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  • Szenen Regionen :: Berlin

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    Wenn es doch Mode wäre zu verblöden…

    ... oder „Spricht man im Kabarett deutsch“?

    Erstaunte „Mitgäste“ schauen ängstlich um sich herum und hoffen, dass sie auf dem Flughafen hoffentlich kein Piepton beim Durchschreiten der Kontrolle erwirken. „Wo bin ich hier, ich wollte doch  in die Kneifzange…“, sagte die Frau vor mir in der Schlange. „Sie sind richtig“ antwortete ich selbstsicher. Sicherheitshalber begann ich ein Gespräch mit dem russischen Sicherheitsbeamten um sicherzugehen. Na vsiaki poscharni. Die Frau: „Spricht man im Kabarett deutsch?“

    Das Publikum in der Kneifzwange am 5.4.05, zunächst eher zurückhaltend, fand an dem heute immer noch aktuellen politischen, sozialen, familiären und hoch aktuellem Kästnerprogramm großen Gefallen. Mit großartiger Mimik und Gestik hat Wikarski hier 1,5 Stunden lang sehr gut unterhalten, wie die eingeforderten Zugaben zeigten. Die Ballade vom Nachahmungstrieb beschrieb die Szene eines aufgehängten Spielkameraden und hinterließ deutliche Spuren der Nachdenklichkeit und Traurigkeit bei den Gästen.  Die Kinder: “Die Erwachsenen machen das doch auch.“ Erstaunlich bleibt die starke Wirkung der Kästnerstücke und die  Präsenz von Alexander Wikarski, der schon mit 13 Jahren als Tellknabe zur (Wieder)Eröffnung der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 1954 auf der Bühne stand. Sehr früh, im Alter von 12 Jahren, begann auch  Mouron schon ihren Weg. Sie schrieb Texte, begann zu singen und ihre Idole Edith Piaf und Jaques Brel zu verehren. Seit vielen Jahren ist sie beliebt mit ihren Liedern in Berlin. Mit Terry Truck präsentierte sie nun ihre CD im März „vis-á-vis im Tränenpalast. Viele Jubiläen gibt es in Berlin natürlich jedes Jahr.  Robert Kreis gastiert nach einem Vierteljahrhundert Bühnenpräsenz in der Welt nun hier in Berlin mit seinem Programm der lebendigen 20er und 30er. Gern erinnern sich Berliner und Gäste an diese Zeit. Sie scheinen leider auch eine traurige Aktualität zu besitzen: „Miese Zeiten, wo man hinschaut alles Pleiten…..sie gehen in Konkurs, aber sie leben, wie machen die das, wovon leben die Leut….“  Celina Muza gab anlässlich ihres 20. Berufsjubiläums ein Konzert im Grünen Salon der Volksbühne, in dem sie Jazz, Herrenlieder und osteuropäischen Charme in einen mitreißenden Abend verwandelte und das Wunschkonzert am 8.10. in der Werkstatt der Kulturen ankündigte. Inzwischen gibt es „Pop für Erwachsene“, konnte man von Manuela Sieber im Grünen Salon lernen. Die Preisträgerin des Hamburger Chansonwettbewerbs 2004 wurde begleitet von Leemann an den Gitarren, Cordes am Kontrabass und Wich am Schlagzeug. Eine Gradwanderung zwischen Chanson und Popsong.

    Was Verwandlungskunst bedeutet, konnte sich kein Zuschauer vorstellen. Dass man nicht unbedingt die besten Stoffe braucht, um richtig gut zu sein, bewies  im Frühling Ennio mit seiner sehr überzeugenden “Paper Marilyn“  im Tipi, dem Zelt am Kanzleramt. Konnte man sich schon vorher kaum vorstellen, was der Abend brachte, hielt die Spannung des Verwandlungskünstlers aus Venedig dann doch überraschend bis zum Schluss und seinen Metamorphosen aus Papier.  „Einfach“ nur hin und her gewendet, sehr international und kurzweilig, ideal zum Abschalten.

     

    Premiere am Montag 28.3.05: Abschiedskonzert mit Reinald Grebe in der  Bar jeder Vernunft:

    Ein Traum vieler junger Menschen aus Ost und West, damals und heute: Werde ich an  d e r Schauspielschule aufgenommen? Die im Osten, tief  in Ostberlin gelegene Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“ hatte schon kurz nach der Wende viele „Westdeutsche“ angelockt. So wurde ein Münchener nicht in der Münchener Schauspielschule, sondern in der in Schöneweide angenommen. Anian Zollner  (z.B. M. von Trotta Film)zog  nach Prenzlauer Berg zur Verwunderung der Autorin und erster „hautnaher“ Wessi. In dieser Zeit ging Reinald Grebe zunächst von Köln nach Jena und dann nach Berlin. Aber zur Abteilung Puppenspiel. Nur wer hier jemals zufällig Vorstellungen besuchte und den Minimalismus, Unverwechselbares oder Unvorhersehbares und dann noch „Neues“  suchte, erhielt dieses wie selbstverständlich von dieser sehr eigenen, ganz und gar nicht verstaubten Abteilung der Schauspielschule. Wer wird heute noch Puppenspieler? Der Schauspieler und Regisseur Reinald Grebe z.B. - Genauso unvorhersehbar und doch minimalistisch wie ein gutes Puppenspiel ist sein Programm.

    Dachten einige im Saal wirklich, er wäre aus Thüringen und gewannen 5 Euro für 3 genannte thüringische Städte, so war das der Anfang von Halbsätzen, nach einem Beginn ohne Beginn, Geschichten und Liederfetzen, die einprägten, Riefen schnitten. Grebe persiflierte sich selbst und damit die Gesellschaft. Extrem mutig und hoffentlich mit gutem Rechtsanwalt schnitt er eine Kerbe nach der anderen. Der Witz saß oft gerade und schon war er  übermalt und schwarz oder eben nur ein Ansatz oder Anfang. Er verblüffte mit Dörtes Lied. Seinem damit gefundenen Ausweg  aus der Spaßgesellschaft, das ja inzwischen in der Comedyszene zum Ohrwurm wurde, möchte man sich anschließen.  In diesem geistreichen  Programm waren viele Anknüpfungspunkte, die den täglichen Wahnsinn und die Gradwanderung von uns und unseren Mitmenschen beim Kampf um das Überleben oder des einfachen Daseins zeichneten. Manchmal kann man hier in der Tat auch nur fassungslos staunen, ob der Grebe nun doppelbödig, skurril oder widersprüchlich in sich ist. Mit offenem Mund saß mein Nachbar und wusste nicht, ob man über die frechen Sprüche lachen, weinen oder hoffen sollte, dass kein Anwalt hier Persönlichkeitsrechte Dritter einklagen würde. Rundherum herausragend.

    Demnächst wollen wir mal wieder in die kleine Berliner Scheinbar schauen, was hier Neues oder Altes auf der Bühne passiert.

    Redaktion: Yvonne Wende

     

    Termine

    Tränenpalast:

    10.06.-12.06.05 und 15.6.-19.06.05 Lilo Wanders.

    Bar jeder Vernunft: Cabaret- Neue Produktion seit Herbst 2004. Das Musical in der Bar jeder Vernunft geht weiter im Herbst.

    Grüner Salon:

    4.Juni : Cornelis  Voogt aus Holland.

    Wintergarten: Sonderkonzertreihe mit Max Raabe:
    18.07.-30.07.05. Ausser 24.7.05.
    “Narren? Sicher!“ ab 4.08.-22.10.2005

    2005-06-15 | Nr. 47 | Weitere Artikel von: Yvonne Wende