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  • Szenen Regionen :: München

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    Jamsession auf höchstem Niveau

    Edles Styling als Rahmen für den gepflegten Musikkabarett-Genuss? Fehlanzeige! Die Bühne des Theaters im Fraunhofer wirkt wie der Proberaum eines 12-köpfigen Orchesters und das Gefühl, doch eher einer Jamsession beizuwohnen, steigert sich, wenn das Trio Les Derhos’n die Bühne betritt: statt Frack und Abendkleid – Leopardentop und Lederhosen. Dann legen sie los und wechseln Instrumente, Rollen und Genres, dass es eine helle Freude ist:

    Martin Lidl, dessen martialisches R wie bei allen Maatins irgendwann wegkastriert wurde, mutiert vom „Weichspüler der Nation“ zum „schönen Lidl“, der weiß und kann, was Frau erträumt. Wer glaubt, das muss ein Lausbub sein, der sich in bester Westernmanier eins pfeift, liegt weit daneben. Spätestens bei „Leichen im Keller“ entpuppt sich Michaila Kühnemann mit samtig-dunkler Stimme als männermordender Vamp – Gänsehaut garantiert! Als Conférencier der Truppe führt Michi Marchner, das Publikum hemmungslos duzend, durch den Abend, spielt ein Bass-Solo in bester Rockermanier hinter dem Rücken – mit einem Kontrabass wohlgemerkt – und lässt auch sonst nichts aus, was ihm die Spielfreude eingibt. Aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen werden mit bissigen Seitenhieben abgehandelt, denn im Mittelpunkt steht bei den Les Derhos’n das Leben, frei nach dem grafschen Motto: denn leben muss man, aber keiner kann’s.

    Seit 14 Jahren bereichern sie nun die Münchner Kleinkunstszene: Hinreißend direkt und köstlich boshaft erzählen, singen und schauspielern die Multiinstrumentalisten in einer Mischung aus fein-derbem Humor und bittersüßer Melancholie ihre Gschichtln, untermalt von einer Unmenge an Instrumenten. Ob Landler, Dreigsang oder Gstanzl, Rap, Punk oder Chanson, ob Crossover oder stilistisch saubere Reinform – hier stehen unüberhörbar drei professionelle Musiker auf der Bühne. Folglich sind alle drei auch regelmäßig in anderen musikalischen Formationen zu hören. Grund genug, die Globalistas zu gründen, um alle Projekte zumindest formal unter einen Hut zu bringen. Eine Künstlerselbstverwaltung (KSV) wird das Ganze werden und zum ersten Mal 2007 auf der Freiburger Kulturbörse in Erscheinung treten.

     

    2006-09-15 | Nr. 52 |