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    Rückblicke

    Der Mann passt zum herben Charme der hessischen Spaßkultur wie der „Aschebäscher" ins kulturelle Sprachgut der Menschen in und um Frankfurt herum: Martin Schneider, gebürtiger Hesse aus Burgholzhausen, präsentierte sein neues Programm mit dem sinnigen Titel „Maddin" im Bürgerhaus Sprendlingen. Das Publikum reagierte prompt auf den Auftritt des Vollblutkomikers mit der charismatischen Oberlippe. Der Maddin verstand die Begeisterungsstürme im Zuschauerraum als Reaktion auf sein „erotisches Charisma". „Bist Du extra wegen mir gekommen", fragte er eine Zuschauerin, „dann muss ich ja Dein Traumtyp sein". Wie auch in seinem vorigen Programm „Handkäs überm Ätherleib" zieht sich ein Thema vorrangig quer durch Schneiders Programm: Die Frauen. Der Maddin ist zwar kein „Brezelsalzabkratzter" und läßt sich beim Zahnarzt nicht betäuben - weil er Angst vor den Spritzen hat - trotzdem hat er es mit der Frauenwelt nicht leicht. Das Publikum im ausverkauften Bürgerhaussaal tobte, als Martin Schneider alias Maddin mit unerschütterlicher Naivität und unverrückbarem Glauben an die Menschheit an sich - und sich selbst im Besonderen - von einem Fettnäpfchen des Lebens ins andere tappte. Auch im hessischen Radiosender „FFH" ist Martin Schneider ein steter Gast. Nachdem der Sender sein Domizil von Frankfurt nach Bad Vilbel verlegte, wird sich der Maddin samt seines erotischen Charismas dann auch bei der Einweihung blicken lassen. Im September kommt übrigens voraussichtlich die neue Maddin-CD auf den Markt.

    Ebenfalls ein waschechter Hesse ist der Stand-up-Mann Vince Ebert. Der Isenburger spielte sein neues Programm „Comedy Deluxe- Die jetzt aber wirklich große Show" auf dem diesjährigen Hessentag in Diezenbach im Chapiteau-Theaterzelt vor mehr als 200 Gästen. Der Komiker im roten Rüschenhemd gefiel, obwohl der ehemalige Physikstudent seinem Diezenbacher Publikum kniffelige Fragen stellte: „Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass eine Katze immer auf die Füße fällt, ein Marmeladenbrot jedoch immer mit der bestrichenen Seite nach unten", sinniert Ebert und überlegt dann lautstark, was wohl passieren würde, binde man dem Tier das Marmeladenbrot auf den Rücken. Ebert hat seine Bühnenpräsenz in den vergangenen Monaten sichtlich weiter entwickelt. Er präsentiert den ewigen Verlierer mit Überzeugung. Kleinigkeiten werden zu Sensationen, Unfug wird zum Zaubertrick mit „Las Vegas-Qualität" und selbst als Sänger gibt der Komiker das schmallippige verkannte Genie. Alles frei nach Vince Eberts Devise: „Ich sag immer, Humor muss auch Spaß machen!"

     Nicht nur Comedy sondern Events unterschiedlichster Machart werden den Besuchern alljährlich beim Sommersprossen-Festival in Friedberg geboten. Den Auftakt des Festivals machte diesmal Nanette Scriba. Wer die zierliche Sängerin im Hof des Wetterau-Museums erleben wollte, musste sich allerdings warm und regendicht anziehen, denn es goss in Strömen. Scriba selbst und ihre Musiker, der Wetterauer Pianist Dirk Reifeisen, Saxophonist und Flötist Dirko Juchem sowie der Percussionist Mark Collazo, spielten dagegen ungebremst im Trockenen. Das Publikum schien den musikalisch und gesangstechnisch perfekten Vortrag trotz des Wetters zu genießen. Leider ließ jedoch die allzu steife und etwas sterile Bühnenpräsenz der Künstlerin zu wünschen übrig. Ansonsten ist beim Sommersprossen-Festival mit Künstlern wie Matthias Beltz, dem Theater Mimikri, den U-Bahn Kontrollören in tiefgefrorenen Frauenkleidern und einem sorgfältig ausgesuchten Kinderprogramm wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.

     Zwei Künstler der ganz alten Schule kamen mit dem belgischen Duo Les Founambules ins Bürgerhaus Dreieich. Joseph Collard und sein langjähriger Bühnenpartner Jean-Louis Danavoye hatten sich 1999 getrennt.

    Seit November vergangenen Jahres steht Joseph Collard mit seinem neuen Partner Adelin Doisne und dem Programm „Campingpong" auf der Bühne. Mit wenig Requisiten, ungestümem Spieltrieb und originellen Verwandlungsideen schafften es die beiden Komiker ihr Dreieicher Publikum in eine Welt zwischen Stummfilmszenario, gekonnten (panto)mimischen Elementen und moderner visueller Comedy zu entführen. Nach einem tosenden Schlussapplaus komplimentierte das Duo die Zuschauer höchstpersönlich zur Tür hinaus.

    Vorblicke

    Stand-up Comedy und Kabarett wird dagegen bei der inzwischen einjährigen Comedy-Show „Brennpunkt Zwerchfell" im Friedberger Café Kaktus geboten. Nicht ganz regelmäßig, aber immer sonntags, präsentiert Vince Ebert jeweils drei Gäste aus dem erlauchten Kollegenkreis. Im vergangenen Jahr waren in der inzwischen meist ausverkauften Show schon Kabarettisten und Comediens wie Bill Mockridge, Gregor Mönter, Rolf Miller und Ingo Börchers zu Gast. Auch am 28. Oktober und 9. Dezember heißt es im Café Kaktus wieder „Bühne frei" für die „Brennpunkt Zwerchfell"-Comedy-Nacht. Im Herbst und Winterprogramm des Café Kaktus sind dann auch Künstler wie Stefan Jürgens, Lutz von Rosenberg-Lipinsky sowie Musiker unterschiedlicher Sparten zu sehen.

    Eine kleine, aber feine Bühne ist auch die Kleinkunstbühne „Frau Batz" in Frankfurt. Seit mehr als zwei Jahren sind im 50 Plätze-Saal, der an eine recht urige Kneipe angeschlossen ist, in erster Linie hessische Kleinkünstler zu sehen. Die Bandbreite geht über Varieté-Veranstaltungen, Zauberei, Comedy, Kabarett und Impro-Theater bis hin zu erotischer Lyrik und Trash-Film-Vorführungen. Wer hier allerdings nach Pantomime, Tanztheater oder Bands Ausschau hält, ist völlig verkehrt. „Frau Batz" bietet zudem an jedem ersten Mittwoch im Monat eine „offene Bühne" unter dem Titel „Die 60-Minuten-Terrine" an. Dort haben auch schon Fernseh-Comediens wie „Switch"-Mann Bernhard Hoecker für ihre Bühnenprogramme neue Nummern ausprobiert. Am letzten Mittwoch im Monat gibt es Chansons auf der Batz-Bühne. Wer an der „60-Minuten-Terrine" oder am Chanson-Abend Interesse hat, kann sich unter der Rufnummer (0 69) 59 79 18 53 bewerben.

    Also nix wie hin - auf und zu den deutschen Kleinkunstbühnen!

    Viel Spaß dabei wünscht Christine Krebs

     

     

    2001-09-15 | Nr. 32 | Weitere Artikel von: Christine Krebs