sekunden auf dem Kopf stehend und mit nur einem Arm balancierend zehn Gläser mit Wasser. The Beautiful Jewels ist eine von drei Schwertschluckerinnen weltweit, mit einer ungewöhnlichen Choreografie. Ob Schirm, Kleiderbügel oder 50 cm langes Schwert – alles ließ sie mühelos in ihrem Hals verschwinden und brachte es ebenso wieder hervor. Ihn zu beschreiben, hieße Eulen nach Athen tragen – Georg Schlick, der Grandseigneur der Ventriloquisten, bestach durch seine unnachahmliche Technik, Puppe und Mensch zum Sprechen zu bringen, ohne selber ein Wort sagen zu müssen. Er trat in den renommiertesten Häusern in aller Welt auf und unterhielt die Zuschauer im Apollo auch wieder mit Witz und Charme. Mit einem großen Finale endete die bunte Show, die André Eisermann auf seiner Schaubühne so trefflich in Szene zu setzen verstand.

    It’s „Showtime“, titelte das Varieté et cetera in Bochum. Mazoschek und Fachblatt, zwei wie Blech und Schwefel, Macho und Memme, kurzum, die kleinste Band der Welt, lonely husBand, mühten sich nach Kräften, den Abend musikalisch und pointenreich in den Griff zu bekommen, wären da nicht manchmal erfrischend herrliche Aussetzer, die dem Ganzen die Krone aufsetzen. Die erste artistische Krönung kam mit Caroline Hammer, die in ihrer Hula-Hoop-Darbietung schwungvolle und dynamische Elemente setzte und so einen feurigen Auftakt produzierte. Antipodenjonglage, grazil und elegant mit asiatischem Flair bot Wang Fei. Auf höchstem Niveau wurden Schirme und Teppiche in der Luft gehalten. Flasch & Fever ließen es temporeich angehen und versprühten viel Temperament und Feuer während ihrer Freistehenden-Leiter-Akrobatik. Einen Knaller nach dem nächsten erzeugten sie zudem mit ihrer komischen Tellerjonglage und hatten die Lacher auf ihrer Seite. Dany Daniels aus Portugal ließ sich mit südländischer Ausgelassenheit zu immer waghalsigeren Stunts in seiner Rola-Rola-Darbietung hinreißen und riss das Publikum vor Begeisterung gleich mit. Hoch unter dem Varietézelt schwebte Gulnara am Trapez und erzählte eine traumhafte Geschichte, in die sie schwierige Fall- und Hangkunststücke einbaute. Afrikanische Lebensfreude pur mit viel Spaß an der Akrobatik vermittelten die Zimbabwe Boys (vier Personen), die an der Vertikalstange mit ausgefallenen artistischen Tricks glänzten, bevor es zum großen Finale ging, in dem sich alle Künstler verabschiedeten.

    Die „Quatschköpfe“ wurden im GOP Varieté Essen losgelassen, und sowohl Stefan Linne als auch Herr Riesling ließen als Moderatoren des Abends keinen Quatsch aus, um ihre artistischen Kollegen zu präsentieren. Bei Ventriloquist Frank Rossi waren es mehr seine zum Leben erweckten Puppen, die quatschten, was das Zeug hielt, und somit witzige Dialoge zauberten. Rasanter Boxenstopp mit knalligen Kostümen – beim Duo Non Stop war keine Idee zu verrückt, um das Publikum mit einer Kombination aus Partnerakrobatik, Rola-Rola-Darbietung und Handstandkunst zu beeindrucken. „Get the shoes“ – die Kampfsportgeschichte zweier Jongleure, die gegenseitig die Keulen fliegen ließen – wurde zum effektvollen Duell zweier Kontrahenten hochstilisiert. Wie klaut man einen wertvollen Diamanten? Am besten so, wie es High Society (Meike Rupprecht und Annika Titze) in ihrer Trapez-Darbietung veranschaulichen, mit spektakulären Hängen und Fallern, sowie einem Hauch von Glamour. Amadeus (Florian Müller-Reißmann), der Punk unter den Jongleuren, wirbelte einfach rotzfrech mit Bällen um sich in seiner rasanten Balljonglage. Tango, Technik und Leidenschaft von Michele & Amelie verschmolzen zu einer einmaligen Handstandakrobatik-Darbietung, in der man das Knistern förmlich spüren konnte. Zum Finale hieß es dann von allen artistischen und wortgewandten „Quatschköpfen“ Abschied nehmen.

    Redaktion: Hartmut Höltgen-Calvero

     

    2008-06-15 | Nr. 59 | Weitere Artikel von: Hartmut Höltgen-Calvero