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  • Szenen Regionen :: Schweiz

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    Amisiert euch

    Wenn Sie jetzt "amisiert euch" gelesen haben, müssen sie nicht um ihre Lesekompetenz fürchten, denn "amisiert euch" ist weder der Beweis für Platz dreiundzwanzig in der PISA-Studie noch der Vorgriff auf die dritte Rechtschreibreform, sondern der Titel des zehnten Programms der Magdeburger Zwickmühle. Am 25. Mai dürfen Hans-Günther Pölitz und Lothar Bölck den Schweizerischen Kabarett-Preis, das CORNICHON 2003, das mit 10'000 Franken und einer Skulptur dotiert ist, entgegen nehmen. Ihr Programm wird im Moment täglich aktualisiert durch die Ereignisse im Irak. Witze kann man über einen Krieg ja kaum machen, höchstens ein Satireprogramm. Und darauf verstehen sich die beiden Politkabarettisten hervorragend. Mit ihnen zusammen erhält Viktor Giacobbo, seines Zeichens Direktor des von Künstlerinnen und Künstlern betriebenen Casino-Theaters in Winterthur, einen Spezialpreis für Fernsehsatire. Sein beliebtes „Spätprogramm“ hat er selber im letzten Winter eingestellt, zum Leidwesen seiner vielen Fans, die er als Punker Harry Hasler, als aufgetakelte Debbie Mötteli, als rühriger Inder Radschif und in vielen anderen Gestalten begeistert und aufs Köstlichste unterhalten hat. Simon Enzler erzählt dem Publikum beim sonntäglichen Brunch, wie die Welt aus der Sicht eines Appenzellers aussieht.

    Ansonsten aber sind die OLTNER CABARET-TAGE fest in deutscher Hand: Eröffnet wird das Festival von Peter Spielbauer mit seinem „Yübiläümsprogramm“, in dem er seine grossen Maschinen zeigt und die ebenso grossen Themen der Menschheit anspricht. Aus der Partnerschaft mit der Lachmesse Leipzig sind die academixer zu Gast. Sie haben ein brandneues Programm: „Made in Deutschland“. Nach der Pause erklären Anke Geissler und Carolin Fischer dem Publikum, weshalb Niveau keine Faltencreme ist. Der Freitagabend wird traditionellerweise von drei Künstlerinnen oder Künstlern bestritten, so in der Art des blauen Montags, hier halt eben als „Schwarzer Freitag“. Horst Evers erklärt die Welt, Lioba Albus wagt einen Hammelsprung und Rolf Miller spricht wieder einmal zum Publikum, ohne wirklich etwas zu sagen. Erstmals ist der Saarländer Detlev Schönauer in der Schweiz zu Gast. Er lädt bekannte Deutsche von Heino bis zu Reich-Vranitzky zu sich in Jacque’s Bistro ein, was zu absolut unerwarteten Zusammentreffen führt. Nach ihm steigt in einer Nocturne Christof Stählin in die Schluchten des Alltags. Alljährlich pilgern zwischen 4000 und 6000 Personen an das Aarestädtchen im Herzen der Schweiz, wo sich der 0 km-Stein der Schweizerischen Bundesbahnen befindet.

    Fast zur selben Zeit findet im Miller’s Studio in Zürich das Spektakuli statt. Das Ensemble der Münchner Lach- und Schiessgesellschaft, Preisträger des CORNICHON 1996, ist ebenso eingeladen wie „Heinz!“, Hans-Günther Butzko, Andreas Rebers, Maria Peschek, Wendelin Haverkamp, Thomas Maurer und andere.

    Massimo Rocchi, Mime und Sprachkünstler, hat noch kein neues Programm. Nach einem kurzen Abstecher zum Schweizer Fernsehen, wo er Reisesendungen moderiert hat, ist er nun für ein Jahr Gast beim Nationalzirkus KNIE. In der Kiesgrube von Würenlos (nahe Zürich) geht das Freiluftspektakel AKUA von Karls Kühner Gassenschau in die zweite Saison. Die Show war stets ausverkauft, und so hat man sich entschlossen, das zum Üben ausgesetzte Kreuzfahrtorchester ein weiteres Jahr auf der Bohrplattform im stürmischen Ozean zu belassen.

    Es gibt auch wieder Nachwuchskünstler in der Schweiz: Gans & Gloria ist die Schicksalsgemeinschaft zweier Ganovinnen. Gloria kommt aus gutem Haus. Gans kommt aus der Gosse. Der Zufall hat sie zusammengebracht. Gemeinsam retten sie die Welt und planen stets die nächste krumme Tour, um ihrem grössten Bedürfnis, der Umverteilung von Geld, nachzugehen. “Es gibt keine Gerechtigkeit! Wir nehmen die Sache selber in die Hand!” Die Geschichten von Gans & Gloria werden klanglich untermalt mit den unsterblichen Chansons von Cissy Kraner, Sondheim, Hollaender, Arthur Beul, Charles Tenet und einigen brandneuen Kompositionen. Unter dem Regie-Coaching von Sibylle und Michael Birkenmeier haben die beiden Schauspielerinnen und Sängerinnen einen szenischen Liederabend geschaffen, der rund und unbeschwert daherkommt und garantiert für Unterhaltung sorgt

    Seit diesem Winter ist auch Bluesmax wieder unterwegs mit seinem neuen Programm „Mensch oder Meier“. In seiner bekannten Art erzählt er Geschichten wie sie nur das Leben schreiben kann, ab und zu unterbrochen von einem Blues, der sich über das Publikum ergiesst wie ein warmer Sommerregen.

    Jean-Claude Sassine, der Pianist mit dem Pokerface, Andreas Thiel, der Schauspieler mit der scharfen Zunge, Samuel Sommer, der Mime mit der schlechten Laune und Pedro Lenz, der Dichter mit den undichten Stellen im Kopf erwarten jeden Moment das Schlimmste. Wären sie allein auf der Welt, spielte der Pianist in einer zweifelhaften Hafenbar am Atlantik, der Schauspieler rezitierte Homer im Missionstheater von Timbuktu, der Mime träumte von einer Karriere als Stummfilmstar neben Buster Keaton und der Poet flüsterte irgendwo im Neandertal einer Serviererin Liebesgedichte ins Ohr. Wären sie allein auf der Welt, man müsste sich ernsthaft Sorgen machen um die vier nicht mehr ganz jungen Männer. Aber keine Angst, sie sind nicht allein, sie haben sich gefunden und präsentieren ein Bühnenprogramm der abgehobenen Art. Melancholische Musik, unzensierte Satire, laute Pantomime und himmeltraurige Gedichte verbinden sich zu einem Schauspiel, über das zu lachen niemand wagen wird. Zuweilen ist alles lustig, die Künstler, der Abend, das Publikum, die Welt. Manchmal dagegen, teilen sich ein Pianist, ein Schauspieler, ein Mime und ein Dichter das Rampenlicht, um dem Spass ein Ende zu bereiten. Ihr Abendprogramm unter dem Titel „Intellekt mich“ birgt eine ungeahnte Menge all jener Erkenntnisse, auf die das verwöhnte Publikum seit jeher gewartet hat. Pantomime, Poesie, Schauspiel und Klaviermusik in wechselndem Tempo und frei von jeder Anbiederung an die Spassgesellschaft. Bloss ein klitzekleines Anliegen liegt dem Quartett am Herzen: Die rasche und nachhaltige Veränderung der Welt, - weder globalisiert noch amisiert!

     

    Redaktion: Peter Niklaus

     

    Veranstaltungen

     

    Mai

    15.-24.      CH-Zürich. Spektakuli. Humorfestival.
                    Info: Miller's Studio, Seefeldstrasse 225, CH-8008 Zürich
                    Tel. 0041 1 387 99 70, Fax 0041 1 387 99 74
                    E-Mail: info@millers-studio.ch, Internet: www.millers-studio.ch

    21.-25.      CH-Olten. Oltner Cabaret-Tage. Satirefestival mit Verleihung des
                    Schweizer Kabarett-Preises.
                    Info: www.kabarett.ch, E-Mail: info@kabarett.ch

    September

    13.            CH. Schweizerischer KleinKunstTag
                    Er wird von über hundert Kleintheatern zelebriert.
                    Organisation: Ktv, Obergasse 1, Box 3350, CH-2500 Biel 3
                    Tel. 0041 32 323 50 85, Fax 0041 32 323 50 72
                    Internet: www.ktv.ch

     

    2003-06-15 | Nr. 39 | Weitere Artikel von: Peter Niklaus