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    Über Sinn, Unsinn und aktuelle Entwicklungen der Künstlersozialkasse (KSK)

    Künstler waren schon immer anders als der Rest der Gesellschaft. Künstler haben die Gesellschaft vorangetrieben, haben ihr den Spiegel vorgehalten und sie verhöhnt.

    Trotzdem – oder gerade deshalb – hat „die Gesellschaft“ Anfang der 80er-Jahre die Künstlersozialkasse (KSK) geschaffen. Ziel war es, den kritischen, aber oft wirtschaftlich erfolglosen Künstlern die Möglichkeit einer sozialen Absicherung zu geben. Alle freien Künstler und Publizisten wurden damit sozialversicherungspflichtig. Laut Gesetz können sie sich gar nicht aussuchen, ob sie das möchten … sie müssen! Und so schnell kommen sie da nicht wieder raus – außer sie geben ihre freie künstlerische Tätigkeit auf oder verdienen richtig viel Geld.

    Insgesamt gesehen ist es für die meisten Künstler auch sinnvoll, in die KSK zu gehen. Der zentrale Vorteil ist, dass man für wenig Geld in der gesetzlichen Krankenversicherung (mit Pflegeversicherung) versichert ist. Dort hat man Anspruch auf das übliche Leistungsspektrum gesetzlicher Krankenkassen sowie auf Krankentagegeld ab der 7. Woche einer Arbeitsunfähigkeit (kann auf Antrag und gegen Mehrbeitrag vorgezogen werden).

    Der zentrale Nachteil dagegen ist aus meiner Sicht – und darüber kann man sicherlich streiten – die Pflicht, in die gesetzliche Rentenversicherung einzubezahlen. Die gesetzliche Rentenversicherung gibt das Geld, das wir ihr heute geben, heute auch gleich wieder aus. Empfänger sind unsere Eltern, die gerade Rentner geworden sind. Beschönigend wird das auch „Generationenvertrag“ genannt. In „guten“ Zeiten geht dieser auch auf! In „schlechten“ Zeiten, wo die Geburtenrate sinkt und es immer mehr alte Menschen gibt, bringt er das „Umlageverfahren“ zum Platzen.

    Ob es nun sinnvoll ist, den Aufnahmeantrag bei der KSK zu stellen oder nicht, ist letztlich ein einfaches Rechenexempel. Grundsätzlich kann man sagen, dass alle, die nur ein durchschnittliches bzw. ein unterdurchschnittliches Einkommen mit ihrer Kunst erzielen, immer besser fahren mit der KSK. Ab einem Jahres-Einkommen von rund 30.000 Euro sollte man allerdings die Beiträge und Leistungen der KSK mit einem privaten Versicherungs-Modell vergleichen. Jeder muss seine individuelle Situation prüfen und entscheiden, was notwendig ist und was nicht und wieviel an Beiträgen fällig wird. Hängt z. B. eine Familie mit an der sozialen Absicherung, wird es immer uninteressanter, aus der KSK auszusteigen.

    Was ändert sich aber nun konkret bei der KSK?

    Für die Versicherten ändert sich vergleichsweise wenig. Sie müssen mit verstärkten Kontrollen rechnen und sich darauf einstellen, dass der Beitrag demnächst auch entsprechend dem tatsächlichen, aktuellen Einkommen zu zahlen ist.

    Für die Verwerter von künstlerischen Diensten wird sich dagegen deutlich mehr ändern. Diese Unternehmen werden zunehmend selektiert und es wird geprüft werden, ob sie auch ihre Künstlersozialabgabe (deren Satz deutlich gestiegen ist) geleistet haben. Zur Verfügung stehen der KSK dafür deutlich mehr Mitarbeiter als bisher, die von der Deutschen Rentenversicherung kommen.

    FairsicherungsladenVerwerter, das sind in erster Linie Unternehmen aus dem Veranstaltungssektor wie Konzert- und Gastspieldirektionen, Orchester und Varieté-Unternehmen, aber auch PR- und Multimedia-Agenturen. Bisher vergessen wurden oft Unternehmen, die für ihre Unternehmenszwecke Öffentlichkeitsarbeit und Werbung betreiben und dabei nicht nur gelegentlich Aufträge an selbstständige Künstler und Publizisten erteilen.

    Die KSK wird es also weiterhin der zentrale Pfeiler der sozialen Absicherung von Künstlern und Publizisten bleiben. Ob die KSK-Versicherung für den einzelnen Künstler sinnvoll ist, muss eine individuelle Prüfung ergeben. Sinnvoll ist in jedem Fall eine private Ergänzung der gesetzlichen Rentenversicherung. Möglich ist zum Beispiel auch die staatlich bezuschusste Riester-Rente.

    „Wärmer anziehen“ und melden bei der KSK müssen sich insbesondere die Verwerter von künstlerischen Dienstleistungen.

    Christian Grüner, Wuppertal/Hagen

    (Fairsicherungsladen)

    AdNr:1002

     

    2007-12-15 | Nr. 57 | Weitere Artikel von: Christian Grüner