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    Zwischen Balla-Balla und Ping-Pong

    Eines ist sicher: Wäre Sprache eine Religion, so wäre Marcus Jeroch ein Luther. Vorbei die Zeiten, in denen sich “mein Schweizer Chalet” auf “das Idyllischsté” reimte. Seine wahnwitzigen Jonglagen mit Worten und Bällen sind eine lustvolle Reform, mit Spass und Elan an die Kirchtüren der Gewohnheit genagelt. Marcus Jeroch deutscht anders.

    Aus dem Ei des Kolumbus schlüpft: die Produktion “WoWo”, zweimal 45 Minuten Sprachgerase, bei vollem Körpereinsatz. Inklusive etwas Jandl und reichlich Friedhelm Kändler-Worte. Von der Grammatik (“Poe-ich, Poe-du, Poe-er, Poe-sie...”) über das Volksmärchen vom röschen Dornröschen bis zum Rückwärts-Wortschwall der Dame Anna R. Chie gilt das Zitat: “Er ringt die Hände, jetzt ist Ende, denk ich - denkste - der dritte Akt ist der Längste”.

    Erschütternd, wenn aus dieser Silbenverrenkung, der Artistik des Klangs, des Spiels mit der Bedeutung plötzlich ein Sinn rieselt.

    Das Publikum nimmt an einem Vergnügen der Querdenkerei voll Nonsens und feinstens zentrifugierter Philosophie teil - bei fetzigem Balla-Balla zum Ping-Pong-Gefecht. Es gönnt sich den Ausstieg, erlebt einen Rausch WoWoismus, literarisch wie Mozartkugeln, bunt wie eine Ladung bibliophiles Konfetti, und würdevoll wie Konjunktiv.

    Der Mitbegründer des legendären Rock-Zirkus Gosh, der als Jongleur und Kleinkünstler mehrfach ausgezeichnet wurde und zuletzt den Preis des 8. Köln Comedy Festivals 1998 gewann, wird voraussichtlich in seinem neuen, inzwischen dritten Soloprogramm erklären, wie sehr “das Wort sein eigenes” geblieben ist. Im Sommer letzten Jahres wurde es uraufgeführt. In Berlin. Die artistisch-toilettistische Lyrik-Revue mit Gesang soll deutlicher denn je dramaturgischen Spielregeln folgen und trägt den Titel “WoKlo”. Als zeitlos denkwürdiges Einstimmungs-Roulette empfiehlt sich die CD “Tanz den Friedhelm” von Marcus Jeroch & die Klangdichter (ISBN 3-927715-67-0), sowie Kändler, Friedhelm “WoWo”, REVONNAH VERLAG HANNOVER, Hannover 1991 (Erstveröffentlichung), 28,-- DM (Broschur) bzw. 42,-- DM (Hardcover).

    “Königing von Deutschland” oder Kaiserin, “das alles und noch viel mehr”, will Nessi Tausendschön demnächst werden. Die Sängerin, Kabarettistin und Schauspielerin Nessi Tausendschön begeistert mit furiosem Musikkabarett. Sie ist ein Variationsgenie in Ausdruck, Gestik und Stimme. Da sie eigentlich unbeschreiblich ist, durften die zukünftigen Untertanen ihr Staatsoberhaupt schon mal auf der Bühne der Lach- & Schießgesellschaft bewundern. Ein Wahlkampf, der im Grunde nur noch eine Formalität auf dem Weg zum großen Ziel darstellen kann. Schließlich verfügt die theatralische Diseuse über mindestens zwei wehende Gewänder. Ihre phantasievollen Gesetzesänderungen hätten es in sich. Ganz zu schweigen vom kleinen Krönchen. Zum Beweis ihrer Glaubwürdigkeit führt Nessi Tausendschön auf ihrer Reise nicht nur großmütig einen echten Pianisten im Gepäck (davon später), sondern diverse Erfolgstaten. Zahlloses eigenartiges Liedgut wurde zum Beispiel bereits unterworfen. Nicht nur Chansons und Couplets. (Auch das umliegende Ausland soll ja in nicht so ferner Zukunft, nach Möglichkeit, an blühenden Landschaften vorbei zu Wohlstand, Kultur und Vergnügen geführt werden.) Selbst vor Seemannsliedern, Mozartarien und Rio-Reise-Stücken hat das melodramatische Stimmwunder nicht kapituliert. Als ziemlich annektiert kann deswegen auch “Herr Rössler” am Piano gelten. Wunderbar wandlungsfähig greift Uwe Rössler auf Befehl in die Tasten, mal hauchzart und schmeichelnd, mal in höchste Koloraturen aufsteigend, von jazzig improvisierend bis schrill.

    Die leutselige Majestät mit dem schottischen Vornamen kümmert sich nebenbei noch um die Farbgebung der neuen National-Flagge, Rauschelicht auf der Bühne, den negativen Chansonettensog! und “Das aufwändige Finale”. Kronjuwelen gabs dafür auch schon, nämlich de internationalen Kabarettpreis “Salzburger Stier 2000”. Im letzten Jahr erhielt die Künstlerin, die ihre Programme selbst schreibt, bereits den “Deutschen Kabarettpreis (Sonderpreis)”. Die Welttournee mit dem inzwischen vierten Soloprogramm wird fortgesetzt.

    Vom Erlös der CDs “Kami und Kaze”, “Madame Cellophan” (Verlag con Anima) und “Herz, mein Herz - Nessi Tausendschön singt jetzt doch Liebeslieder” (roof music) soll ausschliesslich feudaler Pomp finanziert werden.

     

    Redaktion: Frauke Meding

     

    Termine

     

    03.-14.10.          PHILIPP SONNTAG  “Philipp Sonntag for President”
                            (Fraunhofer)

    16.-28.10.          DAVID LEUKERT “Singles, Paare, Paradiese” von Singles,
                            Paaren und anderen Alleinlebenden (Lach- &
                            Schiessgesellschaft)

    17.-28.10.          MICHAELA DIETL “Do it! Der Komödie 2. Teil” Lieder für
                            Deutschland (Fraunhofer)

    19.10.-11.11.      KARL GSCHAIDER “Siaß oda schoaf” Text von Jörg Maurer
                            (Unterton)

    30.10.-04.11.      JESS JOCHIMSEN “Das Dosenmilch-Trauma”  Jess
                             Jochimsen liest Text, spielt Tiere und singt ein Lied zur
                             Nacht (Lach- und Schießgesellschaft)

    06.-18.11.           VOLKER PISPERS “Damit müssen Sie rechnen” Feinstes
                             politisches Gegenwartskabarett (Lach- &
                             Schießgesellschaft)

    07.-11.11.           QUARTETT “queenbee und Pigor singt. Benedikt Eichhorn
                              muß begleiten” Programm von und mit Ina Müller, Edda
                              Schmittgard, Thomas Pigor,Benedikt Eichhorn               
                              (Lustspielhaus)

    16.11.                  SUSI BRANTL UND JÖRG MAURER Weihnachtsprogramm”
                              (Unterton)

    19./20.11.             HELGA SIEBERT “Der Jahresrückblick - Ultimo 2000”
                               (Lach- & Schießgesellschaft)

    26.11.                  Stermann & Grissemann “Die Karavane des Grauens”
                                (Schlachthof)

    27.-30.11.             KOM(M)ÖDCHEN DÜSSELDORF “Amok” (Lustspielhaus)

    27.11.- 16.12.       THOMAS FREITAG “Millionör in 98 Minuten”
                               Komödiantisch-satirisches Vergnügen um Geld oder Liebe
                               (Lach- & Schießgesellschaft)

                              

    Vom 12.10. bis zum 13.12. findet im VOKAL TOTAL Deutschlands größtes A-Capella-Festival statt. In 25 Konzerten mit 41 Gruppen aus 12 europäischen Ländern, den USA und Australien wird das gesamt Spektrum der Szene präsentiert werden. Mehr als je zuvor sollen bei diesem vierten A-Capella-Festival die zarten Töne erklingen, werden minimalistische Polyphonien, einfühlsamer Fado, sakrale Gesänge, malerische Lautzeichen und meditative Klangräume, aber auch archaische Urklänge erhör- und erlebbar. Die außergewöhnlichen Stimmprojekte ereignen sich im Spectaculum Mundi, Graubündener Str. 100, 81475 München (U3 Fürstenried-West).                

    2000-09-15 | Nr. 28 | Weitere Artikel von: Frauke Meding