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  • Themen-Fokus :: Variete

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    Varieté in Berlin

    Berlins Varietészene wird vorrangig geprägt durch „Wintergarten" und „Chamäleon".

    Vier bis fünf Inszenierungen stehen in der Regel pro Spielzeit auf dem Plan, beide Häuser spielen ohne Sommerpause, beim Chamäleon gibt es hin und wieder auch Gastspiele oder Kurzprogramme, die nur einen Monat laufen, und der Montag ist hier grundsätzlich dem Ensemble „Theatersport" reserviert.

    Die Premieren des „Wintergarten" haben sich als gesellschaftlicher Höhepunkt etabliert, Spitzenpolitiker vom Bund und dem Land Berlin, Botschafter und Künstler gehören zu den regelmäßigen Premierengästen. Gab es in den vorherigen Jahren Versuche mit wechselnden Regisseuren (so etwa mit Barbara Thalheim u.a.), so wurden die Programme des letzten Jahres durchweg von Roncalli-Direktor Bernhard Paul inszeniert. Eine Ausnahme bildete das Sommerprogramm mit Max Raabe und dem Palast-Orchester als Gemeinschaftsproduktion das Hauses mit dem Palast-Management, bei dem Raabe auch Regie führte. Herausgekommen war ein außerordentlich unterhaltsames Programm, in dem Raabe, auch selbst gekonnt conférierend, sich dieses Mal besonders auf Titel von Walter Jurmann stützte, aber auch Adaptionen von Poptiteln und – natürlich – die Lieder vom „Anrufbeantworter" und vom „Rinderwahn" zum Besten gab, herrlich komödiantisch das Lied von den drei Schweinchen und dem bösen Wolf. Das Palast-Orchester ist dabei immer in Bewegung, komisch agierend oder mit instrumentalen Titeln, zum Schluss sogar mit der singenden Säge.

    Die ausgewählten artistischen Darbietungen fügten sich bestens ein, so die eigenwilligen

    „Soers Pillères" aus Frankreich, zwei Damen im Tü-Tü, die sich als kampfeslustige Megären am Trapez entpuppten oder der Zauberkünstler Ad Alonso mit magischem Klamauk, etwa dem ständig verunglückenden Kanonenschuß zum „Zahnfang" eines Ziegelsteins.

    Höhepunkt im artistischen Bereich war zweifelsohne der französische Diabolokünstler Gilles Le Leuch, der mit ungewöhnlicher Leichtigkeit, schwierigen Wurfkombinationen und einem perfekten Zusammenspiel mit der Musik begeisterte; er begleitete den Abend außerdem als schüchterner, unbeholfener Requisiteur.

    Die Raabe-Gastspiele wird es im „Wintergarten" alle zwei Jahre geben, wegen des großen Erfolges 1999 wurde das Gastspiel für zehn Wochen terminiert.

    Zu den ständigen Einrichtungen das Hauses gehört das „Varieté zum Tee" an den Nachmittagen mit einheitlichen Preisen auf allen Plätzen und der Tanzabend „Swing it!" mit Spitzenmusikern einmal monatlich am Freitag um 23 Uhr.

    Das neue Programm „Nachtgestalten", wiederum unter der Regie von Bernhard Paul, hatte am 31. August Premiere und wird bis 4. November laufen. Mit dabei sind u.a. der ukrainische Comedy-Zauberer Voronin, der Handschattenspieler Bablu Malick und der belgische Komiker Jan van Dyke. Im Dezember folgt „Swingle Bells" mit dem Savoy Dance Orchestra und internationaler Artistik.

    Erstmals gastierte der „Wintergarten" am 14. Juli open air, der Abend auf der BUGA in Potsdam wurde mit 2300 Besuchern ein Riesenerfolg. Das Jahr 2002 steht im Zeichen des zehnjährigen Bestehen des Hauses, gipfelnd in einer Geburtstagsgala am 25. September 2002.

    Das Chamäleon-Varieté konnte am 16. Februar sein 10-jähriges Bestehen feiern, das aktuelle Programm „WeltTraum 2001" ging am 29.7. zu Ende, es wurde insgesamt sehr zwiespältig beurteilt, sowohl was das Buch betraf als auch dessen Umsetzung auf die Bühne.

    Am 5. August war die Premiere des Sommerprogramms „Wannsee und Spitzenhäubchen".

    Auch wenn der Bezug zum Titel kaum nachvollziehbar war, tat das dem Abend keinen Abbruch, es wurde ein echtes Chamäleon-Programm, bei dem die Spielfreude aller Akteure übersprang.

    Die Lonely-Husband-Mitglieder Steve Mazoschek und Uli Beckers ulkten in ihren Texten munter drauflos und waren in ihrer Schlagerparodie herrlich komisch; Chamäleon-Mitgründer „Hacki" Ginda hatte offensichtlich seine Sketche gestrafft und mit einigen neuen Ideen bereichert. Der Pantomime Stefan Linne überzeugte besonders mit seinen „Schlangen"-Händen. Akrobatisch war ebenso Erfreuliches zu erleben: Der immer wieder mit neuen Ideen überraschende Michael Korthaus mit seiner musikalischen Mundballjonglage und, als Duo Green Giftjonglierend mit Verkehrshüten und mit überdimensionalen Gummibällen;

    Tanja & Frida mit sehr ästhetischen, trickreichen Darbietungen am Trapez und an Tüchern und natürlich Oleg Izossimov mit seiner hervorragenden, kraftvollen Handstandäquilibristik.

    Als Trio Arkona, eine Standardnummer des Hauses, Hacki, Mazoschek und Korthaus mit einer Parodie auf eine Parterreakrobatiknummer. Mit viel musikalischem Spaß begleitete Lito Tabora am Flügel.

    Vom 9. September bis 13. Januar 2002 ist „Die Show Deines Lebens" angekündigt, u.a. mit Martina Brandl und Ulli Lohr.

    Die beliebten Mitternachtsshows wurden ab 31. August strukturell verändert: Der „Nachtbrenner" an den Freitagen bietet Tanz mit Live-Bands, DJ's und Artisten, die „Mitternachtsshow spezial" steigt an zwei ersten Samstagen im Monat mit Künstlern unterschiedlichster Genres (so am 31.1. mit „Latin Spektrum" und am 7.9. mit kubanischer Musik), an den beiden letzten Samstagen gibt es die „Mitternachtsshow classic" in einer bunten Mischung aus Show-Anfängern und Profis.

    Für nur einen Tag, am 2.8., war „Hacki" Ginda in seinem Sonderspektakel „Dinner For Fun" zu erleben.

    Nach wie vor an jedem ersten Sonntag im Monat um 15 Uhr finden die für jeden offenen Castings statt.

    Die ufafabrik bietet mit ihren zwei Sälen und einer Freilichtbühne die vielfältigsten Möglichkeiten für Showprogramme jedes Genres. Auf der Freilichtbühne läuft in jedem Sommer das „sunset-varieté", die letzte Produktion, „Ausländer raus!", war multikulturell besetzt, u.a. mit dem Interpreten australischer Didgeridoo-Musik Charly McMahon, der Sängerin Vivian, den Breaktänzern Berlin Beats, dem Bauchtanzduo Cinhangir und Katharina Joumani und dem Akrobatenduo Labados. Kurt Krömer, Moderator und Comedykünstler aus Berlin, führte durchs Programm.

    Der Friedrichstadtpalast versteht sich nicht eigentlich als Varieté, sondern als Revuetheater, hat aber in seinen Produktionen regelmäßig auch Artisten. Die außerordentlich erfolgreiche „Revue Berlin" ist noch bis 11. November zu sehen, im August gab es für sechs Tage ein Gastspiel der russischen Revue „Kostroma".

    Ein neues Varieté ist geplant: Rainer Grabowitz, Mitgründer des „Chamäleon", beabsichtigt, die derzeit leerstehende „Kleine Revue" des Friedrichstadtpalastes als neues Unternehmen zu etablieren.

    Redaktion: Dietmar Winkler

     

    2001-09-15 | Nr. 32 | Weitere Artikel von: Dietmar Winkler