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    Magische Momente

    Zauberer Desimo hat wieder ein neues Stückchen Kult aus dem magischen Ärmel geschüttelt.

    Wie sonst sollte man es nennen, wenn eine frisch geborene Comedy-Reihe ihre Vorstellungen von Anfang an verdoppeln muss? Abend- wie Spätnachmittagsvorstellung immer ausverkauft sind? Desimo wollte Künstler, die ihm gefielen, mal nicht mit dem Erfolgszwang eines einmonatigen Varietéprogramms, sondern als lockeren Club präsentieren. Im schlicht-nostalgischen Ambiente des Lindener Apollo-Kinos - dem Startpunkt aller Cinemaxxe - zog er den Lindener Spezial-Cub auf, mit freundlicher Unterstützung des gleichnamigen einheimischen Gebräus. Immer am letzten Montag im Monat präsentiert er Überraschungsgäste: Kein Name wird bekannt gegeben, bevor der Künstler die Bühne betritt. “Jeder könnte Ihr Lieblingskünstler des Abends sein”, freute sich Desimo. Lokalmatador Dieter Wischmeyer und die großartige Käthe Lachmann sorgten im Oktober mit für einen fulminanten Start, im November glänzten neben Thielke vor allem The Art of Mouth aus Braunschweig mit mitreißenden HipHop-, Rock- und sonstigen Musikrhythmen, alles per Mund und Mikro erzeugt. Fünf Instrumente aus einem Mund - das ist schon was. Star des Abends aber war Gregor Mönter, perfekter Dilettant im Fummel aus Köln, eine der schönsten neuen Comedy-Nummern überhaupt. Ende Dezember verblüffte Bananenliebhaber Bernhard Wolff aus Hamburg das ausverkaufte Haus - einziger Rückwärtssprecher der Nation und superwitzig; doch auch die hannoverschen Newcomer Fischbrötchen 1 EURO (am 25., 26., 27. April im TanzTheater im Hof, Lister Meile 33) schlugen sich mit krud-witzigen Liedern erfolgversprechend.

    Apropos Nachwuchs: Radio ffn rief wieder zum Comedy-Award, der im vergangenen Jahr an Matthias Brodowy und Olaf Heyden ging. Diesmal wählte die Jury aus Lilo Wanders, Atze Schröder und Frank Bremser in der Kategorie ffn-Radiostar (5000 Euro) den Rheinland-Pfälzer Holger Müller, der als Ausbilder Schmidt mit “Morgen Ihr Luschen” sein anvertrautes Volk zusammenfaltet.  Als Newcomer machte Sebastian Schnoy aus Hamburg das Rennen um 2500 Euro, seine “schwere Kindheit” überzeugte die Jury ebenso wie sein “Computerexperte”; auch im ersten Spezial-Club hatte er schon einen begeisternden Auftritt.

    Ein neues Experiment wagte Bengt Kiene, sonst mit Kreisler- und schrägen Liedprogrammen unterwegs. In “Das Leben wird immer Herta” präsentierte er sich im Fummel - stattlich angesichts seiner Gestalt. Eine abgehalfterte Diva spielt er, die ein letztes großes Konzert daneben setzt. Einige starke Momente wie ein verloren-ratloser Mädchenblick, als sich der Scherbenhaufen nicht mehr leugnen lässt, machten bei der Premiere leider nicht die Macken des Programms wett: Kiene zieht in das Programm wie in die Schlacht, ist weder wirklich große Diva, noch gescheitert.

    Doch vielleicht ists bei ihm ja wie bei seinem ganz anderen Senior-Kollegen Dietrich Kittner. Bei Hannovers Haudegen werden die Programme oft umso schöner, je länger sie reifen. Sein Vorjahresprogramm hat endlich einen Titel: “Bürger hört die Skandale - Der Krieg der Tröpfe” und schwimmt fett im Satirespeck. Von “Schorsch Dabbelju”, dem “mit überwältigender Minderheit Gewählten” bis zu den Grünen, die Viagra fürs Rückgrat bräuchten und zum neuen Dilemma des Kabarettisten: “Da haben die in Berlin einen Panzer mit Rapsöl vorgeführt - da kannst du doch als Satiriker nur den Hut ziehen.” Gut des Hälfte des Programms ist neu, einen Zweitbesuch wert. Über 2000 Bühnenauftritte hat der Erzwortstreiter hingelegt; auch das von ihm gegründete Theater am Küchengarten feiert einen runden Geburtstag: Seit zehn Jahren steht es unter neuer Leitung von Nora und Horst Janzen. Vier Tage vom 6. bis 9. März findet dazu ein großer Programm-Marathon statt, nicht im tak selbst, sondern im Pavillon am Raschplatz. 24 Künstler sind angekündigt, darunter Matthias Brodowy, Achim Konejung, Urban Priol, Kalla Wefel, Gregor Lawatsch, Jess Jochimsen, Anka Zink, Heinrich Pachl - eine bombige Liste. Am 7. März macht sich das tak selbst Konkurrenz und verleiht den Gaul von Niedersachsen, seinen alljährlichen Kabarettpreis von 2.500 Euro, im Stammhaus am Küchengarten an Erwin Grosche. Noch mehr freuen wir uns nur auf eins: Das dritte A-cappella-Festival in Hannover vom 10. bis 18. Mai mit Spitzenensembles wie Chanticleer und Tapistry aus den USA, Banchieri Singers aus Ungarn und Cool and Jazzy aus Russland. Und natürlich auf den Sommer mit dem Kleinen Fest im Großen Garten.           

    Redaktion: Evelyn Beyer

     

    Termine im Überblick:

    TAK-Jubiläum im Pavillon am Raschplatz 6. bis 9. März jeweils 20 Uhr

    Highlights im tak: 21. bis 24. Mai Kalla Wefel: “Klingelt’s endlich?”, Premiere einer tak-Produktion

    7. März Verleihung des Gauls von Niedersachsen an Erwin Grosche, tak, 20.30 Uhr
    Alle Termine unter www.tak-hannover.de

    10. bis 18. Mai 3. A-cappella-Festival in Hannover; das gesamte Programm unter www.cesa-events.de.

    Langenhagen präsentiert im Theatersaal am 18.3. Herbert Knebels Affentheater, 20.3. Michchael Quast, 21.3. Günter Willumeit, 29.3. Ganz schön feist, 5.4. Mark Britton, 26.4. Die Kugelblitze; im daunstärs am 27.3. Rosa K. Wirtz, am 3.4. Luise Kinseher, alle jeweils um 20 Uhr, das gesamte Programm unter www.mimuse.de

    Die Werkstatt Galerie Calenberg zeigt am 1.3. Ingo Börchers, 8.3. Dorit Meyer, 13.3. Christoph Brüske, ein Newcomer aus Hannover, 21./22.3. Monica Arnó, am 29.3. den Altmeister des poetischen Kabaretts Helmut Ruge; jeweils 20.30 Uhr, das gesamte Programm unter www.wgc-theater.de.

     

    2003-03-15 | Nr. 38 | Weitere Artikel von: Evelyn Beyer