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    Marionetten eingebunden in „Menschentheater“

    Nicht erst seit den Muppets ist deutlich geworden, wie gut sich Puppen oder – wie in folgend beschriebener Produktion – Marionetten dazu eignen, eine Theaterproduktion lebendiger und interessanter zu machen. In Perfektion gelang dies zuletzt bei der Musical-Produktion „König der Löwen“, in welcher die darstellerische Beziehung zwischen Schauspielern und den von ihnen gespielten Puppen zeigt, wie fantasievoll der Einsatz von Puppen und Schauspielern nebeneinander auf einer Bühne sein kann.

    Im Norden Deutschlands geht das Team junges theater spectaculum e. V. einen Schritt weiter und bindet Filmaufnahmen von Marionetten überdimensional vergrößert in die Produktion seiner jüngsten Aufführung des „Faust – Der Tragödie erster Teil“ ein. Insbesondere bei der Szene der Walpurgisnacht ist dieser Einfall unschlagbar, wenn überdimensionale Hexen über die Leinwand fegen. Die Marionetten stammen vom Marionettentheater Hansen aus Münstermaifeld bei Koblenz, das es eigentlich so gar nicht mehr gibt, denn Familie Hansen hat Ende 2003 den Spielbetrieb aus Altersgründen eingestellt. Die Marionetten des Theaters, knapp 300 von Heinz Hansen, dem ehemaligen Bühnenbildner des Stadttheaters Koblenz, geschnitzte Werke, leben weiter. Sie werden hin und wieder ausgestellt, auf Messen oder in der Werbung eingesetzt. Für die Faust-Produktion erwachen sie nochmals zum Leben und zeigen ihre darstellerische, atemberaubende Wirkung, die mit den menschlichen Schauspielern durchaus auf einer Ebene steht. Seit 1990 gibt es den Verein junges theater spectaculum e. V. aus Kiel, und schon seit 1988 produziert man dort gemeinsam mit vielen Amateurdarstellern und -musikern, Sportlern und Technikern unter der Leitung von Gunter Hagelberg Aufführungen, ohne den Spaß daran zu verlieren oder müde zu werden, und füllt damit ganze Stadthallen. Die hohe Qualität der Theaterproduktionen des Vereins hat sich überregional herumgesprochen und ein Besuch lohnt sich sicher, nicht nur aufgrund des Einsatzes der fantasievollen Marionetten, sondern auch wegen der interessanten Bearbeitung dieser Faustinszenierung als Theatermusical.

    Goethes großer Wunsch war es immer gewesen, einen Komponisten zu finden, der seinen „Faust“ vertont. Verschiedene Vorschläge (Zelter, Eberwein, Radziwill) führten nicht zu dem gewünschten Gesamtkonzept. „Mozart hätte den Faust komponieren müssen!“, das fiel dem Dichter aber leider erst 1829 ein (Gespräch mit Eckermann, 12.02.1829). Mozart war zu diesem Zeitpunkt bereits 38 Jahre tot. Wenn es auch nicht nachträglich möglich ist, den Wunsch Goethes zu erfüllen, so wurden einzelne Szenen und Monologe durch Chor- und Sologesang ergänzt – manchmal mit Musik von Mozart, Brahms und Rheinberger, manchmal mit eigenen Kompositionen aus dem Bereich Rock/Jazz (Walpurgisnacht, Hexenküche und kraftvolle Passagen Mephistos und Fausts).

    Aufgeführt wird die neue Faustproduktion ab November 2007 bis vorerst Februar 2008 in Preetz, dem Kieler Schloss, der Stadthalle Neumünster, in Flensburg, im Kolosseum Lübeck, in Plön und in Itzehoe. Informationen und Aufführungstermine finden Sie im Internet unter www.spectaculumev.de oder erhalten sie bei Gunter Hagelberg, Tel. 0 43 44-13 18.

     

    Redaktion: Claas Hansen


    2007-12-15 | Nr. 57 | Weitere Artikel von: Claas Hansen