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  • Szenen Regionen :: Stuttgart

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    Urlaub unter Palmen im eigenen Keller


    Das Renitenztheater, welches im nächsten Jahr sein 50. Jubiläum feiert, hat ein neues Hausprogramm, ein satirisch bearbeitetes Stück von Jean Michel Räber: „Unter Palmen“. Es passt gut in unsere Zeit. Ein Ehepaar hat nach einem Aktien-Totalverlust kein Geld mehr für den Urlaub und verbringt ihn „undercover“ im eigenen Keller. Verwandte und Nachbarn müssen getäuscht werden. Eine Höhensonne sorgt für Urlaubsbräune, Spezialitäten und Getränke zum Supersonderpreis für exotische Selbsttäuschung. Claudia Dölker als Gisela und Hartmut Scheying als Horst liefern sich eine Mixtur aus Anmache und Szenen einer Ehe. Die Lage eskaliert, als ein Einbrecher erscheint, der genauso aussieht, wie ein grade im Radio gesuchter Bombenleger. Sie überwältigen und fesseln ihn. Satirisch steigert sich das Stück nach der Pause. Anspielungen auf verbrecherische Banker, die ungestraft davonkommen, und einfache Leute, die vier Maultaschen in ihrem Betrieb mitnehmen und gleich entlassen werden. Über Arbeitslose, die morgens regelmäßig aus dem Haus gehen, um Familie und Nachbarn zu täuschen. Horst: „Es gibt eine Feigheit, da hab ich Verständnis für“. Der Einbrecher namens Walter – Manuel Struffolino – entpuppt sich als Ex-Arbeitskollege von Horst, der eine Woche zu früh gekommen ist, um für einen Versicherungsbetrug das Haus auszuräumen. Die Geschichte wird durch Songs unterbrochen, wobei sich Scheying als versierter Pianist outet. Gut gespielt, professionell gesungen – nur der satirische Anteil könnte noch etwas schärfer sein.

    Neben diesem Programm gab es immer wieder illustre Gäste wie Faltsch Wagoni mit der Stuttgart-Premiere von „Wort und Wild“, einem Musikkabarett der Extraklasse. Ottfried Fischer gastierte mit „Wo meine Sonne scheint“; Carmela de Feo, Werner Koczwara und das Düsseldorfer Kom(m)ödchen traten ebenfalls auf.

    Vom 26.3. bis 6.4. findet hier die 6. Deutsch-Türkische Kabarettwoche statt, unter anderem mit dem „Hassprediger“ Serdar Somuncu, Sinasi Dikmen, Bülent Ceylan und Muhsin Omurca.

    Es folgt das Stuttgarter Kabarett-Festival der „Erzeugergemeinschaft Stuttgarter Kabarett“, in der sich das Theaterhaus, das Laboratorium, das Merlin, die Rosenau und das Renitenz zusammengeschlossen haben. Der Reigen im Renitenz reicht von Ottfried Fischer über Frank Lüdecke, Bodo Wartke, Hagen Rether, Reiner Kröhnert, Simone Solga bis zur Gewinnerin des Stuttgarter Besens 2009, Carmela de Feo. Auch in diesem Jahr wird der Wettbewerb um den Stuttgarter Besen unter der Moderation von Dieter Moor wieder ausgetragen.

    In der Rosenau gab es das neue Programm von Backblech: „Höllauf beGEISTert“. Comedy Popdramen nennen Backblech ihre drei Programme. Das Thema Zweierbeziehung steht auch diesmal wieder im Vordergrund. Sie hat jetzt ihre Liebe zu Meditation, Esoterik und Klangschalen entdeckt; er versucht, durch Coaching seine Karriere voranzutreiben. Immer nach dem Motto: „Glück ist ein kurzer Moment, aber eine lange Erinnerung“. Realsatiren aus der Szene, schöne Soli, und Ensemblenummern wechseln sich mit perfekten, dreistimmigen Gesangseinlagen ab – eine besondere Spezialität dieser Gruppe.

    Von „Kriminaltango“ über Cindy Laupers „True Colours“ bis zum souligen „Think“ von Aretha Franklin reicht das Spektrum. Das Publikum erkennt sich in vielen Szenen selbst wieder, lacht und spart nicht mit Zwischenapplaus. Wohnungseinrichtungen, Zappen durch TV-Programme, Essgewohnheiten und Freizeitsport werden augenzwinkernd durch den Kakao gezogen. Sigi Gall, Cherry Gehring und James Geier, der diesmal auch mehr als Darsteller zur Geltung kommt, haben unter der Regie von Patricia Moresco ein kurzweiliges, kompaktes, neues Programm mit flüssigen Übergängen hinbekommen.

    Die Rosenau hatte für 2010 zum ersten Mal eine institutionelle Förderung von 140.000 beantragt. Nach dem großen Streichkonzert, von dem außer dem Staatstheater praktisch alle Stuttgarter Bühnen betroffen waren, blieben für die Rosenau gerade noch 35.000 Euro über. Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben. Dabei macht die Bühne mit Poetry-Slam und OpenStage Bühne gute Nachwuchsarbeit und hat auch immer wieder bekannte Kleinkünstler wie Uli Keuler, von Hirschhausen, Malmsheimer, Rolf Miller oder Lars Reichow im Programm.

    Im Merlin gab es den Neujahrsempfang der Anstifter, traditionell mit Linsensuppe und Kabarett mit Peter Grohmann. Ein Mann, der ununterbrochen politisch aktiv ist und immer noch Zeit für seine bitterbösen Satiren findet.

    Im Januar fand im Merlin das Festival „Pop Freaks“ statt, ein gelungener Versuch, innovative Gruppen in Stuttgart zu präsentieren.

    Das Theaterhaus feiert am 29. März sein 25-jähriges Bestehen. Alles begann im Kleinen mit viel Eigeninitiative 1984, als die Überreste des SWR-Olympiastudios von freiwilligen Helfern in ein altes Fabrikgebäude in Stuttgart-Wangen transportiert wurden. Ab März 1985 wurde es zur Heimat von Hüsch, der Kleinen Tierschau; alle bekannten Kleinkünstler, viele berühmte Jazzer und Theaterkompanien gaben sich hier die Klinke in die Hand. Vor sieben Jahren ist das Haus auf den Pragsattel umgezogen und hat in dieser Zeit mit knapp 2 Millionen Zuschauern genauso viele angezogen wie in den 18 Jahren am alten Standort. Fester Bestandteil des Hauses sind das internationale Theaterhausensemble und seit einiger Zeit die Gautier Dance Company.

    In Esslingen präsentierten die Galgenstricke ihr Erfolgsprogramm „Spekulatius und Googlehupf“ sowie Erich Koslowski sein „Alzheimer“-Programm „Bettnäss Wellnes“. Als Gäste empfingen sie Tommy Mammels Nachtausgabe, Peter Vollmer mit „Wenn Männer zu sehr 40 werden“, passend zum „40-jährigen Bühnenjubiläum“ von Thomas Felder, dem bekannten Streiter gegen Atomkraftwerke, gegen das Vergessen der Nazizeit und für die Friedensbewegung. Bei manchen dieser Gigs tritt er mit seiner Tochter, der bekannten Rockerin Johanna Zeul, gemeinsam auf. Solidaritätsauftritte bei großen politischen Aktionen sind für Felder der Normalfall: Kein Wunder, dass er auch eine gute Darbietung bei den Montagsdemonstrationen gegen das Mammutprojekt Stuttgart 21 am Hauptbahnhof hinlegte.

    Auf der anderen Neckarseite fand im Kulturzentrum Dieselstrasse das 7. Festival „Komische Zeiten“ statt. Klaus Peter Schreiner, der Texter der Lach- und Schießgesellschaft seit ihrer Gründung im Jahre 1956, eröffnete das Festival, gefolgt von Sebastian Krämer, Malediva und Jess Jochimsen sowie weiteren namhaften Künstlern.

    Redaktion: Bruno Schollenbruch

     Bernd Lafrenz 

    Kalender:

     

    Stuttgart

     

    Theaterhaus:

    05.04.10          Juliette Greco

    09.04.10          Frau Jahnke lädt ein

    14.04.09          Jörg Maurer

    05.05.10          Harry Rowohlt

    20.05.10          Volker Pispers

     

    Renitenztheater:

    27.04.–30.04. HEINZ

    01.–02.05.10   Reiner Kröhnert

    07.–08.05.10   Leipziger academixer

    18.–23.05.10   Ernst und Heinrich

    24.–26.06.10   Arnulf Rating

     

    Rosenau:

    25.03.10          Sebastian Krämer

    15.04.10          Vince Ebert

    23.04.10          Sebastian Schnoy

    21.04.10          Uta Köbenick

     

    ESSLINGEN

    Dieselstrasse:

    17.04.10                        Butzko

    08.05.10                        Helmschrot

    AdNr:1012 

    2010-03-15 | Nr. 66 | Weitere Artikel von: Bruno Schollenbruch