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  • Themen-Fokus :: Puppenspiel

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    Phantasie, Innovation, Provokation - Figurentheater ist weit mehr als Kinderunterhaltung!

    Mit einem Bericht über ein außergewöhnliches Puppenspielfestival möchte ich die neue Trottoir-Redaktion "Puppenspiel" starten, in der ich auch versuchen werde, Lust zu machen auf eine spannende und sehr vielseitige Theaterform:

     Ellen UrbanVom 24. Juni bis 2 Juli 2000 fand in Magdeburg das Weltfestival des Puppentheaters UNIMA 2000 statt. Ein wirklich einzigartiges Festival, das die unglaubliche Vielfalt dieser Kunstform ideal widerspiegelt, handelt es sich schließlich bei der UNIMA (Union Internationale de la Marionette) um eine Puppentheaterorganisation mit Mitgliedsbühnen und nationalen Zentren in 75 Staaten.

    Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Johannes Rau, der zum feierlichen Eröffnungsabend im Magdeburger Dom geladen war und das Festival eröffnete.

    Puppenspiel aus dem Vollen:

    71 Figurentheater aus 5 Kontinenten, über 200 Vorstellungen, das sind ca. 15000 Minuten Puppentheater und alles in einer Stadt: Magdeburg.

    Zu den Eröffnungsveranstaltungen am ersten Tag zählte die Aufführung "Faust - Eine Höllenfahrt in 13 Bildern", aufgeführt von Studenten der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" und Puppenspielern des  Puppentheaters der Stadt Halle, so rasant und respektlos inszeniert von Claudia Bauer (derzeit Leiterin des Theaterhauses Jena), dass diese Produktion inzwischen auf internationalen Festivals für Furore sorgte.

    Es waren auf dem UNIMA 2000 Festival nahezu alle Varianten der Puppenspielkunst zu sehen, neben zahlreichen Mischformen "Puppenspiel und Mensch" auch klassisches Marionettentheater unter anderem vom gerade aus Hongkong zurückgekehrten Prof. Roser aus Stuttgart, Schattenspielkunst zum Beispiel eine Produktion der Guangy Schattenspielgruppe aus China, das Stuffed Puppet Theatre aus den Niederlanden und viele, viele weitere Bühnen.

    Neben den zahlreichen Vorstellungen, über das Programm wurde vorbildlich auch im Internet informiert, (UNIMA 2000 Website http://www.unima2000.de), gab es auch interessante Ausstellungen zu sehen. Eine dieser Ausstellungen erschien mir besonders eindrucksvoll, sie wurde im etwas abgelegenen Magdeburger Technik-Museum gezeigt: "Frontpuppentheater. Puppenspieler im Kriegsgeschehen". Das Puppentheatermuseum Berlin zeigte auf Initiative des Verbandes Deutsche Puppentheater und in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Neukölln eine Ausstellung zum Puppenspiel an den Fronten der Kriege des Jahrhunderts. Mit Leihgaben aus Russland, Deutschland, Belgien, England ist eine eindrucksvolle Exposition entstanden, die erstmals umfassend den propagandistischen Einsatz des Puppenspiels an den Fronten der Weltkriege und der sogenannten Heimatfront in Deutschland thematisiert. Puppen in ihrer Reduktion aufs Wesentliche konnten zum Propagandainstrument werden, für die Nationalsozialisten ebenso wie für die "andere Seite", die Russen, Polen, Tschechen, Engländer. Es handelt sich hierbei um eine Wanderausstellung, die immer mal wieder bei passenden Gelegenheiten zu sehen ist, man kann sie natürlich auch buchen.

    Infos unter: Puppenmuseum Berlin, Karl-Marx.Str. 135, 12043 Berlin

    Alles in allem war das UNIMA2000 Festival eine gelungene Veranstaltung, und auch die Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen und alte Freundschaften zu pflegen kam nicht zu kurz.

    So konnte ich zum Beispiel eine eMail-Brieffreundin aus Brasilien wieder einmal treffen, die als Delegationsmitglied der UNIMA Brasilien anreiste und sich in Magdeburg durch zahlreiche Vorstellungen "arbeiten" musste. Ein Freund aus Charleville-Mézières machte mich schon neugierig auf das nächste große internationale Festival, das alle zwei Jahre in seiner Heimatstadt veranstaltet wird, dieses Jahr vom 15.09. - 24.09.2000. Sollten wir uns in Magdeburg nicht getroffen haben, vielleicht sehen wir uns ja dann in Frankreich...

    Etwas kleiner als in Frankreich oder in Magdeburg, aber sicher einen Besuch wert, das 3. Figurentheater-Festival in den Mainzer Kammerspielen - 10. - 24. September 2000:Phantasie, Innovation, Provokation - Figurentheater ist weit mehr als Kinderunterhaltung! Zum dritten Mal schon tanzen in den Mainzer Kammerspielen im September die Puppen. Das Programm ist klein, aber fein: Vier Figurentheater aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden zeigen Puppenspielerkunst der Weltklasse.

    Zum großen Auftakt am 10. September ist das Stuffed Puppet Theatre wieder in Mainz: Bereits mit seinem grandiosen Gastspiel im letzten Jahr begeisterte Neville Tranter das Publikum. Diesmal erfährt "Salomé" eine Rundumerneuerung: Die Liebesgeschichte in all ihren bizarren Facetten wird zu einem gespenstischen, komischen und erotischen Abend: mal Rap, mal Schlager, mal Talkshow, gleichermaßen bewegend wie irritierend und jeden Augenblick ein faszinierendes Theatererlebnis mit dem unverkennbaren Humors des Meisters und seiner quicklebendigen Puppen.

    Am 19. September geschieht das Undenkbare: Wagners Ring in 120 Minuten, verständlich für Einsteiger, erhellend für Kenner! Tristans Kompagnons aus Nürnberg machen es möglich: An diesem Ring hat alles mehrere Ebenen und doppelten Boden, Figuren und Projektionen, Schau- und Puppenspieler, Livegesang und Tonkonserve. Und vor allem: Dieser Ring hat viel Witz, wobei Wagner nicht etwa veralbert, sondern höchstens auf der Schippe hochgehalten wird. Ein Abend mit Weltuntergang im Festspielglanz - pures Theatergold!

    Mit "Exit. Eine Hamletfantasie" verwandelt das Figurentheater Wilde & Vogel aus Stuttgart am 23. September Shakespeares Meisterwerk in ein atemberaubend-zeitgemäßes Theaterstück, erzählt in Fragmenten auf einer düsteren Schräge aus losen Brettern. Unter dem morschen Bühnenboden verbergen sich Stoffbündel, die von Michael Vogels Hand geführt zu schaurig-schönem Leben erwachen. Charlotte Wilde begleitet das temporeiche Bühnengeschehen mit einem live gespielten Soundtrack der zwischen brachial-infernalischen E-Gitarrentönen und zarten Melodiebögen pendelt. Ein virtuoses Theaterspektakel, das keine Genregrenzen kennt!

    Zum furiosen Finale am 24. September bringt das Green Ginger Microtheatre aus Wales anarchischen Slapstick-Humor von der Insel mit. In "Bambi - The Wilderness Years" wird die zuckersüße Story der 50er-Jahre zum Teenageralptraum im Großstadtdschungel. Green Gingers Bambi ist ein pickelgesichtiger Heranwachsender, der Hase Klopfer mutiert zum schwer bewaffneten Kleinkriminellen. Green Ginger erzählen den Klassiker mit Masken und Puppen in sehr lebendigen Bühnenbildern und werfen dunkles Licht auf die bonbonfarbige Disneywelt. Die perfekte Synthese von "Spitting Image" und Monty Python!

    Infos:Kultursommer Rheinland-Pfalz, Tel.: 06131/2883810   Mainzer Kammerspiele, Tel.: 06131/225002 Karten:   Mainzer Kammerspiele, Tel.: 06131/225002

    Zum Schluss noch einige wichtige Puppenspiel-Websites im Internet:

    Puppetry-Homepage von Rose Sage. http://www.sagecraft.com/puppetry

    Figurine - Puppenspiel eZine mit zahlreichen Links und Infos

    http://www.figurine.de

    Puppenspiel-Online - Puppeninfos von Andreas Förster

    http://www.puppenspiel-online.de

    Redaktion: Claas Hansen


    AdNr:1099 

    2000-09-15 | Nr. 28 | Weitere Artikel von: Claas Hansen