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    Überall neue Programme

    Früher hießen sie „de nargelsäcke“, was dem nicht dialektgeschulten Leser doch etwas Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Deshalb haben sie 2002 ihren Namen einfach ins Hochdeutsche übersetzt und heißen nun für jedermann gut verständlich Kabarett Nörgelsäcke. Sie kommen aus der Stadt Gößnitz in Ostthüringen und ihnen gilt meine erste Betrachtung. Gegründet 1997, spielen sie heute ihre Programme nicht nur im eigenen 70 Zuschauer fassenden Theatersaal, einer Bühne unter einer Glaskuppel, auf der auch schon namhafte Kabarettisten aus ganz Deutschland zu Gast waren, sondern sie sind mit ihren gegenwärtig 13 Programmen auch in der ganzen Bundesrepublik unterwegs. Daneben betreiben die Nörgelsäcke unter der rührigen Leitung von Markus Tanger im Sommer auch noch das Kabarett-Theater Lachmöwe im Ostseebad Baabe auf der Insel Rügen. Zum Ensemble gehören neben dem Chef noch Steffi Dautert, Carsten Heyn, Kathrin Linke und der Pianist Stefan Weißleder. Ihren Stil bezeichnen die fünf, die jährlich zwei Programme neu auf die Bühne bringen, als Polit-Comedy-Kabarett, wobei sie sich an den Traditionen des ostdeutschen politisch-satirischen Ensemblekabaretts orientieren, aber auch comedyhafte Elemente einfließen lassen.

    Zick Zack Traum TheaterGesehen habe ich „Kauf um Dein Leben“ mit Markus Tanger und Steffi Dautert sowie einer wundervollen pianistischen Begleitung. Motto des Programms: Kauft, damit es euch besser geht – Deutschland ist ein Volk der Schnäppchenjäger, in dem aus ehemals Werktätigen Konsumtätige geworden sind. Die Spannung und die Dynamik des Programms erwachsen aus der raschen Aufeinanderfolge von Szenen, Monologen und Liedern, aber auch aus den interaktiven Teilen, bei denen das Publikum auf charmante Weise einbezogen wird, ohne dass einzelne bloßgestellt werden. Der politisch-satirisch und witzig verpackte Inhalt beruht auf einer soliden Recherche zum Kaufverhalten der Deutschen. Die satirische Überhöhung einzelner Themen und deren Treiben bis ins Absurde gelingt den beiden Akteuren auf ganz vielfältige und hervorragende Weise, wenn sie mit Einfallsreichtum in völlig unterschiedliche Rollen schlüpfen. Eine kabarettistisch geschulte Beobachtungsgabe führt zu einer hohen Pointendichte und lässt „Kauf um Dein Leben“ so zu einer Empfehlung werden.

    Neues Thema: Fast schon wieder vor der Tür steht das 17. Festival der Bundesvereinigung Kabarett e. V., traditionsgemäß am ersten Wochenende im sachsen-anhaltinischen Aschersleben. Am 03.11.2007 wird diesmal die Dresdner Herkuleskeule das bundesweite Treffen eröffnen. Im Festivalprogramm zu sehen sind darüber hinaus das Kabarett Spätlese e.V., Meck Ab! aus Cottbus, Martin Buchholz aus Berlin, Christoph Sieber aus Köln und das Kabarett Magdeburger Zwickmühle. International geht es zu bei der Präsentation von

    I Pendolari Dell' Essere, einer Pantomime aus Italien. Noch ist es möglich, sich anzumelden, und zwar bei: Bundesvereinigung Kabarett e. V., c/o Henry Pucklitzsch, E-Mail: hpucklitzsch@t-online.de. Der Anmeldeschluss für Gruppen, die im Werkstattprogramm Ausschnitte aus ihrem Programm mit einer maximalen Dauer von 45 Minuten vorstellen möchten, ist der 31. Mai 2007, für alle anderen Teilnehmer gilt der 31. Juli 2007. Nicht nur das bisher bereits feststehende Programm, sondern auch die Erfahrungen der letzten Jahre versprechen wieder eine interessante Mischung aus Festivalprogramm, Werkstattauftritten und geselliger Unterhaltung im Kabarettklub. Am Charakter des Treffens wird sich auch zukünftig nichts ändern, obwohl in der Leitung der Bundesvereinigung ein Generationenwechsel vorbereitet wird. Mit der Wahl im letzten Jahr wurde der Vorstand auf 13 Personen erweitert, um eine vernünftige Einarbeitung derjenigen zu gewährleisten, die in Zukunft Verantwortung tragen werden.

    Ein Jubiläum soll an dieser Stelle nicht übersehen werden. Seit einem Jahr besteht in Chemnitz nun schon das KleinKunstTheater FATA MORGANA. Sabine Kühnrich und Ludwig Streng haben hier eine Spielstätte geschaffen, die alle Facetten der Kleinkunst von der Zauberei über die Lesung bis hin zum Kabarett auf hohem Niveau ermöglicht. „Narrenspiele” nennen die beiden Protagonisten ihr aktuelles Programm, und im Prinzip beschäftigen sie sich dabei mit ihrer eigenen Geschichte, denn ein gewisses Maß an Verrücktheit braucht es schon, in Zeiten leerer Taschen und Kassen ein neues Theater zu eröffnen. Ihre satirische, bissige Art und ihr hohes musikalisches Niveau, bestens auch durch ihre Gruppe Quijote bekannt, lassen noch viel erwarten.

    Zum Abschluss noch drei weitere Hinweise. Ein bemerkenswert neues Programm gibt es in Dresden zu sehen. Manfred Breschke, Silke Krause am Piano und Daniel Vedres am Waldhorn (übrigens eine im Kabarett ungewöhnliche musikalische Kombination) zeigen mit „Ich kann doch nicht dafür, dass es mir schmeckt“ einen gelungenen Abend, bei dem Manfred Breschke als Koch (der über die Geschicke der Weltpolitik mit seinem Essen bestimmt), als Ölscheich, chinesischer Diplomat oder Bodyguard von George Bush brilliert.

    Die academixer in Leipzig bringen mit „Degeneration” (Regie: Volker Insel) ein Programm auf die Bühne, in dem gezeigt wird, wie ein Programm entsteht. Thema: Alte und Junge passen einfach nicht zusammen.

    Wer vom Kabarett nicht genug bekommen kann, dem empfehle ich noch den Rundfunk. Der MDR FIGARO hat jeden 1. und 3. Freitag im Monat um 22.30 Uhr eine Sendung zum Thema Kabarett im Programm. Sie besticht durch hohe Qualität und wird meistens von Harald Pfeifer gestaltet und betreut, der beim nächsten Mal wieder für Trottoir schreiben wird.

    Bis dahin tschüss, sagt

    Friedel

    AdNr:1090 

    2007-06-15 | Nr. 55 | Weitere Artikel von: Friedel