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  • Themen-Fokus :: Zauberkunst

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    Programme, Galas, Bücher

    Ja, so kann es gehen. Da rege ich mich in der letzten Ausgabe noch über die Probleme des deutschen Fernsehens mit der Illusionskunst auf und gleich anschließend werden wir mit Zaubersendungen geradezu überhäuft. Allerdings muss ich nur in einem Punkt die beim letzten Mal bezogenen Positionen räumen: Es gab gleich zwei Sendungen („Stars in der Manege„ und „Grand Cabaret„) in denen Scott, the Magician & Miss Muriel richtig gut aufgenommen wurden. Das hatten Sie wirklich verdient! Falls Sie Stars in der Manege gesehen haben, ist Ihnen vielleicht auch aufgefallen, wem Muriel da – nach Ihrem Wiedererscheinen im Publikum - um den Hals gefallen ist. Es war niemand anders als Marvelli, der immer noch an der Herausgabe seiner früheren Fernsehsendungen als Video arbeitet, so dass ich Ihnen darüber heute immer noch nichts berichten kann. Aber es gibt diesmal so viel zu erzählen:

    Da wäre zunächst einmal das neue Programm von Anam Cara mit dem schönen Titel „Backstage". Ich konnte es im Thalhaus-Theater in Wiesbaden  erleben – bis dahin ihre nördlichste Station! – und halte es für einen großen Fortschritt gegenüber ihrem letzten Programm. Diesmal ist die Situation und die Story wirklich klar und durchgehalten. Das Bühnenbild ist die Garderobe der Beiden und die Zuschauer können sie bei den Vorbereitungen auf ihren Auftritt und den Gesprächen danach beobachten. Die Pause ist der Auftritt im Stück! Eine herrliche Idee. So erlebt man die Entwicklung neuer Nummern „live" mit, ein Brainstorming wird sofort in die Tat umgesetzt und selbst ein Traum beim Schläfchen nach der Vorstellung wird zauberhaft dargestellt. So viel ist wahrscheinlich noch nie in einer Garderobe gezaubert worden! Prädikat: Sehr empfehlenswert.

    Vorher konnte ich noch – endlich – bei den Westdeutschen Meisterschaften in Dreieich  das Think Theater erleben. Hierbei handelt es sich um das Programm von Eckart von Hirschhausen, Bernhard Wolf, Felix Gaudo, Andy, the Enterbrainer und Kai Eickermann. Grundidee ist es, das Denken zum Thema eines abendfüllenden (Zauber-) Programms zu machen. Es ist unmöglich, hier auch nur annährend alle Ideen zu beschreiben, die in dieser äußerst originellen Produktion umgesetzt wurden, aber hier wurde eine witzige Idee in einer Form realisiert, wie es das bisher noch nicht gegeben hat. Prädikat: Tolles Infotainment.

    Aber es gibt nicht nur Positives zu berichten: So konnte ich auch Topas und Roxanne im Apollo-Varieté Düsseldorf sehen und dort bestätigten sich Befürchtungen, die ich bei beiden Nummern schon lange hatte: Sie wirken bei Laien lange nicht so stark wie auf Zauberkongressen. Bisher hatte ich beide Darbietungen nur vor Zauberpublikum gesehen und mich oft gefragt, wie „normale" Zuschauer wohl darauf reagieren würden und deren Reaktionen waren eben eher freundlich zustimmend als begeistert. Für mehrfach preisgekrönte Nummern ist das einfach zu wenig, aber vielleicht liegt sowas in der Natur der Zauberwettbewerbe.

    Dafür gab es aber ein sehr schönes Weihnachtsvarieté in der Blauen Biwel in Koblenz mit Oguz Engin, den ich ebenfalls noch nie vor einem Laienpublikum gesehen hatte. Bei ihm ist es fast umgekehrt: Seine klassischen Sprechnummern, die er überaus charmant verkauft, kommen bei Zauberern oft nicht so gut an, weil sie darin leider nur alte Hüte sehen können und deshalb oft eine originelle  Präsentation gar nicht würdigen können. In der Blauen Biwel dagegen kam Oguz gerade deshalb sehr gut an. Seine Manipulationsnummer dagegen, bei der er einen Flamencotänzer spielt und seine Requisiten einem Gitarrenkoffer entnimmt, scheint bei jedem Publikum anzukommen.

    Eine Aufführung des Weihnachtsvarietés überschnitt sich mit dem 3. Koblenzer Zauberfestival, das mit einem Kinderzaubertheaterstück von Martin Mathias am Nachmittag und einer Gala mit sechs Künstlern aus vier Ländern wieder ein großer Erfolg war. 2200,- DM konnten in den Rechtshilfefonds für asylsuchende Ausländer anschließend eingezahlt werden. Unumstrittener Star der Gala war -  wie schon beim ersten Festival - Juri Obrezkov.

    Ein Erlebins der ganz besonderen Art wurde mir dann noch zum Jahresausklang zuteil. Dirk Losander hatte eine Gala mit Stars wie Salvano, Bert Garden, Fred Roby und Shimada in Gehlert organisiert. Wo das liegt? Gehlert liegt ungefähr zwei Kilometer von Hachenburg im Westerwald entfernt und der dortige Sportverein hatte 50-jähriges Jubiläum. Auftritte dieser Art gehören wohl zu unser aller täglich Brot, aber ein solches Aufgebot an Weltstars in einem Dorfgemeinschaftshaus hatte ich noch nicht erlebt. Aber es funktionierte, alle halfen mit, die notwendige Technik bereitzustellen, der Saal war voll und die Freiwillige Feuerwehr streute Salz gegen das gerade aufkommende Glatteis und winkte die sehr zahlreichen Besucher auf den geräumten Parkplatz. Nicht nur das Programm, sondern auch dieser Service hätte jeder Großstadt zur Ehre gereicht!

    Über zwei Neuerscheinungen zur Geschichte der Illusionskunst muss ich in aller Kürze noch etwas sagen, denn Wittus Witt hat mit seinem Buch „Werry, Ein Leben rund um die ‚Magische' Welt" seinem Vorgänger bei der Herausgabe der Fachzeitschrift „Magische Welt" ein kleines Denkmal gesetzt. Auf 232 Seiten findet der Leser zahlreiche bisher unveröffentlichte Fotos, Texte über und von Werner Geissler-Werry und sogar einen Master-Index der 49 Jahrgänge, die Werry selbst herausbringen konnte. Er starb im Juni 2000. Und zum Ende des Döbler-Jahres 2001 erschien eine Biographie von Werner H.A. Debler (ein Nachfahr des berühmten Wiener Zauberers) mit dem schönen Titel „Leopold Ludwig Döbler 1801-1864, Wiener Hoftaschenspieler und Zauberprofessor aus einem alten Schwäbisch Gemünder Geschlecht" in der Edition Volker Huber.

    Gerade über neue Bücher zum Thema Zauberkunst hätte ich noch mehr zu berichten, aber das muss ich wohl auf das nächste Mal verschieben, denn zum einen habe ich mein Zeichenkontingent schon ausgeschöpft und zum anderen muss ich dafür erst noch selbst etwas lesen...

    Redaktion: Andreas Michel-Andino

     

    2002-03-15 | Nr. 34 | Weitere Artikel von: Andreas Michel-Andino