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  • Themen-Fokus :: Clown | Mime

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    Mime, Pantomime, Körpertheater



    Beim Wort „Pantomime“ erscheint den meisten Menschen sogleich das Bild des Marcel Marceau vor dem inneren Auge. Pantomime wird mit der Figur des Bip, mit den marceauschen Etüden, weißen Gesichtern, dem Bespielen einer unsichtbaren Umwelt und dem Bewegen imaginärer Gegenstände in Verbindung gebracht. Wenn auch Einigkeit darin besteht, dass diese Art der körperlichen Beherrschung eine hohe Kunst ist, zieht die von Marceau geprägte Richtung des Körpertheaters ohne jegliche Hilfsmittel wie Sprache, Kulisse, Kostüm, Licht oder Musik leider nicht gerade viel Publikum an, gilt teilweise sogar als etwas verstaubt.

    Dennoch lassen sich viele junge Künstler in der Pantomime ausbilden. Die Ausbildungen sind sehr unterschiedlich strukturiert. Betont die eine mehr die tänzerische Virtuosität, so beschäftigt sich die nächste mehr mit dem Finden des inneren Clowns und der Komik oder mit dem Bewegen und Beleben ganz realer Gegenstände, wo die Übergänge zum Objekt- und Puppentheater zu finden sind. Wie nutzen Pantomimen ihr Handwerk? Welche Richtungen haben sich im Bereich des Körpertheaters herausgebildet? Wie gestaltet sich der Werdegang einzelner Pantomimen?

    An dieser Stelle möchte ich drei Projekte von in der Pantomime ausgebildeten Künstlern vorstellen:

    Einen sehr klassischen Weg beschreitet das Duo Theatre Mimo Magique mit Alexander Neander und Wolfram von Bodecker. Beide erlernten ihr Handwerk bei Marceau selbst, namentlich auf der Ecole Internationale de Mimodrame de Paris, Marcel Marceau. Neander ist seither Marceaus persönlicher Assistent bei dessen Soli und von Bodecker sein tricktechnischer Berater. Zudem spielen beide auf weltweiten Tourneen im marceauschen Mimenensemble Nouvelle Compagnie de Mimodrame Marcel Marceau. 1996 begann ihre Zusammenarbeit als Duo mit dem Pantomimenabend „!Silence!“ auf einem Luxusliner. Mit „!Silence!“ erhielt Mimo Magique 1999 den Publikumspreis des ersten Theaterfestes der Pantomime in Berlin.

    Die zwei Pantomimen sind Schöpfer eines neuen Genres, des Visuellen Konzerts. Sie verbinden klassische Musik mit Pantomime und feiern damit große Erfolge. Inzwischen haben sie vier visuelle Konzerte entwickelt, unter anderem in Zusammenarbeit mit Philip Glass, dem Arditti-Quartett-London, dem Stuttgarter Kammerorchester. Sie spielen von Venezuela bis China, spielen auf kleinen Bühnen, wie dem Hackeschen Hoftheater, Berlin – übrigens einer vorzüglichen Adresse für gestisches Theater – sowie in großen Häusern, wie der Semperoper in Dresden.

    Am 15. Januar 2005 hatte „Bonjour Monsieur Satie“ Premiere, ein visuelles Konzert für Kinder ab 6 Jahren.

    Die Kinder erhalten die Gelegenheit, sich auf eine kleine Reise nach Paris zu Monsieur Satie zu begeben, einer der sonderbarsten Gestalten und zugleich bedeutsamsten Komponisten der europäischen Musikgeschichte, und ihn einen ganzen Tag lang zu begleiten.

    Am 15. März 2005 startete Wolfram von Bodecker sein Soloprogramm „Ildebrando Biribo – der Souffleur“, eine Tragikomödie von Emmanuel Vacca.

    Ildebrando Biribo ist Souffleur der Welturaufführung von „Cyrano de Bergerac“ am 28. Dezember 1897. Am Ende der Vorstellung im Pariser Théâtre de la Porte St. Martin findet man ihn tot in seinem Souffleurkasten. Der „große Manitu“ erlaubt dem toten Biribo, für eine Stunde zurück auf die Erde zu kommen, um unwiderruflich die Bilanz seines ereignisreichen Theaterlebens ziehen zu können.

     

    Termine

    18.–28. Mai 2005, Hackesches Hoftheater, Berlin
    „Ildebrando Biribo – der Souffleur“

    16., 23., 24. April 2005, Konzerthaus, Berlin
    „Bonjour Monsieur Satie“ 

    29. April 2005, Dreikönigskirche, Dresden
    „Visuelles Konzert“

    10. September 2005, Heilig Kreuz Kirche, Frankfurt/ Oder

    3. Juli, 4. Dezember 2005, Schloss Schonfeld
    „!Silence!“

     

    Adressen:

    www.visual-theater.com
    www.marceau.org
    www.hackesches-hoftheater.de

    Wunder vollbringt die Familie Flöz. Das Ensemble um Regisseur Michael Vogel hat sich dem Maskenspiel verschrieben, der Königsdisziplin der Pantomime. Beim Spiel mit der Maske verzichtet der Darsteller naturgemäß auf die Mimik seines Gesichts und drückt sich einzig über Körperhaltungen und Aktionen aus.

    Den Spielern und Spielerinnen der Familie Flöz gelingt es in jedem ihrer Stücke, die Zuschauer auf eine poetische Reise mitzunehmen. Voller Mitgefühl und Humor zeigen sie die Gefühle, Wünsche, Macken und Bosheiten ihrer Figuren. Jede Bewegung scheint millimetergenau und perfekt getimed. Mit einfachen Gegenständen zaubern sie rhythmische Feuerwerke.

    In „Ristorante Immortale“ geht es um Leben und Leiden der Belegschaft eines schlecht besuchten Restaurants.

    „Theatro Delusio“ zeigt die Kehrseite des Theaters: Im Backstage-Bereich eines großen Theaters, genau hinter der Bühne, spielen sich wortlos Dramen, Liebesgeschichten, Machtkämpfe und Träume ab. Das Getümmel all der vielen Charaktere wird von nur drei Mimen gespielt. Unglaublich!

    Die meisten Mitglieder der Familie Flöz haben ihre pantomimische Ausbildung an der Folkwang-Hochschule in Essen oder an der Internationalen Theaterschule Jaques Lecoq in Paris genossen. Das Ensemble hat 16 Mitglieder, gerade werden weitere Mitspieler gesucht.

    Ende April spielte Familie Flöz ihr Stück „Ristorante Immortale“ auf dem Harare International Arts Festival in Zimbabwe. Spätere Tourneen in diesem Jahr führen sie nach Singapur, Israel und Irland. Schließlich sind die Masken überall zu verstehen. In Deutschland sind sie wieder am 17. und 18. Juni 2005 in der Arena Berlin auf dem Intern. VOLKStheaterFEST „schön & gut“.

    Auf seine ganz eigene Art und Weise nutzt Georg Weisfeld sein pantomimisches Können.

    Nach seiner Pantomimenausbildung auf der „Etage – Schule für die darstellenden Künste“ arbeitete er einige Jahre in verschiedenen Mime-Gruppen wie den Modern Mimes und der Berlin Mime Company.

    Zusammen mit dem ebenfalls an der Etage ausgebildeten Boris Friese zeigt er als Duo Whitefield & Fritzi Zauber-Comedy-Nummern.

    Seit 1998 spielt er Improvisationstheater, seit 2002 bei Paternoster, Berlin, wo er auf Zuruf blitzschnell das Gewünschte in komische und anrührende Szenen umsetzt.

    Auf dieser Grundlage wuchs sein erstes Soloprogramm heran. Weisfeld baut pantomimische Techniken in hervorragende Stand-up-Comedy ein. Im Gegensatz zu vielen Comedians hat er die Fähigkeit, seine Geschichten sehr bildreich zu spielen, statt nur von ihnen zu erzählen – man sieht präzise gespielte Figuren und eine mittels Pantomime sichtbare Umwelt. Er schafft es, einen Comic auf die Bühne zu bringen.

    So fiebert man mit, als die Hand eines amerikanischen Jugendlichen polizeilich aus einem Getränkeautomaten gerettet werden muss und amüsiert sich köstlich bei einem Ausflug von Monster Godzilla.

    Er lässt zu, dass das Publikum seinen Figuren beim Denken und Fühlen zusehen kann.

    Das hat ihm den 4. Platz beim Bielefelder Kabarettpreis eingebracht. In vielen Nummern agiert er – ganz Pantomime – ohne ein einziges Wort.

    Dass er auch im Bereich der Worte ein Händchen für gute Gags hat, zeigt er auf der „Überflüssigen Lesebühne“, wo er dienstäglich eigene Texte vorliest. Absolut sehens- und hörenswert! – Zu sehen ist er jeden Mittwoch in der Kulturbrauerei Berlin, jeden Freitag im Bühnenrausch Berlin und jeden Dienstag im Privatclub Berlin.

    Redaktion: Kassandra Knebel

     

    2005-06-15 | Nr. 47 | Weitere Artikel von: Kassandra Knebel