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    Ueli Bichsel und andere Clownerien


    Die Schweizer Künstlerbörse in Thun im Berner Oberland (29. April bis 2. Mai) macht es der deutschen Kleinkunstbörse in Freiburg i. Br. nach und zieht auf ein Messegelände namens Thun-Expo um. Allerdings nur temporär, das heißt, bis der in unmittelbarer Nähe zum schönen Thunersee gelegene Schadausaal umgebaut ist. Das soll in einem Jahr der Fall sein.

    Im Rahmen einer Gala zum Auftakt dieser Künstlerbörse wird der diesjährige Schweizer KleinKunstPreis der ktv (Vereinigung KünstlerInnen – Theater – VeranstalterInnen) an Ueli Bichsel verliehen. Die ktv ehrt damit einen Künstler, der „seinen eigenen Stil geprägt, und sich seinen eigenen Weg gebahnt hat“, wie der Dachverband der Schweizer Kleinkunstszene in einer Medienmitteilung festhält. Bichsel vereine in seinen Stücken „Welten, die eigentlich nicht zusammenzubringen sind“.

    In der Tat: Ueli Bichsel ist und macht vieles. In erster Linie ist er aber Clown. Einer ohne rote Nase. Dafür mit einer Traurigkeit, die richtig wehtun kann. Mit seinen oft völlig abstrusen Fantastereien lässt er umgekehrt die Herzen der Zuschauer fliegen, provoziert befreiende Lacher. Allein, aber noch mehr zusammen mit Partnern. So war Bichsel 17 Jahre im kongenialen Duo Lufthunde unterwegs, 13 Jahre mit dem Zirkus-Theater Federlos – dessen Tourneen bis nach Afrika führten. „Das Leben ist schon lustig genug“ war ein gemeinsames Programm mit Clownfrau Gardi Hutter. Und mit der jetzigen Partnerin Silvana Gargiulo brachte er bislang zwei – famose – Stücke auf die Bühne („Pec and Fevvers“ und „Ex – hübenwiedrüben“).

    Gardi Hutter übrigens, die in ihrer Clownrolle als Wäscherin angefangen hat, zur Sekretärin aufgestiegen ist und sich als Souffleuse unter die Bühnenbretter begeben hat, erarbeitet zurzeit ein neues Soloprogramm: „Die Schneiderin“ heißt es, handelt von der Endlichkeit des Seins und der Unendlichkeit des Spiels, und wird im kommenden Oktober in Berlin Premiere haben. Regie führt der künstlerische Leiter der Familie Flöz, Michael Vogel.

    Gardi Hutter und Ueli Bichsel waren in jüngerer Zeit nicht nur auf der Bühne aktiv, sondern auch hinter den Kulissen von Humorveranstaltungen. Erstere verantwortet das grenzüberschreitende Komik + Ko Fabrikfestival mit, das letztes Jahr im St. Galler Rheintal, wo sie herstammt, und in Vorarlberg (Österreich) zum zweiten Mal über diverse Bühnen ging. Letzterer hat im vergangenen November/Dezember auf der Bühne S in Zürich ein Theaterfestival unter dem Titel „Tulpenfliegen“ initiiert. Dabei kam es auch zu einer Premiere: Nina Dimitri (Tochter von Clown-Legende Dimitri) und Silvana Gargiulo (einst Absolventin der Dimitri-Clownschule) zeigten ihr „Concerto Rumoristico“ – ein wunderbar komischer Abend zweier äußerst unterschiedlicher Frauen.

    Ein weiterer Schweizer Clown hat soeben eine erfolgreich verlaufene Tournee abgeschlossen. „Brass Circus“ war ein gemeinsames Projekt von Olli Hauenstein und der Philharmonie Brass Zürich – Generell 5.

    Nun aber genug der „Clownerien“ – schließlich hat die Schweizer Kleinkunstszene nicht nur diesbezüglich viel zu bieten. Michel Gammenthaler, Zauberer und Stand-up-Comedian, erhält dieses Jahr den Salzburger Stier. Nach drei abendfüllenden Programmen sei die „Mischung aus Magie und Kabarett definitiv sein Markenzeichen geworden“, wie die Jury festhält. Dem lässt sich ohne jede Widerrede zustimmen.

    Schließlich noch einige Hinweise auf Uraufführungen neuer Stücke in diesen Wochen. Der Bündner Komiker Claudio Zuccolini ist mit einem zweiten Solo unterwegs, das sich „Das Erfolgsprogramm“ nennt. Beat Schlatter/Patrick Frey lassen auf „Der beliebte Bruder“ ein zweites Programm zu zweit folgen. Die Ausgangslage für „Das Drama“ klingt so simpel wie vielversprechend, wenn zwei Drittel des ehemaligen Kabaretts Götterspass sich zusammentun: Zwei Komiker haben genug vom Lustigsein und wollen endlich auch mal etwas Ernstes mit Tiefgang spielen. Beim Versuch, eine tiefschürfende Tragödie um Liebe, Lust und Leidenschaft zu inszenieren, stoßen die beiden Spaßvögel an ihre künstlerischen Grenzen und setzen dabei nicht nur ihren guten Ruf, sondern auch ihr Leben aufs Spiel. Die A-cappella-Frauengruppe Acapickels, die einzig wahre Heart-Chor-Band, ist seit vorletztem Jahr Geschichte. Zwei der Damen (Fritz Bisenz und Jasmin Clamor alias Barbara Hutzenlaub und Lotti Stäubli) haben sich bereits wieder gefunden und sind, nach ersten Auftritten im letzten Jahr, als Gessler-Zwillinge ab Herbst auf Tour – zweistimmig im Einklang sozusagen, und begleitet von einer Bigband. Die beiden andern Acapickels-Mitglieder, Denise Geiser aka Juliette Blamae und Regula Esposito aka Helga Schneider, versuchen es solo. „Wege zu mir“, heißt das deutsch-französischsprachige Stück von Denise Geiser, und es enthält Chansons von Schubert bis Shakira. Regula Espositos „Helga is bag“ – eine kabarettistisch-musikalisch-poetische Satire mit psychologischem Tiefgang – wird im September in Zürich uraufgeführt werden.

    Und ganz zum Schluss zwei Meldungen aus der Kuriositätenecke. Am Humorfestival in Arosa wurde im letzten Dezember dem ehemalige Radiopirat und Sat.1-Geschäftsführer Roger Schawinski die Humor-Schaufel 2009 verliehen. Es sind nicht einmal sonderlich böse Zungen, die behaupten, „Schawi“ habe verschiedene Talente, aber Humor gehöre zumindest im Rahmen des beruflichen Schaffens ganz bestimmt nicht zu seinen herausragenden Eigenschaften.

    Kuriosum Nummer 2 ist die Meldung, dass Michael von der Heide im Mai für die Schweiz am Eurovision Song Contest teilnehmen will. Der in der Kleinkunstszene groß gewordene Chansonier kann gar nicht schlechter abschneiden als prominente Vorgänger wie Lovebugs oder DJ Bobo. Wetten, dass auch von der Heide sich unter die Nullnummern einreihen wird? Wobei die französisch gesungene, an Banalität kaum zu übertreffende Disco-Stampf-Nummer dem Niveau dieses unsäglichen Wettbewerbs haargenau entspricht und er damit weit vorne rangieren müsste.

    Redaktion: Hans Bärtsch

     

    Termine:

     

    April bis Dezember: 

    Das Zelt (www.daszelt.ch) in diversen Städten, u. a. mitLa Famiglia Dimitri, Massimo Rocchi, Lapsus, Bliss, Fabian Unteregger, Caveman, Philipp Fankhauser, Simon Enzler, Umberto Tozzi, Rolf Schmid, Duo Fischbach und Polo Hofer  

    Bis 11. April:
    Zürich, Theater am Hechtplatz (www.theaterhechtplatz.ch),    Jörg Schneider und Vincenzo Biagi, „Scho wieder Sunntig“  

    21. April bis 1. Mai:
    Luzern, Kleintheater (www.kleintheater.ch),

    5. bis 7. Mai:
    Winterthur, Casino-Theater (www.casinotheater.ch)                      Massimo Rocchi, „rocCHipedia“  

    29. April bis 2. Mai:
    Thun, Schweizer Künstlerbörse (www.ktv.ch)  

    5. bis 8. Mai:
    St. Gallen, Kellerbühne (www.kellerbuehne.ch), Hanspeter Müller-Drossaart, „Unteranderem – Überleben Sie gut!“  

    14. bis 16. Mai:
    Zürich, Bernhard-Theater (www.bernhard-theater.ch),                    Geschwister Pfister, „In The Clinic“  

    26. bis 29. Mai und  3. bis 6. Juni
    Olten, Kabarett-Tage (www.kabarett.ch)

    27. Mai bis 5. Juni:
    Zürich, Spektakuli (www.millers-studio.ch) u. a. mit Rolf Miller, Armin Fischer, Hagen Rether, Helge & Das Udo und Helfried  

    28./29. Mai:
    Zürich, Migros-Hochhaus (www.imhochhaus.ch),  Andy Häussler, „Gedankenwelten“

     

     

     

    2010-03-15 | Nr. 66 | Weitere Artikel von: Hans Bärtsch