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    Perfekte Spannungsbögen - Festivallaune in Heidelberg

    Bei der ersten Carambolage Kleinkunstwoche am Karlstorbahnhof in Heidelberg (17.-25.01.) ist es gelungen einen Spannungsbogen zwischen Improvisation und Perfektion aufzubauen und am Ende gar zu steigern. Dass gerade Improvisation gleich am ersten Abend ein junges Publikum zahlreich in den Kulturbahnhof strömen ließ, war die Überraschung des Festivals. Bei der Künstlerolympiade Art Sport am 17.01 traten Schauspieler, Maler, Dichter und Musiker in vier Teams auf Zuruf eines engagierten Publikums gegeneinander an. Annika Krump entwickelte am 18.01 mit morbid lasziven Wiener Liedern und von Christine Reumschüssel einfühlsam am Piano begleitet eine Intensität, die Luft vibrieren ließ. Der schwarz umrahmte Augenaufschlag, mit dem Krump das Publikum kalt wie ein Reptil ins Visier nahm, könnte die Verheißung auf eine große Chanson Karriere sein.  Frl. Wommy WonderAls Meister des Stand- Up-Kabaretts glänzte im Anschluss Klaus Birk, bekannt als bissiger Satiriker der SWR Landesschau mit einer harmlos anmutenden Episode Stuttgarter Lokalpolitik, die in einer Lawine unvorhersehbarer Ereignisse eskalierte und bei Adam und Eva im Paradies aufschlug. Am 19.01 beging Newcomer Lothar Lempp bei seiner Objekt Comedy „Sachen suchen“ aufgrund eines defekten Mikrofons spontan und kurzerhand Harakiri mit einer Plastikwasserflasche bevor Jess Jochimsen mit Lesung, Musik, Diashow und drastischen Figuren wie dem Frosch sein "Dosenmilchtrauma" in Szene setzte. Jochimsens Show war Pop und für die "Generation Golf" ein emotionales Déjà-vu. Beim Impro-Match am 21.01 traten die Theatertruppen Drama Light und Theaterdelikt gegeneinander an und glänzten in einer Stehgreif Oper, bei der die Schauspieler auch durch Gesang überzeugten. Als Stargast mit bissig schwarzem Humor und seinen mit tänzerischer Leichtigkeit vorgeführten Satiren streute Mark Britton am 23.01 Salz auf die Haut des Publikums. Zauberer Ken Bardowicks verwirrte am 24.01 mit seinem rhetorisch ausgefeilten Vortrag "wie werde ich erfolgreich?" und einem Charme zwischen zerstreutem Professor und Lausbub, die Wahrnehmung mit verblüffenden Effekten. Antipoden wie Arthur Senkrecht, der am 22.01 in der klassischen Rolle des tragischen Verlierers zu sehen war, und der schriller Szene Comedian Jess Jochimsen sorgten im Verlauf des Festivals für Kontraste, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurden. Die Varieté Gala am 25.01 schließlich krönte die Kleinkunstwoche. Clownin Rosemie Warth legte dem Publikum als Moderatorin bescheiden die Kunst der Kollegen wärmstens ans Herz und überraschte mit gewagten Kapriolen. Leuchtende Bahnen, zu Techno-Rhythmen gekonnt auf den Punkt gespielt, malten die fluoreszierenden Bälle und Keulen von Jongleurmeister Hannes Kannes in den abgedunkelten Bühnenhimmel. Unter der Lupe von Zauberer Jorgos Katsaros entwickelten kleine Gegenstände wahre Größe und zur Verblüffung des Publikums wandelte sich der Zaubermeister selbst vom Zwerg zum Riesen. Ein Genuß für die Sinne war die Reifenakrobatik von Tigris, die Körperbeherrschung, Kraft und Grazie in Perfektion verband. Mit seiner ungewöhnlich inszenierten Diabolo-Jonglage sorgte Axel S. für Tempo und staunende Augen. Das Trapezduo Unisono bot nicht nur schwerelos anmutende Akrobatik über den Köpfen des Publikums, sondern erzählte ganz nebenbei die poetische Geschichte der leichtfüßigen Begegnung zweier Kobolde. Tosender Applaus und das Lächeln der Artisten beim großen Finale waren deutliche Zeichen für den Erfolg dieser Varieté Premiere in Heidelberg und zugleich Aufforderung an Dagmar Fiedler und Matthias Paul, auch 2004 eine Carambolage Kleinkunstwoche zu veranstalten.

    Mittlerweile zum dritten mal lud das Heidelberger Kulturfenster e.V. zum neuen deutschen Chanson Fest Schöner Lügen (07.02.-15.03.), das dieses Jahr ganz im Zeichen des Jubiläums „20 Jahre Kulturfenster“ stand. "Musik ist die einzige Sprache, in der man nicht lügen kann", hat Yehudi Menuhin einmal gesagt und wer am 07.02. Jo van Nelsen gesehen hat, möchte ergänzen, wenn es das deutsche Chanson nicht gäbe. Van Nelsen kredenzte, von Sabine Fischmann mit Piano und Stimme begleitet, in "Wir richten scharf und herzlich!" wenige, aber erlesene Chansonraritäten aus 100 Jahren, mit Anekdoten und Hintergrundwissen üppig garniert. Hätte van Nelsen nicht so eloquent geplaudert, wären die Nuancen, die kein Zeitgeist mit aufs Notenblatt schreiben kann, längst vergessen. So gelingt es, den historischen Augenblick, dem die Lieder entwachsen sind, auf der Bühne gleich einer Schmetterlingssammlung zu konservieren. Van Nelsen lieferte damit das perfekte Hintergrundwissen und einen gelungenen Einstieg für ein Chansonfest mit scharf gewählten Kontrasten und Künstlern wie: Manfred Mauerbrecher, der Chansonniere Madeleine Sauveur, der Berliner Band Zimtfisch, dem Heidenröslein besingenden Bodo Wartke, dem Sänger Masen mit Pop-Chanson-Bossa, den Lokalmatadoren Jutta Glaser und Erwin Ditzner, der Diva Tim Fischer, Tina Teubner, Bettina Wegner und Henk Flemming mit Combo.

             Zeitgenössisches Grenzgängertum zwischen Chanson und Rock wurde von der Berliner Band Zimtfisch repräsentiert. Barbeat-Chanson nennen Jakob Dobers, Pianist Florian Grupp und Schlagzeuger Jakob Fischer ihre Nische. Am 16.02. präsentierten sie ihre im Februar erschienene CD "Klettern" im Rahmen von Schöner Lügen. Als Ohrschmeichler mit musikalischem Tiefgang plätschern die Melodien daher. Dahin gehaucht wirken Dobers poetisch ausufernde Texte, die den Augenblick zugleich feiern und vergessen machen. Die Chansons von Zimtfisch sind kleine Fluchten aus dem Alltag, die ein Barbesucher normalerweise in alkoholischen Getränken sucht.

    Mit seinem aktuellen Programm "Walzerdelirium" war Tim Fischer am 06.03. als absoluter Höhepunkt in der ausverkauften Klingenteichhalle zu Gast bei Schöner Lügen. Fischer entfaltet sein Charisma entlang von Brüchen. Man kann die Augen nicht mehr lassen von der Diva mit den lustigen Ohren, dem Knaben mit der weiblichen Sinnlichkeit. Fischer inszeniert sich virtuos, inspiriert und irritiert die Wahrnehmung beständig. Umrahmt von seinen in schwarzen Frackschößen aufspielenden Musikern Thomas Dörschel am Flügel, Daniel Tummes am Schlagzeug, Lars Burger am Bass und Hans Jehle an der Geige wurde der Paradiesvogel Fischer in musikalischer Hinsicht perfekt behütetet. Mit "was willste denn in Wien?" und "der fette Elvis", huldigte Fischer, jenseits von Dreivierteltakt, Meistern des zeitgenössischen deutschen Chansons, wie Thomas Pigor und Benedikt Eichhorn. Ob Freddy Mercurys Rock-Hymne "We are the champions" einer Interpretation durch Tim Fischer bedarf, sei dahingestellt. Wundervoll hingegen Fischers im Bademantel getanzte Zugabe "Merci Chérie" und sein ins Mikrophon gehauchtes "Moon River".

    Ein Chanson Workshop unter der Leitung von Liedermacher und Komiker Bernhard Bentgens machte dem Ruf des Kulturfenster e.V. als Mitmach-Kulturhaus alle Ehre. Am15.03. ging Schöner Lügen mit einem Abschlussfest unter dem Motto "Tanz das Chanson" und einer Aufführung der Workshop Teilnehmer zu Ende und wartet auf eine Neuauflage in 2004.

    Redaktion: Sibylle Zerr


    Termine

    11.05. Mannheim, Rosengarten, „Thank You for the Music“, Premiere, Musik Revue

    13.05. Heidelberg, Karlstorbahnhof,  Bodo Bach, Telefon-Comedy

    16.05.Mannheim, Capitol, Bülent Ceylan, Comedy

    16.05. Heidelberg, Karlstorbahnhof, Wise Guys, A-capella-Chor

    17.05. Mannheim, Schatzkistl, Spitz & Stumpf,  „De Deiwel will´s!“, Kabarett

    18.05.Mannheim, Capitol, Vanessa Backes, Comedy

    21.05. Heidelberg, Karlstorbahnhof, „Bukowski ist tot“, Bar-Revue von und mit Marie Gruber, Michael Kiessling und Co.

    22.05. Heidelberg, Karlstorbahnhof, Malediva – leuchtet, Chanson-Kabarett

    22.05. Mannheim, Schatzkistl, The Forgetables, Songs auf Zuruf

    23.05. Mannheim, Schatzkistl, Madeleine Sauveur, „Wunschkind + Wunschkonzert“

    25.05. Mannheim, Schatzkistl, „Herzflattern und Ohrensausen“, Musik-Revue

    29.05. Mannheim, Schatzkistl, „Bei Auftritt Mord“, musikalische Satire

    30.05. Mannheim, Schatzkistl, Cabaret Deluxe, Travestie-Show

    31.05. Mannheim, Capitol, Christian Habekost, Kabarett

    02.06. Heidelberg, Theater der Stadt, 77. Zungenschlag

    02.-06.06. Mannheim, Klapsmühl, Christian Habekost, „Der Wellnässer", Premiere

    06.06. Mannheim, Schatzkistl, Roswitha Goos u.Stefanie Titus, Couplets, Chansons und Texte der 20er und 30er Jahre

    16.06. Heidelberg, Karlstorbahnhof, satirische Lesung der Titanic-Redaktion

    19.07. Heidelberg, Karlstorbahnhof, D’Accord , A-capella

    26.08. Walldorf, Zeltspektakel, Eröffnungsabend mit Bülent Ceylan

    25.09. Heidelberg, Karlstorbahnhof, Podewitz, „Greatest Witz“

    AdNr:1082 

    2003-06-15 | Nr. 39 | Weitere Artikel von: Sibylle Zerr