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    Palast-Phantasie

    Am 9. Oktober hatte endlich die mit Spannung erwartete neue Revue „Qi – eine Palast-Phantasie“ des Friedrichstadtpalastes ihre Premiere. Es gibt keine pseudophilosophischen Texte mehr, keine oft undurchsichtige Spielhandlung, keine unausgefüllte Bühne. Mit dem gewählten Slogan der „Palast-Phantasie“ lassen sich die einzelnen Revue-Bilder locker zusammenfassen. Es gibt schöne, farbenprächtige Ballett-Bilder und natürlich die Girlreihen (dieses Mal gibt es sogar zwei, eine davon gemischt mit den Herren des Balletts). Die Kostüme sind opulent und farbenprächtig, die Musik von Frank Nimsgern mit einer Palette von Klassik bis Rock und Pop eingängig. Beeindruckend ist das Bühnenbild von Heinz Hauser, besonders seine Lichtinstallationen: Tausende LEDs, die ständig wechselnde Effekte erzeugen und auch den Eindruck von Sternen und Monden vermitteln können; aber ebenso die geglückten Übergänge zwischen den Bildern, wie sein geschicktes Einbinden der Riesen-Eisfläche, die beinahe unsichtbar erscheint und verschwindet, oder die schwebenden Geigen, womit er der großen Bühne völlig neue Dimensionen gibt. Aus dem Wasserbecken taucht ein den Ausmaßen der Bühne entsprechender Riesen-Lüster auf, in dem sich eine Schöne räkelt. Die erneuerte Maschinerie des Hauses wird strapaziert und präsentiert und demonstriert die vielfältigen Möglichkeiten der weltgrößten Bühne.

    Harry KeatonAus den USA wurde der Eislauf-Illusionist Steve Wheeler verpflichtet, der mit eigenem Eis-Ballett anreiste und einen wesentlichen Programmteil beansprucht. Wheeler zeigt Großillusionen; etwas weniger ausgedehnten Eistanz und dafür etwas mehr Magie hätte man sich bei diesem relativ langen Programmteil schon gewünscht.

    Da glücklicherweise auf das gesprochene Wort verzichtet wurde, hat man als Klammer der einzelnen Bilder die Comedians Galina & Sonny Hayes eingesetzt, die mit Comedy-Magie und originellen Einfällen vor dem Vorhang agieren, eine Aufgabe, die sie bei den Dimensionen des Hauses mitunter nur schwer erfüllen können.

    Wie Intendant Dr. Bernd Schmidt versprochen hatte, wurde in „Qi“ der Focus wieder verstärkt auf die Artistik gerichtet, und so hat man zwei Spitzendarbietungen engagiert: die Flying Cranes, eine Flugtrapezdarbietung, die ihre Wirkung vor allem durch die Flüge und Passagen zu den unterschiedlichen Ebenen ihres Apparates bezieht, und der großartige Jongleur Viktor Kee, der in Perfektion seine Balljonglage mit akrobatischen und tänzerischen Elementen verbindet und seiner körperbetonten Arbeit eine erotische Note gibt. Für Erotik sorgte auch die Tanzakrobatik des Duos 2Men, die in einem Zungenkuss endet.

    Mit „Qi“ ist eine moderne Revue entstanden, die ihre klassischen Wurzeln nicht verleugnet und mit diesem Neuanfang zu einer Form findet, die dem Haus adäquat ist.

     La mer - LufttheaterTrotz Insolvenz geht der Betrieb im Wintergarten-Varieté weiter, und am 16. Oktober gab es die Premiere des neuen Programms „Orientalis oder Die Magie des Morgenlandes“, das bis 7. Februar 2009 zu sehen ist. Für die Verhältnisse der Wintergarten-Bühne fast opulent das Bühnenbild, das durch Projektionen die verschiedensten orientalischen Bilder entstehen lässt. Morgenlandgerecht auch ein Ballett unter Christelle Gilles, das den einzelnen Darbietungen den stilgerechten Rahmen verleiht. Als „Klammer“ des Programms dienen Kurzauftritte des Geräuschimitators Fabien Kachev, der sich allerdings vor allem in der ersten Programm-Hälfte recht schwer tut. Die akrobatischen Auftritte sind dem Thema angepasst und zeigen zum Teil seltene Genres, so den Klischnigger Hugo Zamoratte mit seinen unglaublichen Verbiegungen. Auch das Schwertschlucken ist nur noch selten zu sehen; dies sowie das Schlucken einer Leuchtstoffröhre zeigt Jan Unestam in Fakiraufmachung als Comedynummer, das ist manchmal geschmacklich ein wenig gewöhnungsbedürftig. Ungewöhnlich auch Jochen Schells Kreiseljonglage. An Strapaten arbeitet Anastasia Markelova; eine ausgereifte Akrobatik zeigt die Gruppe Sea World, diese vier ukrainischen Artisten beeindrucken mit ihren Kombinationen aus Pyramiden und einarmigen Handständen. Eine Spitzendarbietung zeigt auch Jose Casierra auf dem Federseil, zu seinen Tricks gehören u. a. Drehsprünge, Sprünge aus dem Sitz und ein Salto aus dem Sitz.

    Originell ist der Einsatz der Sandmalerei von The Deserts, die dabei entstehenden Bilder werden auf die Bühne projiziert und ergeben aus den mit den Fingern gezogenen Linien verblüffende Bilder.

    Zum zweiten Mal präsentiert sich Hans-Peter Wodarz’ Palazzo vom 30. September 2008 bis 8. Februar 2009 am Berliner Hauptbahnhof. Markenzeichen seines „Concerto für Ente, Salbei & Chilischokoladekuchen“ sind auch dieses Mal die singenden Kellner, die eine musikalische Palette zwischen Pop und Orff zum Besten geben, ihre Auftritte erscheinen dieses Jahr straffer und auch musikalisch überzeugender als im Vorjahr. Der akrobatische Teil des Programms war eine Überraschung ob der durchweg ausgezeichneten Darbietungen. Als ein Glücksgriff erweist sich der Comedy-Jongleur Michael Davis aus den USA: Seine Jonglagen – so mit Bowlingball, Apfel und Ei oder mit Säbel, Axt und Fleischerbeil oder seine originelle Mundballjonglage – sind gekonnt und absolut komisch verkauft, er besticht durch einen trockenen Humor. Eine sehr kraftvolle Akrobatik an Strapaten zeigt Shersten Finley, u. a. einen Spagathang; ausgezeichnet choreografiert und ebenfalls mit überzeugenden Tricks: Iryna Demska am Luftring. Die Akrobatentruppe Hakuna Matata aus Tansania sprengte vielleicht etwas den eher intimen Rahmen des Spiegelzeltes, aber ihre Pyramiden und vor allem die Mastarbeit gefielen dem Publikum. Artistische Kammerkunst boten gleich zwei Acts: Petr Spatina aus Tschechien produzierte außergewöhnliche Klänge auf der nur noch selten zu sehenden Glasharfe, und etwas, was wohl kaum auf Bühnen zu sehen ist, präsentierte Dennis Schleussner: Der Jo-Jo-Weltmeister ließ seine Jo-Jos fliegen und die unwahrscheinlichsten Figuren formen. Eine absolute Spitzendarbietung boten die jungen Ukrainerinnen Yulia & Natalia mit ihrer Kombination von Partneräquilibristik und Kontorsionistik. Wie die beiden ihre Handstände und kontorsionistischen Figuren miteinander verbanden, lässt sich nicht beschreiben und ist ganz einfach Hohe Schule der Akrobatik.

    Allein die artistischen Darbietungen machen das neue Palazzo-Programm zum Genuss, aber natürlich spielt bei Hans-Peter Wodarz auch die Gastronomie eine Hauptrolle, und das Fünf-Gänge-Menü von Gerd Hammes ist ausgezeichnet.

    Während die neue Revue des Friedrichstadtpalastes auch im Jahre 2009 auf dem Spielplan steht und das Chamäleon die Produktion „myLife“ bis 1. März 2009 fortsetzt, kündigt der Wintergarten ab 12. Februar 2009 eine „Internationale Varietéshow“ an.

    Redaktion: Dietmar Winkler

    AdNr:1032  AdNr:1058 

    2008-12-15 | Nr. 61 | Weitere Artikel von: Dietmar Winkler