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  • Szenen Regionen :: Rhein-Main

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    Sehenswürdigkeiten aus Rhein-Main

    Man kam, sah und sieht sich, lautet das Motto im Rhein-Main-Gebiet. Das gilt für die Bühnen in Frankfurt ebenso wie für die in Wiesbaden und Mainz. Dort im Mainzer unterhaus traf sich bereits im Februar das Who’s who der Szene. Bei der 35. Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises, moderiert von Dieter Nuhr, versammelte man sich und ehrte diejenigen, die sich um Spaß, Kultur und Kunst verdient gemacht hatten. Mit Andreas Rebers (in der Sparte Kabarett), dem musikalisch-melancholischen Traumpaar Weber&Beckmann (in der Sparte Chanson, Lied und Musik), Spaßvogel Kurt Krömer (in der Kategorie Kleinkunst) und Martina Schwarzmann, die den Förderpreis der Stadt Mainz erhielt, wählte die vom unterhaus berufene Fachjury erneut herausragende Künstler in den Olymp der großen, reichen und unsterblichen Dichter, Denker und Spaßvögel der Nation.

    Doch nicht nur bei den großen Ereignissen, auch bei zahlreichen gemischten Shows und kleineren Events traf man sich. Und man traf ihn, Tobias Mann. Im unterhaus gehört der Frontsänger der Mainzer A-cappella-Pop-Formation Aca&Pella schon zum Inventar. Mit seinem ersten Solo-Programm „Man(n) sieht sich“ zieht der Gewinner des Kabarett Kaktus 2006 mit Gitarre, Klavier und Mundwerk im Anschlag alle komödiantischen Register. „Manchmal muss ein Mann eben tun, was ein Mann tun muss“, weiß der humoristisch-kabarettistische Dienstleister, der bei seinem Heimspiel im ausverkauften unterhaus regionale ebenso wie existenzielle Themen des Lebens beleuchtete. Von Federvieh über Nutzvieh bis hin zur Philosophie muss man beim Mainzer Allroundtalent mit allem rechnen, außer, dass er zaubert, steppt, sich auszieht oder Lieder von Abba singt. Garantiert ist dafür ein kurzweiliger Abend mit erfrischend natürlicher Comedy, einer Prise Politik und musikalischen Kabinettstückchen.

    Mit zwölf Veranstaltungen pro Woche und einer jährlichen Spielzeit von neuneinhalb Monaten sei das unterhaus die erste Adresse in Mainz, meint Mitarbeiter Hans Schulz. Für den Erfolg sorgen dabei nicht nur national bekannte Künstler. Projekte wie die von Tobias Mann moderierten „Late Night Comedy Shows“, bei der je drei Nachwuchs-Comedians ihr Können zeigen, kommen beim Publikum gut an. Und auch Eigenproduktionen wie das Musical „Feucht und Fröhlich e. V.“ von Frank Golischewski, mit Hildegard Bachmann, Ulrike Neradt, Magrit Sponheimer, Nick Benjamin, Heinz Meller und Norbert Roth, sollen in Zukunft fortgesetzt werden, erzählt Schulz.

    Ein Treffen alter Bekannter gab es auch im Wiesbadener thalhaus, das sein 30-jähriges Bestehen feierte. Mit Jongleur Sepp Strillinger, Zauberer MONSIEUR MAXX und Stimmenimitator Bernd Schmitt bewies das thalhaus nicht nur beim kleinen Mittwochs-Varieté Vielseitigkeit, indem es eine ungewöhnliche Mischung regionaler Varieté-Blüten auf die Bühne brachte. Zum Geburtstag ließ das thalhaus mit einer Ausstellung seine bewegte Geschichte Revue passieren, die 1977 mit der Gründung der freien Kulturinitiative Tripol im sogenannten HinterHaus begann. Auch beim Jubiläumsprogramm mit Musik, Theater und Kabarett erinnerten sich die Initiatoren an ihre Ursprünge und holten Künstler auf die Bühne, die die Tradition des Hauses geprägt haben. Darunter auch Querdenker und thalhaus-Kabarettist der ersten Stunde Heinrich Pachl, der mit seinem neuen Soloprogramm „Vertrauensstörende Maßnahmen“ gratulierte. „Die Stadt hat gar nicht begriffen, was das für eine Chance ist“, erinnert sich Holger Hebestreit, Mitbegründer und künstlerischer Leiter, an die „abenteuerlichen Arbeitsbedingungen“ der Anfangszeit. „Wir sind geplatzt vor Kreativität.“ Von Malerei über Druckgrafik bis hin zu Theater, Kabarett und Film habe die Kulturinitiative mit geringsten Mitteln das Beste herausgeholt, um die Kulturwüste Wiesbaden zu beleben. Anerkennung für dieses Engagement erhielten die Macher jedoch erst 1988 mit dem Kulturpreis der Landeshauptstadt. Heute bekommt das thalhaus, das sich zur Hälfte selbst finanziert, zwar Gelder von der Stadt. Aber mehrere Umzüge, die endlose Suche nach einem passenden Domizil und die finanziellen Nöte haben beim Verein Spuren hinterlassen. „Das Ziel, die Vielfalt der Kultur unter ein Dach zu bringen, besteht jedoch bis heute“, sagt Hebestreit.

    Zur beschaulichen Kleinkunstlandschaft im Rhein-Main-Gebiet gehören jedoch nicht nur die Bühnen der großen Städte. Auch die Brentano-Scheune in Oestrich-Winkel ist mittlerweile ein beliebter Treffpunkt für Kabarett- und Comedyfreunde und Garant für ein hochwertiges Programm. Vor vier Jahren als städtischer Eigenbetrieb gegründet, lockt die Bühne Besucher aus der gesamten Region in den Rheingau. Dennoch: „Es war ein schwieriger Beginn“, erinnert sich die künstlerische Leiterin Kathrin Schwedler. Komplett selbstfinanziert und ohne städtische Zuschüsse sei die Brentano-Scheune mit leeren Kassen gestartet, erzählt die Kulturjournalistin. Auch das Konzept, von Kabarett bis hin zu Konzerten alle Sparten zu bedienen, habe sich als nicht tragfähig erwiesen. Mittlerweile hat sich die Spielstätte im liebevoll sanierten Industriedenkmal auf Comedy und Kabarett spezialisiert und präsentiert zwei Veranstaltungen im Monat. Hinzu kommen Highlights wie das Mixed-Stand-up „Comedy-Ahoi!“, bei dessen fünfter Auflage im März fünf Comedians bei einer Nachtfahrt auf dem Rhein das Zwerchfell der Passagiere zum Vibrieren brachten. Comedy laufe gut und die Scheune mit ihren 197 Plätzen sei häufig ausverkauft, freut sich Schwedler. Unterstützt vom Förderverein KulturHölle, der mit einem eigenen Programm das Angebot des städtischen Eigenbetriebs ergänzt, hat sich hier eine runde Sache entwickelt. „Die Brentano-Scheune ist im Bewusstsein der Leute angekommen“, weiß Schwedler, die auf der Suche nach Neuem gerne auch Nachwuchskünstler einlädt und mit Wiederholungszeiten von ein bis zwei Jahren für Abwechslung sorgt. Nach der Findungsphase sei es nun wichtig, dass sich die Brentano-Scheune als Kulturbetrieb festige und die Ernte der intensiven Arbeit einfahre.

     

    Reinsehen – Matthias Jung sieht „Out of Hüffelsheim“

    Wer als „Ebschseider Bub“ aus der Nähe von Bad Kreuznach den Sprung über den Rhein wagt, muss entweder Mut haben oder verrückt sein. Matthias Jung, der mit seinem Programm „Out of Hüffelsheim“ in der Brentano-Scheune gastierte, hat von beidem ein bisschen. Als Diplom-Landei aus dem Dorf Hüffelsheim, in dem 280 der 300 Bewohner lediglich „Muh“ sagen können, sieht er die Welt mit anderen Augen: Ob beim Einkauf im Mode-Discounter, als Fahranfänger oder Besucher des Karnevals. Als Landei vom Dorf nimmt er die Besucher mit auf eine gnadenlos humorige Expedition und lässt sie die Welt mit seinen Augen sehen. Gestartet hat Jungs Karriere 2003 als Autor für die Harald Schmidt Show, 7 Tage, 7 Köpfe und andere TV-Produktionen. Doch nur für andere zu schreiben, das war dem Nachwuchs-Comedian zu langweilig. Mit erfolgreichen Auftritten bei gemischten Shows erspielte er sich einen Stammplatz in der Ausbilder-Schmidt-Show, mit der er eineinhalb Jahre tourte. Und auch beim Quatsch Comedy Club und bei Nightwash ist der Comedian ein gern gesehener Gast. In seinem Solo-Programm besticht Jung mit Natürlichkeit und Authentizität. Mit Hunsrücker Dialekt und im Schnodderton überzeugt er dabei durch die Spontaneität, mit der er das Publikum in sein Programm einbindet, und meistert selbst unerwartete Situationen mit einer Prise trockenen Humors und Selbstironie. Über sein Solo-Programm hinaus moderiert der 29-Jährige mit Lars Hohlfeld den Mainzer Comedy-Tresor und präsentiert seit Mitte April auch die Comedy-Lounge im Kulturcafé auf dem Campus der Uni Mainz. Bei diesem Elan werden wir sicher noch einiges von ihm hören.

    Das wollen wir mal sehn – Termine

    Unfug im Sinn hat Johannes Scherer. Mit seinem Programm „Scherereien reloaded“ ist der Comedian und Radiomoderator am 4. Juni im Mainzer unterhaus zu Gast. Unter dem Motto „Leiden halbieren, Lachen verdoppeln“ präsentiert Urban Priol am 22. Juni ab 20.30 Uhr im alten Höchster Schloss sein neues Programm „Tür zu“, mit dem er einen rasanten Sturzflug durch den täglichen Irrsinn wagt. Lustig geht es auch nach der Sommerpause am 28. September weiter. Beim Comedy-Tresor am Mainzer Schillerplatz präsentiert Ausbilder Schmidt Ausschnitte aus seinem neuen Programm „Ruck Zuck – Comedy zum Kuscheln“.

    Also, sich sehen lassen lohnt sich. Bis dahin viel Spaß vor und hinter den Bühnen wünscht

    Redaktion: Michael Smith

    2007-06-15 | Nr. 55 | Weitere Artikel von: Michael Smith