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    Variete Stuttgart: Geburtstage in Stuttgart und Backnang

    Gleich zwei Geburtstage gilt es diesmal zu würdigen: Das Stuttgarter Friedrichsbau Varieté feierte am 24. Februar 2004 sein 10-jähriges Jubiläum, und das Backnanger TraumZeit-Theater nahm am 13. März vor einem Jahr seinen Spielbetrieb im historischen Gewölbekeller im Bandhaus auf. Beide Geburtstage sind besonders bemerkenswert, weil sie nicht nur für höchsten Anspruch bei den gezeigten Acts und für einfallsreiche, spannende Regie stehen, sondern auch für einen regelmäßigen Spielbetrieb, für Zuverlässigkeit und Kontinuität in der Planung. Kurz gesagt, beiden Theatern ist es gelungen, an ihrem Standort Wurzeln zu schlagen und zu einem festen Faktor im örtlichen Kulturangebot zu werden. Das, meine ich, kann in unserer Zeit, die mehr und mehr vom schnellen Geldverdienen ohne Rücksicht auf Verluste anderer geprägt wird, nicht hoch genug veranschlagt werden! Und so spürt man auch in beiden Häusern, wie gut aufgehoben und betreut sich die in der Regel weit gereisten Artisten hier fühlen. Und das hat natürlich wieder Auswirkungen auf die Qualität der Produktionen, ja, es ist das Geheimnis der faszinierenden Ausstrahlung der einzelnen Programme. Beiden Häusern wünsche ich, dass dies auch das Publikum erkennt und weiterhin durch seine Treue die Zukunft möglich macht, in die beide Theater an ihrem Geburtstag so hoffnungsvoll blicken.

    Das Stuttgarter Friedrichsbau Varieté präsentiert vom 16.04.–12.06. „Magic Swing“ mit Duncan Galloway als singender, britisch-charmanter, eher leiser, sich mit seiner Stimme einschmeichelndem Conférencier. Er war von 1989 bis 1995 Frontmann des legendären „Pasadena Roof Orchestra“ und verkörpert als „Stimme des Swing“ nicht nur den Programm-Titel, sondern lässt auch so manchen Song, darunter die Brecht-Weill’sche Mackie-Messer-Ballade, in neuem Licht erscheinen. „Magic Swing“ ist eine Musik-Revue mit darin eingebetteter, nicht minder begeisternder Artistik. Bei der von den Artisten mitgebrachten tänzerischen Qualitäten braucht Stefan Warmuth, der zum ersten Mal als Regisseur am Friedrichsbau arbeitet, keinen zusätzlichen Choreografen, um sein ganz eigenständiges Konzept mit Revue-Anklängen umzusetzen. Stefan Warmuth, gelernter Orchestermusiker (Kontrabass) und Komponist, war von 1992 bis 1999 musikalischer Leiter des Wintergarten-Orchesters in Berlin, und auch der Friedrichsbau in Stuttgart verdankt ihm manche, in den vergangenen zehn Jahren gespielte Auftragskomposition. Jetzt stellt er nachhaltig unter Beweis, dass er nicht nur mit Noten, sondern auch mit Menschen umgehen kann, um mit ihnen – ohne die individuellen Leistungen zu schmälern – so etwas wie ein Gesamtkunstwerk aus Licht, Kostümen, Musik, Artistik und Humor entstehen zu lassen.

    Starken Frauen widmet Michael Holderried das Geburtstagsprogramm in Backnang: Claudia Griseri conferiert und singt sich bereits durch die dritte Produktion des TraumZeit-Theaters und kündigt dabei ihre Geschlechtsgenossinnen (und die wenigen Männer) an. Eines ihrer Chansons zelebriert sie zusammen mit ihrem Hund, dessen unverkennbares Show-Talent auf weitere Auftritte neugierig macht. Silvia Lichtenberg zeigt „Contact Juggling“ im schwarzen Kleid und mit drei roten Bällen, eine zauberhafte Darbietung im Grenzbereich zwischen Manipulation und Jonglage, und nach der Pause ein choreografisch-elegantes Spiel im richtigen Licht mit Kristallkugeln.

    Andrea de Beer, hinter der sich die Hausherrin des TraumZeit-Theaters verbirgt, spielt die Rolle des Mediums im „Kabinett“ von Theaterdirektor Michael Holderried alias Michael von Reed so perfekt, dass ungerechtfertigte männliche Dominanz erst gar nicht aufkommt. Diese Nummer, mit der die Holderrieds jahrelang erfolgreich fast überall gastierten, steht übrigens im eigenen Theater zum ersten Mal im Geburtstagsvarieté auf dem Programm.

    Die Idee zu den starken Frauen stammt von Michael Holderried, dessen großer Erfahrung und unermüdlichem Einsatz Backnang sein TraumZeit-Theater verdankt. Und wenn man beobachtet, wie in das Haus laufend weiter investiert wird (da kommen spezielle Scheinwerfer und Projektionen hinzu, im Garderobenbereich ist so etwas wie ein Foyer entstanden, die Sichtverhältnisse wurden durch kleine Veränderungen der Platzanordnung optimiert usw.), kann man sich auf künftige unterhaltsame und zauberhafte Stunden freuen in einer kleinen Stadt, in der man eine solche Varietébühne nicht vermuten würde; eine Varietébühne, deren Programme eine ganz eigene Note haben und die sich mit den größeren Häusern in den Großstädten durchaus messen kann. Ähnliches ist auch vom „Zaubertheater Pegasus“, der zweiten Spielstätte der Holderried’schen Theaterbetriebe im selben Haus zu sagen, wo bereits ChaPeau, Juri Obreskow und Andino mit ihren abendfüllenden Programmen auftraten.

    Redaktion: Manfred Hilsenbeck

    AdNr:1085b  

    2004-06-15 | Nr. 43 | Weitere Artikel von: Manfred Hilsenbeck