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    „Baut’s a Freibad in Stinatz“

    Dieser etwas unkonventionelle Titel ist dem Programm „Erbarmungslos“ von Thomas Stipsits entnommen. Sie werden nun zu Recht fragen: Wo liegt Stinatz und warum ist gerade dieser Ort erwähnenswert? Stinatz ist eine 1.400 Einwohner zählende Pendlergemeinde mit überwiegend kroatischer Bevölkerung im östlichsten österreichischen Bundesland, dem Burgenland. Das zeichnet Stinatz allerdings auch noch nicht aus. Vielmehr ist es die Tatsache, dass gerade diese Gemeinde unproportional viele Kabarettisten und Musiker hervorgebracht hat und hervorbringt. Ebenso oft wird sie lautmalerisch besungen. Zum Beispiel von der steirischen Musikgruppe STS, die in ihrem legendären Hit „Fürstenfeld“ den ständig schwelenden Konflikt Wien ‑ Restösterreich aufzeigt, „Niemals spiel i mehr in Wien / Wien hat mi gar net verdient / I spiel höchstens no in Graz / Sinabelkirchen und Stinatz“. Aus Stinatz gebürtig sind auch die Brüder Resetarits. Lukas, der vor kurzem sein neues Programm „Nachspielzeit“ vorgestellt hat (dazu später) und Willi Resetarits, auch bekannt als Dr. Kurt Ostbahn oder kurz Ostbahn-Kurti. Dieser wiederum ist Mitbegründer des Wiener Integrationshauses. Und dieses erhält die Einnahmen aus dem Stipsits-Freibad-Projekt, wenn aus irgendwelchen Gründen zu wenig Geld für besagtes Freibad zusammenkommen sollte. Abgesammelt werden Spenden regelmäßig nach den Vorstellungen – und so wie’s aussieht, werden noch sehr viele Vorstellungen des Programms „Erbarmungslos“ gespielt. Das Programm spielt selbstverständlich teilweise auch in Stinatz, ein ganz wichtiger Koffer mit noch wichtigerem Inhalt ist verschwunden – wir erfahren allerdings nie, was im Koffer ist. Egal, denn die Reise, die der Protagonist unternehmen muss, ist spannend und unterhaltsam. Thomas Stipsits, halb Burgenländer, halb Steirer, gilt als eine der größten Kabarett-Hoffnungen Österreichs, ist 20 Jahre jung und steht schon seit einiger Zeit als Kabarettist und Schauspieler auf der Bühne. 2000 holte er sich den „Kärntner Kleinkunstdrachen“, 2003 den „Goldenen Kleinkunstnagel“. Apropos „Kleinkunstnagel“: dieser Wettbewerb findet von 9.–11. November 2004 im Wiener Theater am Alsergrund statt. Ende der Bewerbungsfrist ist der 15. September diesen Jahres.

    Lukas Resetarits brachte im März sein neues Programm, sein 21. Solo-Kabarett-Programm, das den Titel „Nachspielzeit“ trägt, auf die Bühne. Keine Angst, nicht nur für Fußballfans, eher für Freunde des politischen Kabaretts. Resetarits ist in seinem jüngsten Programm deutlich politischer als in seinen letzten Programmen, die größtenteils eine Aufarbeitung seiner Kindheit (im kroatischen Stinatz) waren. Hervorzuheben ist dabei, dass die beiden Resetarits-Brüder bis zu ihrem Umzug nach Wien im Jahr 1951 nicht deutschsprachig aufwuchsen. Resetarits packt Um- und Zustände humorvoll, aber kompromisslos an, zeigt neoliberale Tendenzen pointiert auf (Co-Autorin ist seine Tochter Kathrin) und erfindet neue Superlative, wie z. B. für Bundeskanzler Schüssel („der größte Zwerg“), dem er auch ein schönes Wortspiel in den Mund legt: „Ihr habt’s mi g’wählt, jetzt quäl’ i euch!“ Doch zurück auf die Kleinkunstbretter und zu den Festivals des heurigen Sommers. Zum 15. Mal findet heuer das Kleinkunstfestival in Windischgarsten (Oberösterreich) statt, und zwar am 11. und 12. Juni. Dabei sind u. a. die arrivierten Thomas Maurer & Florian Scheuba mit „Anleitung zur politischen Unmündigkeit“, Irmgard Knef mit „Aufgestanden aus Ruin“, Bernhard Ludwig mit seinem „Best of Seminarkabarett“, Werner Brix mit „Brix allein im Megaplexx“ sowie die Newcomer und Kabarettpreis-Einheimser des Jahres 2003, Walter Seidl mit „Warum Richard III.?“ und der bereits erwähnte Thomas Stipsits. Durch das Programm führt Helfried, der kürzlich sein neues amüsantes Programm „Helfried heiratet“ vorgestellt hat. Im Juli (vom 1.–31.) gibt es wieder das Bregenzer Kleinkunstfestival „Seelax“ auf der Seepromenade. Erstmals nicht im Spiegelzelt, sondern im neuen Musik- und Theaterzelt „Freundenhaus“. Im August (23.–28.) gibt es dann das renommierte Festival „Comicodeon“ in Kapfenberg (Steiermark) mit Komikseminaren, einer „langen Nacht der Clownerie“ sowie Auftritten von Thomas Stipsits oder Helfried mit dem neuen Programm. Darüber hinaus unternimmt er auch eine etwas andere Stadtrundfahrt unter dem Titel „Kapfenberg und seine Sehenswürdigkeiten“. Wer die Figur Helfried kennt, kann sich vermutlich denken, wie diese Stadtrundfahrt abläuft. Viel Spaß!

    Im September gibt es dann einige Premieren, z. B. im Burgenland. Nein, falsch geraten. Die Premiere von Roland Düringer findet in der Cselley‑Mühle in Oslip statt (ich glaube nicht, dass Oslip ein Freibad hat). Düringer nennt sein neues Programm originellerweise „Dürflinger“. Karl Ferdinand Kratzl macht wieder Kabarett. Endlich wieder, ist man geneigt auszurufen. Sein neues Programm heißt „Mörder Karl“ und feiert am 9. September im Wiener Kabarett Niedermair Premiere. Ebendort wurde er 1989 beim so genannten „Sprungbrettl“ entdeckt. 1990 führte er dann sein erstes Stegreif-Solo-Kabarett-Programm „Bist du einsam heut’ Nacht?“ auf. Diesem folgten „An einem Bächlein helle“, „Im Liebesrausch“, „Plauderstunde“, „Der heilige Strohsack“, „Susi, wach auf! oder Ich komme!“, das 1998 seine Uraufführung erfuhr. Daneben und danach wirkte er als Schauspieler am Theater und in Filmen. 1992 erhielt er den „Salzburger Stier“ und den „Förderpreis zum Deutschen Kabarett-Preis“. Im Verlag Georg Hoanzl (er ist im Übrigen auch ein geborener Burgenländer, aus Kukmirn, falls es Sie interessiert) brachte er zu Beginn des heurigen Jahres zusammen mit Helga Bansch ein hübsch illustriertes Kinderbuch unter dem Titel „Schlappi. Am Anfang war der Hase“ heraus. Und für Dezember darf ich bereits ein neues Kabarett-Programm von und mit Josef Hader ankündigen.

    Redaktion: Iris Fink


    2004-06-15 | Nr. 43 | Weitere Artikel von: Iris Fink