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    Zirkus in Berlin_Nr.46


    Auch Berlin kann sich der „Welle“ der Weihnachtszirkusse nicht verschließen, und so kamen dieses Mal neben den bereits seit längerem stattfindenden Veranstaltungen eine Reihe von Kleinzirkussen wie Mondeo, Kunterbunt oder Rogall hinzu, letzterer firmierte als „Karower Weihnachtszirkus“. Traditionell, nun schon zum 11. Mal, präsentierte der Zirkus Voyage am Olympiastadion sein Programm, das wie immer schon durch das liebevolle weihnachtliche Ambiente den Besucher einstimmte. Das Programm selbst konnte durch die Auswahl der Darbietungen durchaus überzeugen, bemüht sich doch die Direktion von Diana und Alois Spindler darum, neben den Hausdressuren für den Weihnachtszirkus den akrobatischen Teil in jedem Jahr zu verändern. Dieses Jahr waren es die – leider durch einen Ausfall ein wenig gehandicapte – Flugtrapezdarbietung der Flying Baykonur und die Familie Lagroni, die vorher mehrere Jahre beim Zirkus Sperlich gearbeitet hatten. Die Lagronis sind mit vier Darbietungen präsent: am Trapez Miss Maria, als Jongleure das Trio Phönix, die Musikalclownerie Robertos und vor allem die Handstandäquilibristik auf dem Motorrad von Robert Lagroni. Die Familie Spindler steuert zum Programm neben ihrem Todesrad die Dressuren bei, so die vier afrikanischen Elefanten, den Giraffenbullen Bagira in Kombination mit Zebra und Pony, einen Exotenzug sowie eine sehr gut laufende Freiheitsdressur mit 8 Friesen und zwei Andalusiern. Bereits während des Einlasses zeigt Tierlehrer Dieter Dittmann seine Probearbeit mit jungen Tigern im Zentralkäfig, eine gute Idee. Danach bringt er als erste Programmnummer seine Arbeit mit zwei älteren Tigern, die u. a. Sprünge, Balkenlauf, Hochsitzer und Rückwärtslauf auf der Hinterhand zeigen, eine gute Dressurarbeit.

    Zirkuszelte_Theater MetronomAuf dem Zentralen Festplatz stand der Zirkus Berolina (Direktion Bernhard Spindler), der seinen Weihnachtszirkus ebenfalls zur Tradition werden lassen will. Hier dominieren vor allem die Dressurdarbietungen, zu Beginn eine – allerdings eher trickarme – Tigerdressur, dazu der Ritt eines Tigers auf dem Elefanten, vorgeführt von Patrick Spindler. Der Exotenzug von Giovanni Spindler mit zwölf Kamelen und zehn Lamas ist durchaus beeindruckend. Ein sehr schönes Bild bietet die neue Pferderevue von Mario Spindler mit acht gut laufenden Friesen. Von der großen Elefantengruppe des Unternehmens wurden vier Tiere, u. a. mit Drehen und Hochsitzen, gezeigt. Auch Berolina hat eine Giraffe und im akrobatischen Bereich ein Todesrad, hübsch die Kaskadeurarbeit des Nachwuchses der Spindler-Familien.

    Präsentiert wurden die Programme bei Voyage von Torsten Brandstätter und bei Berolina von Friedrich Hoffmann, beide sympathisch und gut zu verstehen.

    Große Erwartungen verbanden sich mit dem ersten Weihnachtszirkus-Programm des Zirkus Roncalli im Tempodrom. Nun hatte Bernhard Paul im Vorfeld des Gastspiels das Tempodrom einfach zum „größten Zirkusbau Europas“ deklariert (was es natürlich nicht ist) und sich auf die klassische Zirkustradition Berlins berufen – und das bot das Programm denn doch nicht.

    Im Wesentlichen war es eine Übernahme des Saisonprogramms, das wohl in der Manege seine Wirkung hat, in der Halle konnte es die Erwartungen dagegen nicht ganz erfüllen. Die als griechische Schleuderbretttruppe avisierten Ouza Metaxa zeigten nur wenige Sprünge, zudem fast ausnahmslos von einer Springerin und mit viel Longenarbeit ausgeführt, umrahmt aber von viel Klamauk. Gleiches galt für die riesige Jongleurtruppe, in der eigentlich nur Manolo Alvarez jonglierte und es wieder unendlich viele mehr oder weniger komische Zwischenspiele gab. Recht lang auch das Clown-Entree von Pipo, Petit Gougou und Sandro. Die umfangreichen Sketche von David Shiner, deren Form der Einbeziehung des Publikums ohnehin Geschmackssache ist, füllen das Programm zum erheblichen Teil. Seine Filmszene benötigte wohl an die 20 Minuten. Interessant, wenn auch mit wenigen Schulschritten auskommend, die Kombination Hohe Schule mit Tanz und Gitarrengesang von Oliver Jubin und Ana Ayromou. Akrobatisch perfekt die Antipodenarbeit von Vanessa Rodriguez und die Handstandakrobatik mit Klotzarbeit von Jacqueline Alvarez. Eine sehr interessante und für Berlin neue Darbietung zeigten die Strangers, eine russische Percheakrobatik an hohen Stirn- und Schulterperchen, bei der durch Abkippen der Stangen neuartige Tricks erreicht werden. Ausgezeichnet die Rokashkovs am Quadratreck, drei Herren und eine Dame. In dieser Darbietung stimmt alles: starke Tricks, Choreografie, Darbietungsregie und Musik.

    Umrahmt wurde das Programm von vier Ballettmädchen, das Finale durchaus stimmungsvoll mit Kunstschnee und weihnachtlicher Musik. Die Programmmusik selbst war ein wenig gewöhnungsbedürftig, die Funktion des ständig Auf- und Abbewegens des Musikerpodiums unklar. Die Premiere eröffnete Bernhard Paul im Mantel, um seine Erkrankung mitzuteilen.

    Rund 30.000 Besucher, so war zu hören, haben das Programm gesehen, und Bernhard Paul will in diesem Jahr wiederkommen, dann mit einem den Hallenverhältnissen besser angepassten Programm.

    Die Zirkussaison 2005 begann in Berlin bereits am 11. Februar mit dem Gastspiel des Zirkus Fliegenpilz auf dem Zentralen Festplatz, und auch Zirkus Busch-Roland begann zu dieser Zeit im Berliner Umland. Was der Sommer für Berlin an Zirkusgastspielen bringen wird, ist offen. Die Gerüchte, dass sich Zirkus Krone für Berlin interessiert, blieben bisher unbestätigt.

    Redaktion: Dietmar Winkler

    AdNr:1093  

    2005-03-15 | Nr. 46 | Weitere Artikel von: Dietmar Winkler