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  • Szenen Regionen :: Berlin

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    Some say hello, some say goodbye: ein kurzer Sommer in Berlin

    Das Traurige gleich am Anfang: Die Ära des Berliner Tempodroms unter der Chefin Irene Mössinger ist nun endgültig vorbei. Nach endlosen Querelen über die nicht ganz lupenreine Finanzierung des Neubaus am Anhalter Bahnhof (Trottoir berichtete) wurde die ehemalige Krankenschwester, die das Tempodrom vor 25 Jahren als Zelttheater mittels einer privaten Erbschaft gründete, nun als Geschäftsführerin entlassen, nachdem das Tempodrom einen neuen Käufer gefunden hat. Sie sei „traurig, aber gefasst“, sagte die kämpferische Kulturunternehmerin. Jetzt zieht sie sich erstmal ins Kloster zurück, um ein Buch zu schreiben.

    Nach einem Rückzug wieder ins Rampenlicht getreten ist dafür Ursula West, alias Ursli Pfister, alias Christoph Marti. In seinem zweiten Programm in der Rolle der toughen Country-Schabracke lebte der Entertainer in der Bar jeder Vernunft erneut recht ernsthaft seine weibliche Seite aus – das hat seit seiner Rolle der bösen Königin in der Geschwister-Pfister-Inszenierung von „Snow White“ anspruchsvolle Tradition. Auch im neuen Ursula-West-Programm wurden dabei diejenigen Besucher enttäuscht, die schrillen Klamauk in der Art der frühen Pfisters erwartet haben. Im Gegenteil, in „A legend in my time“ erzählt und singt Ursula West skurril, aber recht ernsthaft von den höchsten Höhen und tiefsten Tiefen des Lebens und gibt der ganzen Show zum Schluss eine sehr überraschende, gekonnte dramaturgische Wendung. Den straffen Humor haben Ursula und Ursli aber nie verloren. Und auch nicht den breiten Südstaatenslang, in dem Marti die ganze Show gekonnt bestreitet – in Englisch. Das illustre Premierenpublikum war zu Recht begeistert.

    Auch k.w. Timm erntete mit seinem Programm „Füttern verboten“ viel Applaus. Seine ureigene, manchmal etwas altertümliche Mischung aus politischer Satire, Hintersinn in der Wortgestaltung, relaxten Jazz-Nummern und fast intimer Ansprache passte erstaunlich gut in den eher kühlen Saal des Tränenpalastes. Nur eine koreanische Reisegruppe hatte sich offensichtlich in der Adresse geirrt: Zuerst lachten die Männer pflichtschuldig mit, dann schliefen sie ein, dann stolperten sie verschämt zur Tür.

    Apropos Tränenpalast: Die Verkaufsverhandlungen zwischen Senat und Betreiber sind leider gescheitert. Offiziell ist der Spielort nun in Konkurs. Aber das kümmert, in bewährter Berliner Manier, eigentlich niemanden: der Spielbetrieb geht jedenfalls erstmal munter weiter.

    Auch das Hansa Theater, das als „H21“ vor einem Jahr den Neustart riskierte, hat sich von der Berliner Miesepetrigkeit nicht beeindrucken lassen und blickt nach dem ersten Jahr optimistisch in die Zukunft. Im Oktober wird ein Musical über die Stadtheilige Hildegard Knef Premiere haben. Titel, natürlich: „Der geschenkte Gaul“.

    Ein kleines bisschen jünger als die Knef, aber mindestens genauso wichtig für Berlin ist Kabarettist Dieter Hallervorden. Im Sommer feierte er seinen 70. Geburtstag. Natürlich in seinem Theater „Die Wühlmäuse“, wo er neben gut laufenden Touristenprogrammen seit Jahren den Nachwuchs großzügig und mit hervorragendem Händchen für neue Talente fördert. Herzlichen Glückwunsch!

    Redaktion: Susann Sitzler

    Termine

    Mehringhoftheater:

    bis 8.10.: Mittwochsfazit (Wortvarieté)
    11.–15.10.: Matthias Brodowy: „Voll ins Schwarze“ (Comedy)
    18.–29.10.: Christian Ehring: „Anchorman“ (Stand-up) 
    1.–5.11.: Sinasi Dikmen: „Wahrlich, ich sage euch ...“ (Kabarett)
    8.–12.11.: Faltsch Wagoni „Nicht ganz Dichtung“ (Wortbeat)
    15.–19.11.: Hagen Rether: „Liebe“ (Kabarett)
    22.11.–3.12.: Fil & Sharkey: Neue Show (Comedy)

    Wühlmäuse:

    1.10.//19.11.: Frank Lüdecke: „Elite für alle“ (Kabarett)
    1./2.10.: Horst Schroth: „Nur die Größe zählt“ (Kabarett)
    2./9./16./23./30.10.//6./13./20./27.11.: Martin Buchholz: „Freiheit für Angela“ (Kabarett)
    3.–8./10./17./30.–31.10.: Kurt Krömer: „Kröm de la Kröm“ (Brachial-Comedy)
    9.10.: Hagen Rether: „Liebe“ (Kabarett)
    11.–13.10.: Kabarettistische Lesung mit Emil Steinberger
    14.10.: Evi und das Tier: „Die Show sind wir! Update“ (Musikcomedy)
    15.–16.10.: Herbert Knebel: „Ich glaub mich holnse ab“ (Comedy)
    15.10.//26.11.: Harald Effenberg: „Unter aller Sau“ (Comedy)
    18.–22.10./25.–29.10.//1.–5./8.–12./15.–23.11.: Matthias Richling: „Richling waaas?!“ (Kabarett)
    23.–24.10.: Urban Priol: „Täglich frisch“ (Kabarett)
    6.–7.11.: Uwe Steimle: „Günther allein zu Haus“ (Kabarett)
    13.–14.11.: Gaby Köster: „live“ (Comedy)
    26.–27.11.: Dieter Hallervorden: „Mit dem Gesicht“ (Kabarett)
    28.–30.11.: Django Asül: „Hardliner“ (Kabarett)

     

    2005-09-15 | Nr. 48 | Weitere Artikel von: Susann Sitzler