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    Varieté in Berlin


    In Europas größtem und in seiner Art einmaligem Revuetheater, dem FriedrichstadtPalast, gibt es ab 1. August einen Personalwechsel. Der bisherige Intendant, Alexander Iljinskij, scheidet aus. Seine Nachfolge tritt der bislang als Operndirektor der Städtischen Bühne Osnabrück tätige Thomas Münstermann an. Mit diesem Wechsel wird es auch keinen Intendanten mehr geben, sondern zwei Geschäftsführer: Münstermann für die Kunst und der bereits tätige Guido Hermann für die Ökonomie. Die Bilanz, die Iljinskij bei der Vorstellung seines Nachfolgers zog, kann sich sehen lassen: Seit er 1993 das Haus aus einem völligen Chaos übernahm, stieg die Auslastung kontinuierlich, bei der letzten Produktion „Revue­palast“ auf 96 %, Kinder- und Weihnachtsrevue waren so gut wie ausverkauft.

    Am 27. April wird das Haus mit einer Jubiläumsgala das 20. Jahr der Eröffnung des neuen FriedrichstadtPalastes begehen.

    Nun bereits zum 243. Mal fand vom 1. bis 8. März die von Erich Richter in der Berliner Urania veranstaltete Senioren-Varieté-Reihe statt, u. a. mit dem vor allem in den neuen Bundesländern äußerst populären Conférencier „Günthi“ Krause. Akrobatisch erwähnenswert vor allem die Daidalos mit einer Ikarier-Darbietung und Peggy & Ronny am Trapez sowie Martin Mall mit seiner Diabolo-Arbeit. Weniger überzeugen konnten die Zweitdarbietung der Daidalos, eine Kaskadeurarbeit, und die Dialoge des Bauchredners Mike Maverick. Jede dieser Serien hat einen Stargast, in dieser Produktion war es der Musical-Interpret Keith Tynes.

    Im Chamäleon steht – nach einem einwöchigen Gastspiel der Cäsar-Twins – seit 4. März eine „Nacht der Komödianten“ auf dem Programm, die bis 27. Juni zu erleben ist. Der Untertitel der Produktion, „Der Humor hat überlebt“, soll Reminiszenzen an Humoristen und Komiker wie Charlie Chaplin, Karl Valentin und Lisl Karlstadt erwecken. Das ist allerdings sicher zu hoch gegriffen, und Hacki Gindas Persiflage auf Chaplins Großen Diktator funktioniert denn auch nicht. Ansonsten ist das Programm durchaus vergnüglich, vor allem durch Tom Noddys unbekümmertes Parlieren in einer Mischung aus Englisch und Deutsch, wenn er seine Seifenblasen entstehen lässt, und die Trapezdarbietung der Maiers, das komische Paar am Trapez, das – schüchtern-verklemmt – die skurrilsten Situationen in der Luft entwickelt, eine sowohl in Tricks als auch in Situationskomik ausgefeilte Darbietung. Dazu die Daidalos mit ihrer Ikarier-Arbeit, Hacki Ginda mit seinen mehr oder weniger bekannten Gags, der Robot-Man Kai Eickermann und der in seiner Komik gewöhnungsbedürftige Robby Heim.

    Ein Teil der Akteure wechselt monatlich. Mit großer Spielfreude dabei sind die Homeboys, sowohl musikalisch als auch in den Spielszenen.

    Geschäftsführung und Direktion des Chamäleon liegen jetzt bei Volker Brümmer.

    Das Wintergarten-Programm „Capriccio“, das am 25. April auslief, konnte mit ausgezeichneter Akrobatik aufwarten. Das Duo Valery an Strapaten überzeugte mit für dieses Genre ungewöhnlichen Tricks, die über die eher einförmigen Auf- und Abgänge weit hinausgingen. Akrobatisch ebenso stark die Peres Brothers mit kraftvollen Hebetricks in Kombination mit Drehungen und Abstehern. Hier richtete sich das Interesse der Berliner Presse allerdings eher darauf, dass einer der beiden Brüder der Ehemann von Stephanie von Monaco ist. Ihre Hoffnung, die Prinzessin im Wintergarten zu sehen, hat sich allerdings nicht erfüllt.

    Star des Programms war zweifellos Kris Kremo, einer der besten Jongleure der Gegenwart, dessen Jonglagen mit Hut und Zigarre, Zylinder, Bällen und seinen Zigarrenkisten man immer wieder sehen und dessen Perfektion man immer wieder bestaunen kann.

    Dazu wieder einmal ein Conférencier, zaubernd und – manchmal ein wenig zu viel – plaudernd, aber durchaus sympathisch: Thomas Otto. Eine Neuerung wurde vorgestellt, die nun immer vor dem Programm zu sehen sein wird: Bilder alter Wochenschauen von vor 50 Jahren, damit wird an die Welturaufführung bewegter Bilder durch die Brüder Skladanowsky am 1.November 1895 im (alten) Wintergarten angeknüpft.

    Am 29. April beginnt das neue Wintergarten-Programm „Carambolage“ in der Regie von David Shiner, das bis 25. Juli laufen wird, mit dabei u. a. der Komiker Jigalov, der Jongleur Picaso jr. und das Akrobatik-Duo Dinh Anh aus Vietnam.

    Die ufafabrik begeht am 9. Juni ihr 25-jähriges Bestehen, zu den Highlights dieser Wochen gehört die Deutschlandpremiere des „Cirque ici“ von Johann Le Gillerm am 20. April.

    Im FriedrichstadtPalast ist nach den Theaterferien am 4. September die Premiere der Produktion „Hexen“ zu erwarten. Das Buch schrieb Alexander Iljinskij, angekündigt ist eine moderne Revue mit traditionellen Elementen.

    Redaktion: Dietmar Winkler

    2004-06-15 | Nr. 43 | Weitere Artikel von: Dietmar Winkler