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  • Szenen Regionen :: Franken

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    Barwasser im Höhenflug

    Alle Jahre wieder im Januar verleiht das Burgtheater an einem bereits Wochen vorher ausverkauften Gala-Abend den von der Stadt Nürnberg gestifteten Deutschen Kabarettpreis, der sich trotz schärfster Konkurrenz sonstiger Preisverleiher als eine der anerkanntesten und seriösesten Auszeichnungen der Kleinkunst etablieren konnte.

    Wen wundert's dass diesmal Frank Markus Barwasser alias Erwin Pelzig von der Jury auserkoren wurde. 1960 in Würzburg geboren, fand er vom Journalismus zur Radiosatire und auf die Bühne. Er nutzt das Spiel mit dem Publikum souverän wie kaum ein anderer, um auf aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse zu reagieren und zeigt bestes satirisches Ein-Mann-Welttheater.

    Den Förderpreis des Deutschen Kabarett-Preises 2001, erhielt das Bremerhavener Brüderpaar  Podewitz. Der Sonderpreis ging an die Sängerin und Kabarettistin Tina Teubner aus Köln (berichtet in Ausgabe Nov. 2001 TROTTOIR).

    Doch kaum den Preis in Händen, gelingt es dem frischgekürten Träger des deutschen Kabarettpreises 2001 noch einen draufzusetzen. Er zählt inzwischen nicht nur zu den witzigsten, sondern auch zu den aussagestärksten Kabarettgrößen im Land.

    Anfangs galt er mit seinen Dialektfiguren noch als Regionalmatador in Sachen Comedy - oder wie's der gemeine Würzburger ausdrückt - „beim Spässli mach' ". Inzwischen hat Frank Markus Barwasser - von Hause aus Journalist - seinen liebenswerten Figuren zunehmend komplexere Inhalte und schwierigere Themen in den Mund gelegt. Dabei verliert sein komödiantisch ausgereiftes Dreigestirn Erwin Pelzig, Dr. Göbel und Hartmut über die Jahre keinen Deut an Treffsicherheit und Witz im Gegenteil: es wird mehr und mehr zum waschechten Kult.

    Die drei brillant gespielten Figuren ergänzen sich - im fliegenden Wechsel - vortrefflich in ihrer unterschiedlichen Denke und Sprache. Hauptfigur ist nach wie vor der kauzige Erwin Pelzig, der unterfränkische Kleinbürger, der sich eigenen Reim und Gedanken auf die Welt macht und dabei oft die Realität vom Kopf erst auf die Füße stellt. Er liefert selbstgebastelte Erklärungen, verblüffende Rückschlüsse und unglaubliche – doch stets akribisch recherchierte –Zusammenhänge, Hintergründe und Ausblicke. Hartmut dagegen ist ein raukehliger Hauruck-Proll, wie er in jeder Eckkneipe herumsteht. Als Mann fürs Grobe, bietet er die jeweils schnellste und „sauberste" Lösung an. Bei ihm wird nicht lang gefackelt; er sorgt für die deftigen Lacher. Als konservativer Bildungsbürger der alten Schule hält der näselnde Dr. Göbel die Arschlochkarte. Er äußert bei allem seine Bedenken, bremst die beiden anderen, zaudert, wägt ab und moralisiert. Während sich Pelzig und Hartmut auf ganz unterschiedliche Weise mit den Problemen auseinandersetzen, steht Dr. Göbel der Weltentwicklung letztendlich recht hilflos gegenüber.

    Bei der Herleitung von Marktgesetzen und der Präsentation von Verkaufsstrategien hebt Pelzig endgültig zum Höhenflug ab. Über Zuschauer, denen er im ersten Teil alte Aktien schenkte und ihnen scheinbar beiläufig ein paar Fragen stellte, liefert er nach der Pause ein lückenloses Consumer-Profil, über das jede Marketingabteilung hellauf begeistert wäre.

     

    Bockshorn ganz groß

    Nach 17 Jahren beeindruckender Kabarett-Programmarbeit im 99-Plätze Gewölbekeller macht Mathias Repiscus mit seinem Umzug nach Würzburg einen großen Schritt nach vorn. Aus dem sympathischen Kleinkunstbrettl im weinseligen Künstlerdorf Sommerhausen ist nun ein professionelles Kabaretthaus mit einer stattlichen Saalgröße, großstädtischem Ambiente und feinster technischer Ausstattung geworden. Das neue Bockshorn ist der Dreh- und Angelpunkt in Würzburgs neuer Kulturmeile am alten Hafen. Dass sich hier nun die Haudegen der Oberliga wie Rogler, Schramm, Priol,  Pigor, Konejung... die neue Bockshorn-Klinke in die Hand geben, wundert nicht. Doch Repiscus wäre nicht mehr Repiscus, wenn er nun nur noch die ausgetrampelten Pfade des fernsehtauglichen Mainstream beschreiten würde. Auch weiterhin frönt er seiner Leidenschaft der Talentförderung und rundet sein Programm mit frischen Newcomern ab und würzt es durch Produktionen mit gewollter Schräglage.

    Redaktion: Volker Peter

     


     

     
    2002-03-15 | Nr. 34 | Weitere Artikel von: Volker Peter