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    Heiter bis ulkig

    Der Mai fing gut an. Am 1. feierte die Herkuleskeule ihren 40. Geburtstag. Nach Art des Hauses freilich, mit einem Festakt im Dresdner Staatsschauspiel, mit Gründungsvater Manfred Schubert, der Herkuleskeule und natürlich deren Chef Wolfgang Schaller und vielen, vielen Gästen wie Rainer Otto, Liedermacher Rainer Schulze, Martin Buchholz, Peter Ensikat der Distel, Georg Schramm... Kabarett war das bis zum Abwinken. Danach wurde am Sternplatz im angestammten Haus gefeiert. Auch bis zum Abwinken.

    Das konnten die Kollegen von der Herkuleskeule auch beruhigt tun, denn 14 Tage zuvor hatten sie die Premiere ihres neuen Programms "Komische Leichen" hinter sich gebracht. Makaber wurde es jedoch nicht, eher jubiläumsbedingt ein wenig nostalgisch, dann wieder aktuell, das Publikum musste alle Zeitsprünge wacker mitspringen. Im ganzen waren Gloria Nowack, Birgit Schaller, Michael Frowlin und Frank Weiland in ihrem Element, musikalisch bestens aufgelegt und sonst eben, wie man die Herkuleskeule kennt. Einen Steinwurf entfernt stellte im Juni bei Breschke & Schuch Manfred Breschke sein Solo "Dick Brother" mit charmanter Begleitung vor. Silke Krause am Flügel. Das Thema ist leicht zu erraten, Container-Kultur, für eine satirische Betrachtung eigentlich etwas spät.

    Am 20. Oktober 1967 wurden in Halle an der Saale die Kiebitzensteiner gegründet, am 31. Juli 2001 löste sie der Rat der Stadt auf. Künftig will die Kommune ein privates Kabarett finanziell unterstützen. Den Zuschlag hat ein Teil des Ensembles um den künstlerischen Leiter Lothar Bölck bekommen. Dennoch will der Rest des Ensembles um den ehemaligen Kabarett-Chef Rolf Voigt nicht aufgeben. Nach Möglichkeit hat Halle an der Saale somit künftig zwei Kabaretts.

    Die Leipziger Funzel meldete sich als politisches Kabarett zurück mit einem Programm von Mathias Wedel. "Light-Kultur Deutsch", heißt es. Und die academixer hatten für ihr Sommerprogramm im Hof des Paulaner-Palais Joachim Ringelnatz ausgegraben. Christian Becher, der das literarische Programm zusammenstellte und auch die Regie übernahm, griff zumeist auf unbekanntere Texte zurück. Mal Kuddeldaddeldu, mal lyrisch-skurril die Liebe beschreibend und makabere Ausflüge. Carolin Fischer, Peter Treuner, Meigl Hoffmann, Klaus Heyne und Peter Wilczynski sitzen an verschiedenen Tischen unter dem Publikum und deklamieren, wie man das halt in einer geselligen Runde macht, abwechselnd Ringelnatz-Verse. Und jeder setzt noch einen drauf. Am beeindruckendsten waren die Kuddeldaddeldu-Gedichte, die Meigl Hoffmann bierselig mit großer Geste aus vollem Halse ruft und die makaberen Gedichte die Klaus Heyne mit fahrig-schrulligen Gebärden lebendig werden lässt. Am Knopfakkordeon spielen alternierend Valery oder Eduard Funkner. Ein erbaulicher Abend in erbaulicher Kulisse.

    Nun aber zur 11. Lachmesse! Vom 4. bis zum 14. Oktober wird sie in Leipzig laufen. Mit mehr als 90 Veranstaltungen an elf Tagen mit Künstlern und Ensembles aus sieben Ländern ist es wieder einmal ein Festival der großen Zahlen. Nach dem Eröffnungsabend mit Thomas Freitag, der den Leipziger Löwenzahn für "Millionär in 98 Minuten" als das beste Programm der Lachmesse vom Vorjahr bekommen wird, steht am 7. Oktober die diesjährige Verleihung des Cabinet-Preises ins Haus. Der jeweils mit 5000 DM ausstattete Preis wird an Kabarettistinnen oder Kabarettisten aus den neuen Bundesländern in den Sparten Ensemble, Solist und Newcomer verliehen. Die Preisträger sind Breschke & Schuch, Olaf Schubert und Herbert, Horst und Heinz (alle aus Dresden).

    Im Mittelpunkt des Lachmessen-Programms steht wieder das deutschsprachige Kabarett und vertreten ist es mit allem, was in der Szene schön und gut ist. Georg Schramm, Zwingertrio, Matthias Belz, Michael Quast, Popette Betancor, Uwe Steimle, Markus Jeroch... um nur einige zu nennen. Erstmals sind dabei Siggi Zimmerschied und Richard Rogler. Eine Premiere gibt, Arnim Töpel stellt sein neues Programm "Ausgelacht" vor. Und da die Lachmesse ein Europäisches Humor- und Satirefestival ist, sind an den elf Tagen unter anderen auch Francesca de Martin aus Italien, Ludwig Müller aus Österreich, aus Polen Ireniusz Krosny und Frankreich Fabien Kachev eingeladen. Der erste Blick lässt noch keinen Schwerpunkt erkennen, aber schon soviel kann man sagen: Zwischen dem 4. und 14. Oktober wird in Leipzig großer Szenetreff sein, womit die Veranstalter wohl wieder einmal belegen wollen, dass die Lachmesse das größte Kleinkunstfestival Deutschlands ist.

    Harald Pfeiffer, Leipzig

     

    Termine:

    Premieren:

    3.10./Sanfwut: Einfach märchenhaft

    11.11./Sanftwut: Kassenkampf

    2001-09-15 | Nr. 32 | Weitere Artikel von: Harald Pfeiffer