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    Mainz singt und lacht

    Die Sommerpause war lang, und so stand das 3sat-Zeltfestival im September für alle Kabarett-Freunde schon lange als Pflichttermin im Kalender. Zu Recht, auch beim diesjährigen, dem 21. Zeltfestival auf dem Mainzer Lerchenberg, gab sich alles, was Rang und Namen hat, die Klinke in die Hand. Eine bunte Mischung aus Kabarett, Comedy und Musik: vom Meister des Gesellschafts-Kabaretts Horst Schroth, der mit seinem Programm „Nur die Größe zählt“ im weißen Zelt gastierte, über den eigens ernannten Randbayern und Querdenker Urban Priol, der sich in seinem fünften Soloprogramm „Tür zu“ durch die Unwegsamkeiten alltäglicher Absurditäten kämpfte, bis hin zum Wahl-Berliner Musik-Kabarettisten Bodo Wartke, der mit seinem Programm „Noah war ein Archetyp“ Reimkultur in Bestform präsentierte, begeisterten die Künstler ein Publikum, das von nah und fern nach Mainz pilgerte. Insgesamt zwölf Veranstaltungen, allesamt ausverkauft. So auch der Auftritt des international gefeierten holländischen Musikkabarettisten Hans Liberg, der mit seinem neuen Programm "Die Neunte" einmal mehr seine Weltklasse bewies. Klassische Musik - für viele Musikliebhaber eine ernste, ja fast heilige Angelegenheit. Darf man sich über "ernste" Musik lustig machen? Für den holländischen Musikclown Hans Liberg stellte sich diese Frage nicht. Der diplomierte Musikwissenschaftler ist bekannt als ein Grenzgänger zwischen

    Kunst und Klamauk. "Der beste Beruf, den man als Musikwissenschaftler wählen kann, ist

    Komiker.", sagte der Entertainer einmal, der sich selbst gerne als "Sit-down-Comedian" bezeichnet.  Mit einzigartiger Geschwindigkeit verbindet Liberg auch in seinem neuen Programm, welches er wahlweise auf Deutsch, Niederländisch oder Englisch präsentiert, klassisches Musikkabarett mit Clownerie. Ob Beethoven, Mozart, Schubert, Liszt, Beatles, Rolling Stones, Elton John oder André Rieu und Helmut Lotti - keiner ist vor seinem Spott sicher. Millionen sahen das Festival später im Fernsehen. Im nunmehr 21. Jahr ist die Veranstaltungsreihe mehr als etabliert, entsprechend zufrieden sei 3sat als Veranstalter mit der Resonanz, meint Elke Frühling, Redakteurin beim Mainzer Sender. Etabliert ist in Mainz jedoch nicht nur das Zeltfestival. Das Mainzer Unterhaus gehört seit Jahren zu den renommiertesten Adressen Deutschlands, wenn’s um Comedy, Kabarett und Varieté geht. Eine Ehre für diejenigen, die hier mit ihrem Programm starten dürfen, wie der Frankfurter Vince Ebert.

    Ein neues Bühnenprogramm im Unterhaus präsentierte auch der Mainzer Kabarettist, Comedian und Musiker Tobias Mann. Mit „Man(n)tra – Der Sinn des Lebens in zwei Stunden“, dem nunmehr zweiten Bühnenprogramm des Frontmanns der A-capella-Kombo Aca&Pella, stürzt sich der Mainzer, seine autobiografischen Ausflüge in die Vergangenheit hinter sich lassend, voll und ganz auf das Hier und Jetzt, um dem alltäglichen Wahnsinn einen Sinn abzuringen – und sei es auch nur ein Unsinn. Mit seinem neuen Programm schwingt sich Mann zum Humor-Guru auf, zumindest für zwei Stunden. Mehr Zeit hat man heutzutage ohnehin nicht mehr, um seine Chakren zu kitzeln. So macht sich der Mainzer Allrounder auf die Suche nach dem gemeinsamen Mantra, der Formel für ein erfülltes Leben. Mit Mundwerk, Gitarre und Klavier im Anschlag zieht er dabei alle komödiantischen Register. Politik, Religion, Zeitgeist oder Alltäglichkeiten – ebenso wie seine Themen wechseln sich Stand-ups und hintersinnige Lieder ab, die in Kombination mit Manns unstillbarem Bewegungsdrang und seiner einzigartigen Mimik einmal mehr für einen unterhaltsamen Kabarettabend sorgen. Für Unterhaltung sorgen aber nicht nur Manns Soloprogramme. Auch die vom quirligen Mainzer initiierten Late-night-Comedy-Abende im Unterhaus sind mittlerweile etabliert und freuen sich über regen Zulauf.

    Über zunehmenden Zulauf freut sich auch die Showbühne Mainz, die als neue Spielstätte in der Wahrnehmung angekommen ist. 2006 unter der Leitung von Sebastian W. Wagner neu eröffnet, bietet sie im Herzen der Landeshauptstadt ein abwechslungsreiches Programm aus Varieté, Revue, Stand-ups und Musik mit einer gelungenen Mischung aus national und regional bekannten Künstlern und ansprechenden Eigenproduktionen, wie die von Wagner selbst geschriebene Revue „Der Mensch und andere Katastrophen“. In der Satire mit Alexandra Edinger, Jule Pater und Sebastian André Rech geht es in einem szenischen Abriss durch die Entwicklungsgeschichte des Menschen von der Steinzeit über das römische Reich bis hin in die Moderne. Trotz des erfolgreichen Starts der neuen Eigenproduktion sieht Wagner die Situation in Mainz realistisch: „Es ist schwierig, mit einem neuen Theater Fuß zu fassen“. Nach nunmehr eineinhalb Jahren am Markt habe man sich mittlerweile aber ein treues Publikum erspielt, das immer weiter wachse. Nicht unwesentlich seien dabei die Freunde und freiwilligen Helfer, die die Bühne seit der Neueröffnung unterstützen. Konzeptionell werde man auch in den kommenden Spielzeiten vermehrt Eigenproduktionen lancieren. Vor Weihnachten kommt die im vergangenen Jahr entstandene Produktion „Christmas Inc. – Die Weihnachts-AG“ wieder zurück auf die Bühne und auch „Der Mensch und andere Katastrophen“ soll nach dem erfolgreichen Start dann im kommenden Jahr wieder auf dem Spielplan stehen. Zudem werde es eine weitere satirische Revue geben, kündigt der Leiter der Showbühne an.

    Verglichen mit Mainz ist es in der hessischen Landeshauptstadt zumindest im Moment fast ruhig, das Pariser Hoftheater und das Thalhaus mal ausgenommen, wo nach wie vor ein hochkarätiges Programm seine Zuschauer findet. Nachdem im November 2006 der European Youth Circus für ordentlich Wirbel in der hessischen Landeshauptstadt gesorgt hatte, hätte in diesem Jahr eigentlich das Europäische Kolloquium zur Circuskultur stattfinden sollen. Für die Tagung, die Anfang November geplant war, gab es aus dem Kreis der Teilnehmer und der Referenten zahlreiche unerwartete Absagen, sodass eine adäquate Durchführung nicht möglich gewesen wäre. Das Thema „Trends und Entwicklungen“ habe jedoch in der Fachwelt großes Interesse hervorgerufen, erklärt Frank Zammert vom Veranstalter, dem Wiesbadener Kulturamt. Daher sei geplant, dieses Thema während des Artistik-Festivals European Youth Circus 2008 in einer Tagung zu behandeln, die in Zusammenarbeit mit der European Circus Association (ECA) durchgeführt werden soll. Das Festival werde somit um einen interessanten Programmpunkt bereichert und biete neben den artistischen Beiträgen ein weiteres Podium zum intensiven fachlichen Austausch. Wir dürfen also gespannt sein, was das kommende Jahr bringen wird. Bis dahin viele Grüße aus dem verschlafenen Wiesbaden wünscht

    Redaktion: Michael Smith

     

    2007-12-15 | Nr. 57 |