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    Ensemble solo

    Das Ensemble ist ein Ensemble ist ein Ensemble. Und daran geht im Osten nichts vorbei. Doch nun kommt die Versuchung. Kann ich es auch? Und man spart dabei Honorare für die Mimen. Wie auch immer, das Ensemblekabarett im Osten scheint auf dem Solotrip zu sein. Nun gut, bei den Kiebitzensteinern in Halle trifft das noch nicht ganz zu, da haben sich noch zwei zusammengefunden. Carola Bläss und Michael Kost, die ein Affentheater veranstalten, passend zum politischen Klima. Aber von der Leipziger Pfeffermühle gibt es als Sommertheater ein Solo zu vermelden. Das erste von Burkhard Damrau mit Leben bis Männer von Thomas Brussig.

    Und so geht es weiter. Die Kabaretts haben im letzten Vierteljahr heftig und teils auch glücklich produziert. Aber Soli. Die academixer haben ihre Bühne frei gemacht für Meigl Hoffmann und sein Solo „Alles Gehalt geht dem Volke aus“. Nicht nur die Macht ist dem Volk also ausgegangen; in einer Zeit, die der junge Leipziger Kabarettist am Beispiel seiner Bühnenfigur Pit Pannik beschreibt. Der Randleipziger steht gerade noch in Lohn und Brot und ihn trifft die Angst um seinen Job ebenso wie der Neid seiner arbeitslosen Nachbarn. Durchsetzt ist die Geschichte mit beeindruckenden, fast surrealen Soli. Hoffmann spielt den Bundesadler, das Bernsteinzimmer oder den Bart an sich und überhaupt. Ein kühner Wurf, der sich allerdings nur als Ganzes erschließt. Die Details hätten doch etwas triftiger ausfallen können. Dennoch ist es ein erfrischendes und zu Recht viel gelobtes Kabaretterlebnis.

    Zweimal hatte die Herkuleskeule zur Premiere eingeladen. Erneut Alleingänge. Michael Frowin zeigte sich „Schlaflos im Sattel“, die Geschichte von einem, der (k)eine Frau haben will, aber sofort. Er wird beraten und bedrängt von seiner Tante und einem Kumpel. Frowin im Rollenspiel. Ein Abend mit Komik, aber eher der leichteren Art. Die Geschichte geht in die unterhaltende Breite, weniger in die lebendige Tiefe. Das zweite Solo kam von Birgit Schaller, die für ihr musikalisches Format bekannt ist. Sie setzte zum Letzten Schrei an und der ist ein Liederabend. Dabei greift sie ganz tief in die Kiste populärer Lieder und verwendet die, um kabarettistisch mit der Zeit abzurechnen. Musikalisch ist Birgit Schaller gut, nur hat sie mit dem kabarettistischen Zugriff den Charme der Lieder selbst etwas lahm gelegt.

    Die Arche in Erfurt gehört zu den Kabaretts, die in den letzten Jahren still und leise gute Kabarettarbeit geleistet hat. Die Zuschauer lohnen’s mit ihrem Besuch. Auch von hier gibt es ein viel gelobtes Solo zu vermelden. „Außer Rand und Brand“ mit der Intendantin des Kabaretts Gisela Brand. Freilich konzentriert sie sich auf die Gefahren der Gegenwart. Sie signalisiert, ihrem Namen verpflichtet, Brandgefahr.

    Gunter Böhnke und Bernd-Lutz Lange haben sich am 12. Juli im academixer-Keller mit einem großen Abend und vielen Gästen von ihrem Publikum verabschiedet. Schon lange hatten sie es angekündigt: mit 60 wird der Schlusspunkt gesetzt. Zusammen werden sie weiter nur noch mit Tom Pauls im Kaffeegespenst oder im Fernsehen des MDR zu sehen sein. Ein großes Duo sagt Adieu, das unentwegt für die sächsische Eigenart geworben hat und so die sächsische Mundart mit Charme und heimtückischem Witz bühnentauglich gemacht hat. Weiter werden sie auf der Bühne zu erleben sein, aber nicht zusammen.

    Die 14. Lachmesse in Leipzig (vom 7. bis zum 17. Oktober) wird langsam spruchreif. Grob gezählt gibt es 90 Veranstaltungen in 15 Spielstätten an zehn Tagen. Finanziell wieder ein Glückspiel, denn einmal danebengetappt würde unweigerlich das Ende des Lachmessevereins bedeuten und es hätte sich ausgelacht. Aber die Zuversicht ist ungebrochen. Vielleicht eine Flugzeugstaffel im Bauch von Lachmessechef Arnulf Eichhorn, mehr aber nicht.

    Das Programm kann sich sehen lassen. Neben den Lachmesse-Preisgewinnern Ursus und Nadeschkin aus der Schweiz trifft sich erneut die Bundesliga der politischen Kabarettisten mit dem neuesten, was sie hat. Matthias Deutschmann, Richard Rogler, Reiner Kröhnert oder Urban Priol und Sinasi Dikmen. Damit sind alle Spielarten des politischen Kabaretts vertreten. Auch durch die Ensemblekabaretts aus dem Osten, wie Herkuleskeule, Distel oder Obelisk und natürlich durch die bekannten Leipziger Kabaretts. Einen Überblick kann der geneigte Leser sich über www.lachmesse.de verschaffen. Zu bemerken ist, wie wenige Frauen zu Gast sind, Comedy ist auch nicht so sehr reichlich vertreten und der internationale Rahmen ist recht schmal ausgefallen. Aber es zeigt sich: Leipzig wird seinem Ruf als Kabarettstadt gerecht.

    Wäre am Ende noch der Cabinetpreis 2004 für neue Handschriften auf den kleinen Bühnen im Osten zu vermerken. Die Preisträger 2004 sind Volly Tanner & Muriel Zibula (Kabarett), Bartuschka (Comedy) und fourschlag (Musik)

    Eine spannende Wahl wurde hier getroffen, weil sie zeigt, dass die Grenzen der Kleinkunst-Genres längst gefallen sind.

    7. September, 20 Uhr: Magdeburger Zwickmühle: "Tunnel am Ende des Lichts"

    Redaktion: Harald Pfeifer

    2004-09-15 | Nr. 44 | Weitere Artikel von: Harald Pfeifer